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»Keine Rendite ohne Risiko, aber Risiko ohne Zinsen«

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Die Redner der Herbstversammlung (v.l.): Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, VR-Bankvorstand Jürgen Hubel und Bereichsleiter Simon Zuhra. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Der Auftakt der Herbstversammlungen der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost für ihre Mitglieder und Kunden fand kürzlich im Kongresshaus statt. Im Rahmen dieser insgesamt elf Informationsveranstaltungen berichtet der Vorstand über die Entwicklung der VR-Bank und geht auf aktuelle Themen aus der Finanzwelt ein.


In seinem Grußwort bescheinigte Marktbürgermeister Franz Rasp der Bank, dass sie auch in schwierigen Zeit gut aufgestellt sei, und hob das gesellschaftliche Engagement, besonders die von der VR-Bank gegründete Bürgerstiftung hervor.

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Bevor er die Entwicklung im abgelaufenen Jahr darlegte, ging Direktor Jürgen Hubel unter der Überschrift »Vom Nullzins zum Negativzins« auf die Auswirkungen der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ein. Mit dem Zitat von Bayerns Finanzminister Markus Söder »Die Banken können im Zinsgeschäft immer weniger Rendite erwirtschaften. Zugleich können sie sich aber auch günstig refinanzieren. Bereits hierin liegt die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung zulasten der deutschen Banken. Die billige Refinanzierung ermöglicht das Agieren unsolider Institute am deutschen Markt, die bei einem normalen Zinsniveau hierzulande keine Chance hätten«, fasste der Bankvorstand die Auswirkungen auf die regional tätigen Genossenschaftsbanken und Sparkassen zusammen.

Von der Zinspolitik der EZB seien jedoch nicht nur Genossenschaftsbanken und Sparkassen betroffen, so der Bankvorstand. Die EZB-Zinspolitik führe neben einer deutlichen Umverteilung zwischen den Euroländern auch zu einer Umverteilung unter den privaten Haushalten. So zählten die privaten Haushalte in Portugal, Griechenland und Spanien zu den Gewinnern, während Deutschland, Belgien und die Slowakei auf der Verliererseite stünden.

»Auch wenn sich die Stimmen der Kritiker mehren, ein Ende der expansiven Geldpolitik ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht und der Zins wird weiterhin im negativen Bereich bleiben«, sagte Hubel. Eine Weitergabe von Negativzinsen an private Sparer könne sich der Vorstand der VR-Bank jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorstellen.

Positive Zahlen zum Geschäftsjahr 2015 konnte der Bankvorstand vermelden. So ist die Bilanzsumme der VR- Bank um 4,6 Prozent auf mehr als 1,5 Milliarden Euro angestiegen. Insgesamt sind die betreuten Kundenanlagen auf gut 2 Millionen Euro angewachsen. Auch im Kreditgeschäft zeigen die Zahlen nach oben. Mit netto mehr als 43 Millionen Euro neuen Krediten konnten Kunden bei der Realisierung ihrer Vorhaben begleitet werden. Besonders hob Hubel dabei das VR-Agrardarlehen zur Unterstützung heimischer Landwirte hervor. Im vergangenen Jahr begannen auch die Bauarbeiten in Petting, wo die VR Bank ein neues, modernes Lagerhaus mit Tankstelle, Waschanlage und Bankfiliale errichtet hat. Das neue Lagerhaus konnte vor wenigen Wochen eröffnet werden. Der Bilanzgewinn der VR- Bank von gut 2,5 Millionen Euro ermöglichte neben einer angemessenen Stärkung des Eigenkapitals auch die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 4 Prozent an die Mitglieder.

Unter diesem Titel zeigte Bereichsleiter Simon Zuhra den Teilnehmern einen Weg, in Zeiten von Null-Zinsen doch noch eine akzeptable Rendite für ihre Anlagen zu erzielen. Dazu sei aber ein Umdenken in der Geldanlage erforderlich. Zum einen müsse die Bereitschaft wachsen, einen Teil des Ersparten längerfristig anzulegen und zum anderen sei eine gewisse Toleranz gegenüber Wertschwankungen erforderlich. Seine Ausführungen fasst der Bereichsleiter wie folgt zusammen: »Rendite ohne Risiko gibt es auf absehbare Zeit nicht, wohl aber Risiko ohne Zinsen«. fb