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Kein Schwerlastverkehr mehr im Wasserschutzgebiet Endstal

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Nach Abtragung des giftigen Teers soll der obere Straßenbereich im Wasserschutzgebiet Endstal künftig zum reinen Wanderweg werden. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Wieder gibt es eine neue Lösungsvariante im Zuge der Altlastensanierung am Kehlstein. Hintergrund ist der Schutz des Wasserschutzgebiets Endstal und der für die Marktgemeinde Berchtesgaden so wichtigen Scharitzkehlquelle.


Fahrzeuge sollen aus diesem Bereich künftig weitgehend ausgesperrt bleiben. Für die Entsorgung des giftigen Teerbelags in diesem Bereich und die spätere Nutzung durch den Forstbetrieb Berchtesgaden soll eine alte Trasse vom Beginn des Ligoascht-Fußwegs hinauf zur bestehenden Straße zur Bau- und Forststraße ausgebaut werden.

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Weit fortgeschritten ist die Altlastenentsorgung auf den Kehlsteinstraßen. »Die teerhaltige Deckschicht der im Zuständigkeitsbereich der Bayerischen Staatsforsten liegenden Kehlsteinwege konnte mittlerweile bis auf die Wegstrecke im Wasserschutzgebiet Endstal ausgebaut und entsorgt werden«, sagte Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller am heutigen Mittwoch in einem Pressegespräch. Eigentlich wollte man die restliche Strecke jetzt im Anschluss sanieren und zu einer mit Lkws befahrbaren Straße herrichten. Doch das Wasserschutzgebiet macht die Sache kompliziert.

»Das konzentrierte Einleiten von Wasser sollte unbedingt vermieden werden«, sagte Dr. Müller. Es hätte deshalb eine lange Rohrleitung bis in die Endstalkurve erstellt und das von der Straße abgeleitete Wasser in den nahe gelegenen Bach abgeleitet werden müssen. Außerdem wären die Auflagen für die Sanierungsarbeiten an der Straße enorm gewesen. Bauen wäre nur bei anhaltend trockener Witterung möglich gewesen. »Und wir bräuchten 26 solche Tage«, betonte Müller. Und die schützende Deckschicht müsste wegen potenzieller Gefahr für das Grundwasser nach dem Abtrag möglichst rasch wieder aufgebracht werden. »Die Lkws können auf der schmalen Straße aber nicht gleichzeitig an- und abfahren«, gab der Forstchef zu bedenken.

Bilder vom Pressegespräch:

Alte Trasse als Lösung

So kam man zu der Idee, auf einer westlich gelegenen bestehenden alten Trasse eine später als Forststraße zu nutzende Baustraße zu errichten. Das ermöglicht den Abtransport des giftigen Teermaterials. »Es wird dann zwischen Scharitzkehl und Ligoascht keinerlei Schwerlastverkehr mehr fahren«, betonte Müller. Der oberhalb der Endstalkurve gelegene Straßenabschnitt wird künftig nur noch als zwei Meter breiter Wanderweg dienen und gar nicht mehr befahren werden.

Der untere Teil oberhalb der Scharitzkehl wird nur noch den Rettungsdiensten und dem Nationalpark als Fahrweg zur Verfügung stehen. Es muss dann auch keine aufwendige Straßenentwässerung gebaut werden, »das Wasser sickert dann von der mit einer mineralischen Deckschicht überzogenen Straße einfach in den unterhalb gelegenen Hang«. Nur bei den Stützbauwerken sollen für die Entwässerung die bestehenden Durchlässe genutzt werden.

Die neue Straße beginnt beim bisherigen Ligoascht-Fußweg, zweigt nach 100 Metern nach rechts ab und schlängelt sich östlich der Alm bis zur Ligoaschtstraße hinauf. Die rund 1,4 Kilometer lange Straße soll drei Meter breit und maximal 17 Prozent steil werden.

Dass die Nationalparkverwaltung diese Lösungsvariante begrüßt, betonte deren stellvertretender Leiter Ulrich Brendel. »Vom Wegfall des Schwerlastverkehrs in diesem Bereich profitieren Natur und Erholungssuchende«, sagte Brendel.

Wasserversorgung für den Obersalzberg

Für die Marktgemeinde Berchtesgaden zählt dagegen in erster Linie der Schutz der Scharitzkehlquelle. Die ist für die Gemeinde neben der Wimbachquelle das »zweite Standbein« in der Wasserversorgung. Die Gebiete am Obersalzberg und das Hotel Kempinski werden mit diesem Wasser versorgt. Wenn der Wassernachschub aus dem Endstal ausfällt, kann die Versorgung allerdings ersatzweise auch mit auf den Berg gepumptem Wimbachwasser erfolgen.

»Die Scharitzkehlquelle ist durch eine dünne Humusschicht nur relativ schlecht geschützt und sehr störanfällig«, erklärte Bürgermeister Franz Rasp die Sorgen der Marktgemeinde. Die beste Lösung für einen umfassenden Schutz sei es deshalb, überhaupt keinen Verkehr im Schutzgebiet zu haben. Allerdings räumte der Rathauschef auch ein, dass der Ausbau des giftigen Teers ein gewisses Risiko beinhalte. »Das ist der Preis, den wir für später besseren Schutz zu zahlen haben«.

Teerpartikel und Staub dürften auf keinen Fall ins Quellwasser gelangen. Zur Sicherheit will man die Quelle während der Bauarbeiten aus dem Versorgungsnetz nehmen. Außerdem kündigte Franz Rasp an, dass die Marktgemeinde vermutlich den Straßenbereich um die Quellfassung mit einer Spritzasphaltdecke versehen werde.

Kostensteigerung nicht befürchtet

Vom Sinn des Projekts nicht ganz überzeugen ließ sich nach wie vor Klaus Gerlach, der sich in der Bürgerinitiative bereits für einen Erhalt der Kehlsteinwege eingesetzt hatte. Er befürchtet, dass die auf 5 Millionen Euro angesetzten Kosten für das Projekt nicht zuletzt wegen der zusätzlich erforderlichen Entsorgung von 20 000 Tonnen mit organischen Stoffen durchsetzten kontaminierten Materials stark ansteigen werden.

Das konnte Dr. Daniel Müller allerdings nicht bestätigen. Weil man an anderer Stelle auch Einsparungen erzielt habe, »gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass der gesteckte Kostenrahmen nicht eingehalten werden kann«. Mit ausschlaggebend werde aber sein, ob man mit der Maßnahme heuer fertig wird oder nicht. Ulli Kastner

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