weather-image

Keine Angst auf dem Adventsmarkt

3.3
3.3
Bildtext einblenden
Polizisten aus München bewachen von 14 bis 20 Uhr den Berchtesgadener Advent. Schwer bewaffnet, mit Maschinenpistolen. Wer auf den Berchtesgadener Advent will, der muss erst einmal an ihnen vorbei.
Bildtext einblenden
Die Stimmung ist normal, nicht anders als sonst. (Fotos: Voss)
Bildtext einblenden
Reiner und Steffi Hinterseer genießen weiterhin ihren Glühwein am Christkindlmarkt und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.

Berchtesgaden – Acht Polizisten der Bereitschaftspolizei München, schwer bewaffnet mit Maschinenpistolen, standen gestern vor dem Tor zum »Berchtesgadener Advent« am alten Postturm. Nicht nur das: Jeder Eingang zum Markt wird bis auf Weiteres bewacht. Bei Bedarf kontrollieren die Männer und Frauen auch Taschen. Nach dem Anschlag auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin kam diese Anweisung vom Innenministerium. Wie reagieren Besucher und Standbetreiber auf diese Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen? Bringt das etwas? Und vor allem: Wird das Ziel – ein verbessertes Sicherheitsgefühl – erreicht?


Die Organisatorin Biggi Zobel vom Team des »Berchtesgadener Advents« wurde von der Polizei über die Maßnahmen informiert. Dazu sagt sie: »Wir sind froh um die Sicherheitsvorkehrungen, und bedauern, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Hoffentlich ist bei uns ein Eingreifen nicht notwendig.« Mit ihrer Meinung ist sie nicht die Einzige.

Anzeige

Vroni Müller steht im Weihrauchstandl am Schlossplatz. Sie ist nach den Vorkommnissen in Berlin nicht verängstigt: »Ich habe überhaupt keine Angst. Da denk ich gar nicht dran, dass bei uns etwas passieren kann.« Und wenn Polizisten an ihrem Stand mit Maschinenpistolen vorbeigehen? »Es ist vielleicht nicht ganz so schön, aber ich glaube, es wird sich keiner dran stören. Es ist ja doch für unsere Sicherheit, aber ich denke, es wäre nicht notwendig bei uns, so einen großen Aufwand zu betreiben.«

Andere sind wiederum sehr dankbar für den Aufwand der Polizei. Als sich die Münchner Beamten gerade unter dem großen Tor am alten Postturm zusammenstellen und besprechen, kommt eine Fußgängerin auf sie zu und sagt: »Ich fühle mich dank Ihnen sehr sicher. Von mir aus können sie gar nicht genug Waffen dabei haben.« Aber auch ohne die Polizisten hätte sie hier in Berchtesgaden keine Angst gehabt.

Auch Klaus Schebesta aus Mannheim lässt sich nicht unterkriegen und genießt seinen Glühwein an einem Stand auf dem Schlossplatz. Er verbringt seinen Urlaub in Berchtesgaden. Dazu zählt auch ein Besuch auf dem Berchtesgadener Advent. Zu der Gefahr durch Terror sagt er: »Man ist ja eigentlich nirgends mehr sicher. Man hat es in Ludwigshafen gesehen: Der Junge, der ein Attentat geplant hatte, lebte in Deutschland.« Seiner Meinung nach müsse man das Risiko heutzutage einkalkulieren. Polizisten könnten aber nicht alles kontrollieren und verhindern, auch keinen drohenden Anschlag. Als Beispiel nennt er eine Frau, die eine Burka trägt. Diese könne auch auf dem Adventsmarkt alles darunter verstecken, und man würde es nicht sehen können. Schebesta nippt an seinem Glühwein, und das lässt er sich in seinem Urlaub auch nicht nehmen.

Unter den Einheimischen herrscht derweil ebenso entspannte Stimmung. Die Schönauer Reiner und Steffi Hinterseer haben am Mittwochmittag, kurz nach der Öffnung des Marktes, noch keine Polizisten gesehen. Diese sind erst von 14 bis 20 Uhr im Einsatz. Aber selbst wenn: »Ich fühl mich eigentlich sowieso sicher, weil wir zum Glück auf dem Land leben«, ist die Meinung von Reiner Hinterseer. »Es kann überall was passieren, aber ich fühl mich sicher und gehe auch weiterhin auf den Christkindlmarkt.«

Steffi Hinterseer sagt zur erhöhten Polizeipräsenz: »Man fühlt sich vielleicht sicherer, aber ob das allgemein so viel bringt, ist die Frage. Wir sind auf dem Land, und ob wir so einen hohen Faktor an Gewalt haben, weiß ich nicht. Ich bin unschlüssig, ob das etwas bringt. Die Schönauerin ist eher der Meinung, wenn Polizisten mit Maschinenpistolen herumgehen, mache dies die Stimmung kaputt und ziehe die Besucher herunter. »Nichts gegen die Polizeiarbeit, aber ob man sich durch die erhöhte Polizeipräsenz sicherer fühlt, das bezweifle ich.« Angst haben die beiden jedoch nicht.

Margit Böhm-Sottung arbeitet auf dem Christkindlmarkt. Sie fühlt sich deutlich wohler dank der Beamten, die alles im Auge behalten: »Es ist mir schon lieber. Ich fühl mich sicherer, wenn die Polizei präsent ist. Ich denke zwar nicht, dass die Polizei im Ernstfall viel tun kann, aber wenn sie da sind, ist das für die Leute schon beruhigend.« Dann würden sich die Leute auch trauen, auf den »Berchtesgadener Advent« zu gehen. »Sonst wären sie vielleicht daheim geblieben.« Böhm-Sottung selbst würde nicht mehr auf einen Christkindlmarkt in einer Großstadt gehen. »Bei den kleinen Märkten denke ich mir nichts. Große Menschenansammlungen würde ich meiden. Aber bei uns hier ist es ja noch gemütlich.« Annabelle Voss