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Kein Notstand beim Wasserstand

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Viel Platz ist nicht mehr zwischen Königsseer Ache und der Straße zum Gasthaus »Waldstein«: Der Wasserpegel ist durch den Dauerregen zwar gestiegen, jedoch noch nicht so schlimm, dass man sich in den Gemeinden Sorgen machen müsste. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Es regnet und regnet und regnet. Erinnerungen an das Pfingsthochwasser vor drei Jahren werden wieder wach. Droht die nächste Überschwemmung? »Nein, im Moment schaut es nicht danach aus«, sagt Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, der als Bauingenieur viele Jahre für das Wasserwirtschaftsamt gearbeitet hat und somit vom Fach ist. Auch Michael Ernst, der Geschäftsleiter der Marktgemeinde Marktschellenberg, und Hans Brüggler, der Gemeindebaumeister von Schönau am Königssee, sehen trotz Dauerniederschlägen keine Probleme.


Gestern, exakt 9.03 Uhr: Marktbürgermeister Franz Rasp erhält eine Warnmeldung vom Deutschen Wetterdienst auf sein Smartphone. »Warnung vor ergiebigen Dauerregen bis 15 Uhr« heißt es da. Was den Fachmann aber nicht aus der Ruhe bringt. »Bloß, weil es lange regnet, gibt es noch lange kein Hochwasser«, weiß Rasp.

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Ein Blick auf die Homepage des Hochwassernachrichtendienstes (www.hnd.bayern.de) liefert aktuelle Daten und Prognosen. So ist beispielsweise der Wasserstand beim Klärwerk an der Berchtesgadener Ache hinterlegt. Die durchschnittliche Wasserstandsvorhersage für Freitag lautete 120 bis 130 Zentimeter. Tendenz sinkend. Am Mittwochvormittag lag der gemessene Wert bei 150 Zentimetern. Zum Vergleich: Beim Jahrhunderthochwasser am 2. Juni 2013 waren es 312 Zentimeter.

Kurze, heftige Schauer gefährlich für Gerer Bach

»Hochwasser ist abhängig davon, wo was runterkommt«, so Franz Rasp. Damit die Berchtesgadener Ache überläuft, seien etwa zwölf Stunden intensivste Niederschläge am Stück nötig. Bei einer Vorsättigung des Erdreichs zwischen sieben und acht Stunden. Anders schaue es beim Gerer Bach aus. Dort reicht eine Stunde heftiger Regen mit mindestens 60 Litern pro Quadratmeter pro Stunde. So wie es 1998 der Fall war. Generell gefährlich seien sogenannte konvektive Niederschläge, also kurze, heftige, lokal begrenzte Schauer.

Bei der Ache sei jedoch die Großwetterlage entscheidend. Und dabei vor allem sogenannte Vb-Wetterlagen. Denn die brächten große Niederschlagsmengen in Südostdeutschland, die an Gebirgen durch Anstau verstärkt werden, mit sich.

»Prognosen beobachten«

Momentan sieht Marktbürgermeister Franz Rasp keine Hochwassergefahr in Berchtesgaden. »Wir werden die Prognosen beobachten«, sagt er. »Nervös werde ich ab 200 Litern pro Quadratmeter binnen 24 Stunden.«

Der Gemeindebaumeister von Schönau am Königssee, Hans Brüggler, gibt auch für seine Gemeinde Entwarnung: »Bis jetzt sind mir keine Probleme gemeldet worden«, berichtet er auf Nachfrage. Die Bäche würden regelmäßig geräumt, damit sich nicht so viel Gestein ansammelt, und somit die Hochwassergefahr gesenkt. Am Pletzgraben wurde ein Geschiebe-Rückhaltebecken installiert, das regelmäßig geleert wird, so Brüggler.

Auch in Marktschellenberg glaubt man derzeit nicht, dass es Überschwemmungen geben wird. »Die Unwetterwarnung gilt noch bis 15 Uhr. Wir befürchten nicht, dass etwas passiert«, so Gemeindegeschäftsleiter Michael Ernst. »Der Pegel der Ache ist zwar hoch, aber es fehlt noch ein Stück, ehe sie über die Ufer tritt.« Die Almbachklamm ist dennoch aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Beim Marktschellenberger Bauhof hat es bisher keine Sondereinsätze gegeben, dennoch sind für den Notfall alle startbereit. »Wir kontrollieren unsere Strecken regelmäßig, damit kein Ortsteil abgeschnitten wird oder Ähnliches«, versichert Ernst. cfs/ra/av