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Klangbilder aus Licht und Gold

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Bei dem beeindruckenden Konzert in der Stiftskirche wechselte sich reine Instrumentalmusik mit Chor-Passagen ab. (Foto: Pfnür)

Berchtesgaden – Der Chor »Cantabile« aus Breda in den Niederlanden und das »Symfonisch Collectief Breda«, kurz SYMCO, haben das letzte Konzert ihrer Tournee am Dienstagabend in der Berchtesgadener Stiftskirche gegeben. Zuvor waren sie in Salzburg und Linz auf der Bühne. Das Motto der Konzerte lautete »Lux Aurumque«, also »Licht und Gold«.


Als Hauptwerk hatten die Sänger und Musiker Mozarts Requiem KV 626 einstudiert, seine letzte und umstrittenste Komposition, die gleichwohl zu seinen beliebtesten zählt. Für die Solopartien hatte man sich Verstärkung am Salzburger Mozarteum geholt: Elise van Es (Sopran), Mona Akinola (Alt), Sascha Zarrabi (Tenor) und Benjamin Sattlecker (Bass).

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Den Auftakt des Chorkonzertes in der Berchtesgadener Stiftskirche bildete nach der Begrüßung durch Stiftskapellmeister Stefan Mohr allerdings ein zeitgenössisches Werk: »Triptych«. Das dreisätzige Stück des britischen Komponisten Tarik O'Regan, geboren 1978, sorgte für ein ungewohntes Hörerlebnis. Reine Instrumentalmusik wechselte sich mit Chor-Passagen ab und vor teils flirrenden Streicherklängen entfaltete sich der warme Sopran von Elise van Es. Der Komponist, der das Werk für eine Reihe von Konzerten in Jerusalem und im Westjordanland geschrieben hat, nimmt darin auch Anleihen an nordafrikanischer und Jazzmusik.

Das dritte dargebotene Werk, das dem Konzertabend seinen Namen gegeben hatte, war »Lux Aurumque«, eine A-cappella-Komposition von Eric Whitacre, geboren 1970 in Nevada. Er vertont darin ein englisches Gedicht, das er zu diesem Zweck ins Lateinische übersetzen ließ: »Licht, warm und schwer wie reines Gold, und die Engel singen sanft für das neugeborne Kind.« Whitacre entwirft dabei mystische und geradezu sphärische Klangbilder und setzt mit feinen Dissonanzen die unterschiedlichen Farben und Spiegelungen des Lichts in Töne um. Weltbekannt wurde das Stück, weil der Komponist es in der umstrittenen Aktion »Virtual Choir« von 185 Sängern aus zwölf Ländern singen ließ, die Videos zusammenfügte und bei Youtube einstellte. So interessant das Ergebnis sein mag, das mittlerweile mehr als fünf Millionen Mal angeklickt wurde, mit Sängern aus Fleisch und Blut in einem so passenden Rahmen wie der Stiftskirche mit dem angestrahlten Auferstandenen über dem glitzernden und funkelnden Silberaltar entfaltet das nur fünf Minuten dauernde Werk eine ungleich beeindruckendere Wirkung. Andreas Pfnür