weather-image

»Keine Hinweise auf eine Gefährdung«

4.6
4.6
Bildtext einblenden
Rät den Berchtesgadenern und deren Gästen wachsam zu sein und im Verdachtsfall die Polizei zu rufen: Berchtesgadens Polizeichef Andreas Heynig. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Erst Würzburg, dann Ansbach: Der islamistische Terror ist in Bayern angekommen. Besteht auch in Berchtesgaden eine Gefahr? Der »Berchtesgadener Anzeiger« fragte nach bei Andreas Heynig, dem Leiter der Polizeiinspektion Berchtesgaden.


Herr Heynig, Terror in Europa, seit Kurzem auch in Bayern. Gibt es eine erhöhte Alarmbereitschaft?

Anzeige

Andreas Heynig: Die objektive Sicherheit hat sich nicht verändert. Sie befindet sich nach wie vor auf hohem Niveau. Es gibt keine Hinweise auf eine Gefährdungslage. Anders schaut es bei der gefühlten Sicherheit aus. Da ist es wichtig, dass wir die wieder bekommen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass wir von der Angst dominiert werden. Wir dürfen uns nicht einschränken.

Beim Seefest, zum Beispiel, hat es Taschenkontrollen gegeben.

Heynig: Natürlich sind wir sehr wachsam und schauen genau hin. Die Polizei in Bayern optimiert gemeinsam mit dem Innenministerium die Sicherheitskonzepte. Beim Seefest war es so, dass wir und die Veranstalter es für sinnvoll hielten, einen Sicherheitsdienst zu engagieren. Auch unsere Beamten zeigten verstärkt Präsenz.

Gilt Ähnliches für das Marktfest?

Heynig: Wir haben gemeinsam mit den Aktiven Unternehmen und der Marktgemeinde ein Sicherheitskonzept erarbeitet. So gibt es zum Beispiel an jedem Stand eine Person, die besonders auf Auffälligkeiten wie herrenlose Taschen oder Rucksäcke sowie verdächtige Leute achtet. Bei verdächtigen Beobachtungen rufen diese Personen dann die Polizei.

Wie schaut es mit der Polizeipräsenz aus?

Heynig: Es laufen viele Maßnahmen im Hintergrund. Auch sind wir optisch präsent. Schließlich muss der Staat seine Wehrhaftigkeit beweisen. Allerdings wollen wir es nicht übertreiben. Das wäre nicht angemessen. Denn genau das würde für Verunsicherung sorgen.

Kann man einen Anschlag dieser neuen Generation überhaupt verhindern?

Heynig: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Wichtig ist die Sensibilisierung der Bevölkerung. Wahrnehmen und mitteilen, lautet das Motto. Gibt es zum Beispiel ein verdächtiges Fahrzeug, das immer wieder an derselben Stelle steht? Oder kommt jemandem ein Urlaubsgast verdächtig vor? Aber natürlich sollte man nicht gleich jeden verdächtigen und vor allem zurückschrecken.

Im Talkessel wären jetzt in der Hauptsaison das Kehlsteinhaus und die Seelände ideale Ziele für Terroristen. Was würde im Ernstfall passieren?

Heynig: Wir sind auf solche sogenannten großen Schadensereignisse vorbereitet. Dafür gibt es Konzepte. Und zwar von der Bergung der Opfer bis zur Unterbringung der Einsatzkräfte. Denn natürlich würden wir Unterstützung aus ganz Deutschland und Österreich erhalten.

Was raten Sie Einheimischen und Urlaubern?

Heynig: Jeder Mensch hat ein Gespür dafür, zu erkennen, wenn eine Gefahr droht. Eine Wahrnehmung von ungewöhnlichem Verhalten. Auch wenn er es nicht detailliert begründen kann. Man merkt, wenn etwas nicht stimmt. Und dann sollte man die Polizei rufen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat angekündigt, dass es künftig unangemeldete Polizeikontrollen in Flüchtlingsheimen geben wird. Wie wird das im Talkessel ablaufen?

Heynig: Die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Heimleitung funktioniert ausgezeichnet. Wir sind auch jetzt schon sehr wachsam und schauen gelegentlich vorbei. Ich rate aber davon ab, ein Problem zu globalisieren und auf bestimmte Menschengruppen mit dem Finger zu zeigen. Es gibt bei uns keinen einzigen Verdachtsfall, keinen einzigen bekannten Gefährder. Christian Fischer