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Kinder-Köttbullar und Rentnerwaschanlage

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»Und: Hamma das Fest der Liebe gut überstanden?«, fragt Niko Formanek.

Berchtesgaden – Was ein »Pornobalken« oder ein Tankstellen-Lastminuteweihnachtsgeschenk und andere Alltagsabsurditäten sind, erklärten Isabel Pannagl und Niko Formanek.


Zusammen mit Martin Wichary und Michael Mutig packten vier Comedians auf der Bühne der »Watz Alm« persönliche Katastrophen in Wort- und Wahnwitz aus. Pro Abend gab es knapp drei Stunden Moserei und pure Kleinkunstunterhaltung. Das Lachfinale zum Jahresabschluss des »Watz Comedy Club« war zwei Mal restlos ausverkauft.

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»Und: Hamma das große Fest der Liebe gut überstanden?«, fauchte Niko Formanek gleich zu Beginn seines Auftritts das Publikum charmant an. Opener, also die ersten auf der Bühne, haben es bekanntlich am schwersten, für Erheiterung zu sorgen. Wird bei manchen Veranstaltungen im Publikum noch gegessen, hat ein Künstler sich auf der Bühne gegen das leckere Schnitzel auf dem Tisch durchzusetzen. Nebengeräuschsätze wie: »Du Schatz, kannst' mir mal eben noch den Salat herüberreichen«, sind für schnellfeurige Comedians dann allerdings ein gefundenes Fressen. Formanek verschaffte sich bereits vorher Respekt und das abgedunkelte Saallicht vermittelte Einhalt. »Na, reichte es nur zu einem Last-Minute-Weihnachtsgeschenk von der Tankstelle?« Vielleicht war es ja nur ein Gutschein. Mit viel Wiener Schmäh und Schlagfertigkeit brachte er die vorderen Reihen schnell ins Schwitzen.

Etwas dezenter, aber genauso böse, teilte anschließend Michael Mutig seine Pointen aus. Hilflos und genervt überfordert, klagte er vom täglichen »Gebrauch« mit Kindern. Schön sei die Einrichtung bei Ikea, wo diese gegen einen Bon mit Erinnerungswert abgegeben werden können. Aus den »Nichtabgeholten« werden dann die berühmten »Köttbullar« hergestellt, meinte Mutig. »Ich kann es nicht ändern, aber das Kind sah aus wie ein Kohlrabi«, redete er sich heraus, denn wenn eine Frau ein hässliches Kind hat, sagt sie immer: »Ganz der Vater.«

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Sebastian Dudas (Mitte) und seine Final-Comedians (v.l.): Martin »Wiggerl« Wichary, Michael Mutig, Isabell Pannagl und Niko Formanek. (Fotos: Tessnow)

Auch Martin »Der Wiggerl« Wichary hatte sich noch nachträglich auf Weihnachten eingeschossen und polterte mit vielen Spitzen deftig in rustikaler bairischer Mundart von den Brettern. Weihnachten, da wird der Plätzchenteig mit dem Gebiss ausgedrückt und abends beim Fernsehen bei Carmen »The Fog« Nebel des Grauens vertilgt. Zur Entspannung geht es danach in die Therme, der sogenannten »Rentnerwaschanlage« mit abschließender Rauschrunde durch »Klosterfrau Melissengeist« oder zum AC/DC Konzert im gelbem ADAC T-Shirt, meinte »Der Wiggerl« locker und spontanfrech.

Isabell Pannagl hingegen hatte es auf die Männer abgesehen. Ihre eigene Beziehung sei nur harmonisch, da beide gleichzeitig lustlos langsam vor sich hin schieben. Nach einem philosophischen Gedankennirvana landete sie als Ausgleich im Baumarkt. Baumarkt = Männer. Also ausführlich das Hammersortiment austesten, ihre Gewichte wiegen und ganz laut »Hooaah!« rufen. Dort kamen dann die vielen Männer zur Beratung mit ihrem »Pornobalken«, und damit meinte Pannagl natürlich nur den Oberlippenbart. Die Wienerin wechselte gern ins Kabarett. Mit gekonnter Mimik und Gestik gelang ihr auch ein Abstecher ins musikalische Unterhaltungstheater mit zwei Gesangseinlagen.

»Für die erste Show waren die Karten binnen wenigen Minuten weg«, erzählt Geschäftsführer Sebastian Dudas stolz. »Wegen der großen Nachfrage konnten wir sogar eine Doppelausgabe veranstalten. Für das Jahr 2018 stehen bereits alle monatlichen Termine fest.« Der »Watz Comedy Club« hat sich etabliert und gehört mittlerweile zum monatlichen Programm in der Berchtesgadener Kleinkunstszene. Jörg Tessnow