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Klamme Kasse in Marktschellenberg

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Wenig Einnahmen, viele Ausgaben: Daran krankt auch der jetzt beschlossene Marktschellenberger Haushalt. Foto: Anzeiger/Fischer

Marktschellenberg – Der Marktgemeinderat Marktschellenberg hat in seiner jüngsten Sitzung am Montagabend einstimmig den Haushalt für das Jahr 2014 verabschiedet. Das Zahlenwerk ist geprägt von hohen Ausgaben für den Kanalbau sowie für die Beseitigung der Schäden des Januar-Unwetters und des Juni-Hochwassers.


Marktkämmerer Wolfgang Dopke präsentierte seinen Vorbericht dem Gemeinderat verständlich und kompetent. Er erläuterte alle wesentlichen Kennzahlen und vermochte auch komplexe Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln. Und – wie schon seit Jahren – auch heuer wieder mahnte er: »Alle Ausgaben müssen auf ein absolut notwendiges Maß beschränkt werden. Außerdem müssen alle Einnahmemöglichkeiten voll ausgeschöpft werden.«

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Kostspieliger Kanalbau

Das Gesamtvolumen des Marktschellenberger Haushalts beträgt 7,28 Millionen Euro (+ 1,32 Millionen im Vergleich zum Vorjahr). Davon entfallen 3,1 Millionen auf den Verwaltungs- und 4,17 Millionen auf den Vermögenshaushalt. Was ungewöhnlich viel sei, so Dopke. Grund dafür sei die Behebung der Unwetterschäden und die Kosten für den Kanalbau. Einen großen Posten machen auch die Personalkosten aus. Im laufenden Jahr sind dafür 775 000 Euro eingeplant (+62 000 Euro). Die Personalkosten machen 25 Prozent des Verwaltungshaushalts aus. Laut Dopke entspreche das dem Landesdurchschnitt.

Mehr Kreisumlage

Ein bisschen Pech hat die Marktgemeinde im Verwaltungshaushalt. Zwar ist die Steuerkraft (471 Euro pro Einwohner) im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Marktschellenberg hat jetzt nur noch den viertschlechtesten Wert im Landkreis. Doch damit stieg auch die Umlagekraft (1,26 Millionen) um über 100 000 Euro. Und das wiederum führt dazu, dass die Gemeinde 641 000 Euro (+ 52 000 Euro) Kreisumlage zahlen muss. Zusätzlich fallen die Schlüsselzuweisungen mit 555 000 Euro (+12 000) relativ gering aus.

Die Einkommenssteuerbeteiligung bringt der Marktgemeinde diesmal 656 000 Euro (+47 000 Euro).

Zwischenfinanzierung lautet das Schlagwort beim Vermögenshaushalt. Denn die zugesicherten Staatszuschüsse für Baumaßnahmen sind noch nicht da. Die Kosten dafür belaufen sich auf 1,79 Millionen Euro. Allerdings sind hier 1,68 Millionen an Zuschüssen zu erwarten.

Deshalb ist laut Kämmerer eine sehr hohe Kreditaufnahme von 1,24 Millionen Euro nötig. Für den Schuldendienst sind 664 000 Euro eingeplant. Daraus ergibt sich ein Schuldenstand von 1,62 Millionen Euro und eine Pro-Kopf-Verschuldung von 928 Euro. Die Zuführung in den Vermögenshaushalt wird mit 130 000 Euro veranschlagt. Das entspricht der vorgeschriebenen Mindestzuführung.

In der anschließenden Debatte stellte Wolfgang Lochner (CSU) klar, dass er von einer haushaltsbedingten Einschränkung der freiwilligen Leistungen der Gemeinde nichts halte. »Wir werden sie sicherlich nicht erhöhen, aber auch nicht einschränken«, erläuterte dazu Bürgermeister Franz Halmich (FWG). »Das wollte ich hören«, antwortete Lochner.

Unzufrieden mit der Haushaltssituation zeigte sich Thomas Jander (SPD). »Wir investieren nix außer in den Kanalbau. Ohne staatliche Hilfe wäre nicht einmal die Behebung der Unwetterschäden möglich gewesen«, betonte er. »Der Kämmerer hat schon recht, wenn er uns zur Sparsamkeit mahnt.«

»Müssen Marktschellenberg attraktiver machen«

Dringenden Handlungsbedarf sieht auch Clemens Wagner (CSU). Er verwies darauf, dass jede Gemeinde im Wesentlichen nur zwei Einnahmequellen habe. Nämlich die Gewerbesteuer- und die Einkommenssteuerbeteiligung. »Wir müssen also Marktschellenberg attraktiver machen, damit sich junge Familien und Unternehmen ansiedeln«, forderte er. Das sei wichtiger, als dauernd Angst vor den Ausgaben zu haben. Christian Fischer