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Keine reine Kopfsache

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Ein begehrtes Fotoobjekt war der Unsichtbarkeitstisch, der durch bestimmte Winkelstellungen erreicht wird. (Foto: Anzeiger/Wechslinger)

Berchtesgaden – Großen Eindruck in der sehr gut besuchten Aula des Gymnasiums Berchtesgaden hinterließ am Freitag ein Vortrag von Diplomingenieur Martin Pietrek, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Flugzeugbau und Leichtbau der Technischen Universität Braunschweig. Der Doktorand verstand es, anhand von Bildern und Filmeinspielungen mit seinem verständlichen freien Vortrag nicht nur die »Großen«, sondern auch die »Kleinen« in seinen Bann zu ziehen.


Der Flugzeugbauexperte erzählte von der kühnen Idee, ein riesiges Papierflugzeug zu bauen, und zeigte den gesamten Entstehungsprozess vom Entwurf bis zum fertigen Flugzeug. Pietrek und 13 Studenten stellten mit dem Bau eines 18 Meter breiten, fünf Meter langen und 24 Kilogramm schweren Papierfliegers, der über 15 Meter weit geflogen ist, einen neuen Weltrekord auf, der auch ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen worden war.

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900 Tuben Klebstoff verbraucht

Bevor es jedoch so weit war, kam es zunächst zu einem Fehlstart und danach zu sehr viel Arbeit. »Carolo-Wilhelminchen« entstand in 2 500 Arbeitsstunden aus 900 Tuben Klebstoff und über 80 Quadratmetern Papier. Man habe sich zunächst die Frage gestellt, ob der Bau eines Rekordflugzeuges aus Papier einfach nur eine nette Bastelei sei oder mehr. Schließlich habe sich das 14-köpfige Team dazu entschlossen, die Bastelei hinter sich zu lassen und moderne Ingenieursmethoden anzuwenden. Nichts wurde dem Zufall überlassen, man ging höchst wissenschaftlich vor.

Zunächst einmal wurden sämtliche Werkstoffe mit modernster Computertechnik vermessen und auf ihre Festigkeit und Biegsamkeit getestet. Man testete die Aerodynamik und erstellte Computersimulationen, um den Weltrekord zu knacken, den davor die niederländische Delft University of Technology innehatte.

Das Flugzeug wurde schließlich von einer Person von einem Gerüst in 2,40 Metern Höhe aus mit Schwung in seine Flugbahn zum neuen Weltrekord geworfen. Man hätte dafür zehn Versuche gehabt, hat es aber schon mit dem ersten Versuch geschafft. Der Weltrekord der Braunschweiger Studierenden war auch schon in der Fernsehsendung »Galileo« zu sehen.

Wissenschaftsshow für Kinder und Erwachsene

Im Anschluss präsentierten die Oberstufenschüler des Gymnasiums Berchtesgaden unter der Leitung von Oberstudienrat Martin Hofreiter den siebten Wissenschaftsherbst Berchtesgadener Land, eine naturwissenschaftlich-technische Mitmachausstellung und eine Wissenschaftsshow für Schüler und Erwachsene, zum letzten Mal. Ziel war es, die Besucher durch Selbstausprobieren und Erleben zu animieren, sich über die Funktionsweise der Exponate und Experimente Gedanken zu machen und die dahintersteckenden Wissenschaften zu ergründen.

Insbesondere jüngere Schüler aus verschiedenen Bildungseinrichtungen des Landkreises ab der vierten Klasse erlebten im Rahmen der einwöchigen Ausstellung durch das Berühren, Spielen und Angreifen der verschiedenen Exponate die naturwissenschaftlichen Fächer aus einem anderen Blickwinkel als in der Schule. Die Jugendlichen entdeckten interessante Anwendungen und begeistern sich so verstärkt für diese Fachgebiete. Christian Wechslinger