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Keine Gleichgültigkeit bei Gleichwertigkeit

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Die passenden Worte zu finden, ist in der deutschen Sprache manchmal nicht so einfach. Besonders bei der Geschlechterfrage gibt es keine klaren Regelungen. Foto: Anzeiger/Irlinger

Berchtesgaden - Manchmal ist es gar nicht so einfach, die richtigen Worte zu finden. Wenn es um das Thema Gleichbehandlung in der deutschen Sprache geht, scheiden sich die Geister, wie man Mann und Frau gleichzeitig anspricht. Im Berchtesgadener Land wird dieses Problem unterschiedlich gehandhabt.


Der Leser und die Leserin, die Leser/-innen, die Lesergemeinschaft, es ist schwer, ein Thema anzusprechen, ohne dass sich jemand ausgeschlossen fühlt. »Gendern« macht seit einigen Jahren in der deutschen Sprache die Runde. Beide Geschlechterteile sollen sich gleich angesprochen fühlen und doch wird man dieser Anforderung nicht immer gerecht.

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Clemens Wagner, stellvertretender Bürgermeister Marktschellenbergs, ist Personalcoach für Führungseinheiten, Unternehmen und Mitarbeiter. In seinen Seminaren legt er besonderen Wert auf die Anpassung beider Geschlechter. »Wo es sprachlich Möglichkeiten gibt, versuche ich auch Männer und Frauen anzusprechen.«

Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer sollen sich nicht benachteiligt fühlen. Die deutsche Sprache gibt die Möglichkeiten, Dinge für Männer wie Frauen auszudrücken und wir sollten sie nutzen«, so der Kommunalpolitiker.

Beim CJD Berchtesgaden wird die Genderfrage unterschiedlich gehandhabt. Der für PR und Öffentlichkeitsarbeit zuständige Eduard Goßner sagt dazu: »Innerhalb des Vereins versuchen wir beide Geschlechter gleich anzusprechen. Dabei nehmen wir zum Beispiel die Form »Mitarbeitende«.

Dadurch muss sich niemand ausgegrenzt fühlen.« Im Schriftverkehr und in Pressemitteilungen des CJD sind es verschiedene Faktoren, die entscheiden, wann etwas angeglichen wird oder nicht. Wenn etwa die Lesbarkeit behindert wird, nutzt der CJD auch nur männliche Formen.

»Wir setzen dann eine Fußnote, in der angegeben wird, dass mit der männlichen Form natürlich beide Geschlechter eingeschlossen werden«, meint Goßner. Auch die Länge eines Textes beeinflusst die Frage zur Anpassung der Geschlechter. Bestimmte Rechtschreibformen, wie etwa das »Binnen-I« schließt Goßner aus, da sie nicht leserfreundlich seien.

Dafür bringt Maria Schwaiger, Pressereferentin des Salzbergwerks Berchtesgaden, das Binnen-I in ihre beruflichen Schreiben innerhalb des Unternehmens mit ein. »Bei offiziellen Pressetexten achten wir darauf, Worte zu finden, die beide Geschlechter gleichermaßen ansprechen. Meistens werden weder Mann noch Frau direkt angesprochen.«

Die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT) bleibt konservativer mit der Ansprache seiner Gäste. Der Einfachheit halber verwendet die BGLT sowohl in ihren Printprodukten als auch auf der Website und im Social Web die meist verwendete männliche Form als geschlechtsübergreifend. Denn bisher habe zum Thema noch keine einzige kritische Rückmeldung einer Gästin die BGLT erreicht.

Allerdings verwende man in der Bildsprache bewusst oft die weibliche Form – sprich Frauen beim Wandern, Radfahren, Wohlfühlen – da die UrlaubsentscheiderInnen erwiesenermaßen meist Frauen seien. Ines Burkhardt