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Kioskbesitzer wegen Kleingelds "überrannt"

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Zu dumm, dass der Geldautomat auf dem Parkplatz Wimbachbrücke, ein paar Meter neben dem Parkscheinautomaten, keine Münzen ausspuckt.
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Entweder 5 800 Euro in einen Geldwechsler investieren oder Beschwerden von Touristen kassieren? Die Gemeinde Ramsau entschied sich für Ersteres. (Fotos: Voss)

Ramsau – Der Gemeinderat Ramsau hatte am Donnerstag eine knifflige Angelegenheit zu beraten: Es ging um Geldwechsel-Automaten an den Wanderparkplätzen Wimbachbrücke und Hirschbichl.


Das Problem: Entweder es werden welche aufgestellt, wobei es schon zweimal zu Aufbrüchen und Diebstählen gekommen ist. Oder man verzichtet darauf und es hagelt Beschwerden von Touristen, weil viele kein Kleingeld für den Parkautomaten dabei haben. Und dem Kioskbesitzer an der Wimbachbrücke »rennen sie die Bude ein«, wie Fritz Rasp, Chef der Tourist-Info Ramsau, dem Gemeinderat erzählte. Der Beschluss: Es kommen zwei Geldwechsler und demnächst auch an anderen markanten Punkten in der Ramsau zwei EC-Karten-Automaten.

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»Die Parkplätze sind unser Sorgenkind. Aber sie bringen auch Einnahmen«, begann der Zweite Bürgermeister Rudi Fendt seine Erklärung zu dem Geldwechsler-Problem. Fendt hatte den Vorsitz der Gemeinderatssitzung inne, weil Bürgermeister Herbert Gschoßmann verhindert war. Momentan seien beide, an Wimbachbrücke und Hirschbichl, entfernt, da Vandalen sie schwer beschädigt haben. »Die Frage ist: Behalten wir sie oder nicht?«

Kämmerer Albert Radlmeier erinnerte in der Sitzung: »Es ist seit acht Jahren ein Service für die Kurgäste.« Und dieser Service sei auch gewünscht. Radlmeier und auch Tourismuschef Fritz Rasp erzählten, was ohne den Geldwechsler an der Wimbachbrücke los ist: »Der Kioskbesitzer dort ist ein armer Mensch. Letztes Jahr rannten sie ihm die Bude ein«, so Rasp. Die Wanderer wollten Wechselgeld für den Parkautomaten. Leider war auch das Kleingeld des Kioskbetreibers begrenzt.

»Als er die Bitte verneinte, wurde er sogar bedroht«, fügte Rasp hinzu. Im Jahr 2016 hatten sich Diebe schon im Juli an den Automaten zu schaffen gemacht (wie berichtet) und sie vollkommen zerstört. Darum wurden sie damals schon entfernt. Ebenso erging es der Gemeinde mit den neuen Geldwechslern in diesem Jahr im Februar.

Der Beschluss lautete: Es wird an den beiden großen Wanderparkplätzen wieder je ein Automat aufgestellt. Und die Gemeindeverwaltung will sich bei Schlossereibetrieben erkundigen, wie man die Geräte besser vor Aufbruch sichern kann. Denn ein neues Gerät kostet etwa 5 800 Euro, die Reparatur eines kaputten Geldwechslers etwa 4 900 Euro, wie Radlmeier auf Nachfrage von Gemeinderat Josef Maltan, Ramsauer Wahlblock, informierte. Außerdem holen sich die Diebe auch Tausende von Euro aus ihrem Objekt der Begierde, keine billige Angelegenheit also.

Gemeinderat Christian Riel (CSU) meldete sich zu Wort: »Aufgrund der Wirtschaftlichkeit der Parkplätze steht es außer Frage, dass wir Geldwechsler brauchen. Aber warum stehen dann keine in Berchtesgaden oder Bad Reichenhall?« Die Antwort aus dem Gremium: In einer Stadt oder dem Ort Berchtesgaden bieten sich mehr Gelegenheiten zum Wechseln. Rudi Fendt entgegnete, dass zum Beispiel im Heutal auch solche Automaten stehen. Riel schob noch eine Frage nach: »Ist es denn zu viel verlangt, dass ich ein paar Euro in der Tasche habe, wenn ich weiß, dass ich sie für die Parkuhr brauche?«

Offenbar schon, wie Rasp erzählte. Er berichtete von den vielen Beschwerden, die in der Touristinfo aufschlagen. »Solange es keine Möglichkeit zum Bezahlen mit Karte gibt, ist das Gerät sehr wichtig.«

Andreas Bönsch (CSU) erkundigte sich nach Überwachungskameras für die Automaten, um sie besser zu schützen. Das sei aber rechtlich und kostentechnisch schwierig, antwortete Fendt. Hannes Grill, Ramsauer Wahlblock, riet, dass eine Lösung für den gesamten Talkessel seitens der TRBK vernünftiger wäre: »Wir können nicht vorpreschen«, so Grill. Dennoch ging die Abstimmung einstimmig aus, für die beiden Geldwechsel-Automaten. Annabelle Voss