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Keine Premiumqualität zum Discountpreis

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73 Bäuerinnen informierten sich auf dem diesjährigen Bäuerinnenkranzl im »Brenner Bräu« über die aktuelle Situation der Molkerei Berchtesgadener Land. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Die Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land veranstaltete kürzlich ihr traditionelles Bäuerinnenkranzl im Gasthof »Brenner Bräu« in Bischofwiesen. 73 Bäuerinnen aus dem Milcheinzugsgebiet rund um den Watzmann informierten sich über die Situation der Molkerei im ablaufenden Milchlieferjahr. Vorstandsvorsitzender Andreas Argstatter stellte ihnen die allgemeine Marktentwicklung, Geschäftsführer Bernhard Pointner die aktuelle Situation der Molkerei vor. Erzeugerberater Georg Fischer erläuterte die Themen rund um die Milcherfassung und Rohmilchqualität und Veronika Pletschacher informierte über die für heuer geplanten Marketingaktivitäten der Milchwerke.


»Seit 1988 wurde die Milchmenge europaweit durch die damals eingeführte Milchquote gesteuert. Dieses Steuerungselement wird von der Politik aufgegeben und damit der Milchmarkt den freien Marktbedingungen übergeben. Der Quotenwegfall Ende März wird von allen Marktteilnehmern mit Spannung erwartet und die Auswirkungen werden dabei sehr kontrovers diskutiert«, so Argstatter, Vorstandsvorsitzender der Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land in Piding. »Die Erzeuger-Rohmilchpreise werden aufgrund der erwarteten steigenden Milchmenge weiter sinken. Lagen diese Anfang 2014 noch bei über 40 Cent, sind die Milchpreise in Nord- und Ostdeutschland aktuell zum Teil schon unter der 30-Cent-Marke.« Experten sind derweil der Meinung, dass sich der Markt erst im zweiten Halbjahr 2015 leicht erholen wird. Die großen Exporteure Neuseeland, USA und die Europäische Union haben alle ihre Milchmengen ausgeweitet, während die größten zwei Importländer China und Russland sich seit Monaten rückläufig entwickeln. Der erzeugte Preisdruck am Weltmarkt zeigt sich derzeit vor allem bei Milchpulver, das in den letzten Monaten preislich stark gesunken ist. Insbesondere Lebensmitteldiscounter nutzen die aktuelle weltweite Marktlage und senken die Milchpreise.

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»Wir wissen, dass unsere Höfe in der Berg- und Alpenregion nur dann überleben können, wenn durch die Milchproduktion ein ausreichend hohes Einkommen erwirtschaftet wird«, so Argstatter. Deshalb hat sich die Molkerei in Piding dazu entschlossen, sich erstmals in der fast 90-jährigen Geschichte der Molkereigenossenschaft den Marktregularien zu widersetzen und alle möglichen Anstrengungen zu unternehmen, um den Abgabepreis bei Berchtesgadener Land für konventionelle Milch weiterhin bei brutto 42 Cent zu belassen.

Neue Absatzmärkte im In- und Ausland erschlossen

»2015 wird ein ganz spezielles Jahr in der Geschichte der gesamten Milchbranche, aber auch unserer Molkerei im Speziellen«, so leitete Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land, seine Ausführungen ein. Die Molkerei hat in den vergangenen Jahren konsequent in Logistik- und Produktionskapazitäten investiert und neue Absatzmärkte im In- und Ausland erschlossen. Damit sieht sich der Geschäftsführer bezüglich der Verarbeitung und der Vermarktung sehr gut vorbereitet auf die erwartete steigende Milchmenge, die als Folge des Quotenwegfalls vorausgesagt wurde. Eine regelrechte »Milchwelle« bei der Molkereigenossenschaft in Piding werde dabei allerdings ausbleiben, da sich die eigenen Landwirte bereits in den vergangenen fünf Jahren auf dieses Marktszenario durch kontinuierliche Milchmengensteigerung vorbereitet haben.

Die Milchmenge konnte im vergangenen Jahr um 5,7 Prozent auf nun 266 Millionen Kilogramm gesteigert werden. Inzwischen liefern auch 120 Landwirte aus dem Werdenfelser Land und dem Staffelseegebiet ihre Bergbauernmilch nach Piding, sodass nun die Milch zwischen Watzmann und Zugspitze von knapp 1 800 Landwirten erfasst wird.

Marktforschungen haben bestätigt, dort wo Kunden sicher sind, dass faire Preise an die Erzeuger bezahlt werden, sind sie bereit, einen etwas höheren Produktpreis für hochwertige Milchprodukte mit echter Herkunftsgarantie zu bezahlen. Veronika Pletschacher, Marketing-Projektleiterin, stellte die geplanten Marketingaktivitäten für 2015 vor, in der die eigenen Landwirte als Markenbotschafter für faire Milchpreise ins Zentrum der Markenkommunikation rücken. So werden Bergbauern aus Berchtesgaden, Schönau und Weißbach in Kürze stellvertretend für ihre Berufskollegen auf Packungen, in Funkspots und in Broschüren kommunizieren, warum die Molkerei Berchtesgadener Land einen fairen Milchpreis bezahlt.

Über 1 500 Teilnehmer an Homöopathieschulungen

Am Ende informierte Georg Fischer, verantwortlich für die Erzeugerberatung in der Molkerei, die Bäuerinnen über die wieder anstehenden Homöopathieschulungen, die im März als Grund- und Aufbauseminare in der Molkerei abgehalten werden. Birgit Gnadl und Angela Lamminger-Reith, zwei Tierhomöopathinnen, informieren in diesen Seminaren über die Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendungsweise homöopathischer Heilmittel, die aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Ausgangsstoffen gewonnen werden. Inzwischen haben schon über 1 500 Teilnehmer die Schulungen genutzt. Für die anstehenden Kurse im März sind bereits 830 Bäuerinnen und Bauern angemeldet und damit alle Kurse wieder ausgebucht. fb