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Kein guter Rutsch ins neue Jahr

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Bruder Claudius versteht die Welt nicht mehr. Der Ordensbruder war zuletzt verbalen und schriftlichen Angriffen von Unbekannten ausgesetzt. Foto: Archiv Wechslinger

Berchtesgaden – Für Bruder Claudius von den Franziskanern in Berchtesgaden war es heuer im wahrsten Sinne des Wortes kein guter Rutsch ins neue Jahr. Nicht nur, dass sich der 34-jährige Ordensbruder vor zwei Wochen bei einem Sturz auf dem Weg zum Kloster verletzte. Vielmehr wurde er – am Boden liegend – auch noch von unbekannten Tätern diskriminiert und später sogar noch bedroht.


Der stets gut aufgelegte Bruder Claudius befand sich gerade auf dem Rückweg zum Franziskanerkloster in Berchtesgaden, als es ihm die Beine unter dem Körper wegzog. Auf der spiegelglatten Oberfläche des Bürgersteigs verlor er den Halt und stürzte.

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Die Folge war eine schmerzhafte Bänderdehnung im Knie, die ein selbstständiges Aufstehen unmöglich machte.

Von einer Gruppe Jugendlicher, die sich näherte, erhoffte sich der 34-Jährige Hilfe, um die er auch bat. Doch seine Hoffnung wurde bitter enttäuscht. »Mit großer Fassungslosigkeit musste ich feststellen, dass die Passanten gleichgültig wegschauten und mich mit meinem Schicksal alleine ließen«, erinnert sich Claudius.

Besonders gefühlskalt reagierte einer der jungen Männer, der unbeeindruckt seine Zigarettenkippe noch in Richtung des abgebrochenen Gehstocks warf und ein helfendes Eingreifen keinesfalls in Erwägung zog.

Wenige Tage später traf es Bruder Claudius sogar noch heftiger. Als er in sein Auto steigen wollte, um seinen Außendienst zu verrichten, sah er ein Plakat in DIN-A4-Größe anonymer Herkunft am Schaukasten des Klosters kleben. Darauf befanden sich übelste Beschimpfungen und Diffamierungen. Dummer Rassismus und Hass prallten dem Ordensbruder entgegen. Für den gebürtigen Oberschlesier mit deutscher Staatsangehörigkeit ist diese menschliche Kälte und Beleidigung sehr traurig.

Auf eine Anzeige bei der Berchtesgadener Polizei verzichtete der offenherzige Ordensbruder, der seit 14 Jahren in Berchtesgaden tätig ist, dennoch. Schließlich hat er die Hoffnung auf Besinnung und Nächstenliebe immer noch nicht aufgegeben. Ulli Kastner