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»Klasse statt Masse«

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Peter Nagel wird künftig die Marke Berchtesgaden leiten, Dr. Brigitte Schlögl die Marke Bad Reichenhall. Als Doppelspitze wollen sie eng zusammenarbeiten: »Wir haben viel vor.« (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – In Garmisch-Partenkirchen schmerzt der Verlust von Tourismusdirektor Peter Nagel, der gemeinsam mit Dr. Brigitte Schlögl die Doppelspitze der künftigen Berchtesgadener Land Tourismus GmbH bilden wird, noch immer.


Im Verbandsausschuss der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee hatten die beiden nun ihren ersten offiziellen Auftritt. Selbstbewusst blicken sie auf ihre künftige Tätigkeit, in der die Region tourismustechnisch deutlich nach vorne gebracht werden soll: »Man hat zwei Profis gesucht, jetzt sind wir da und werden liefern«, sagt Schlögl.

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Da sind sie also nun, die beiden Neuen der Berchtesgadener Land Tourismus. Der eine, Peter Nagel, war zwölf Jahre Tourismusdirektor in Garmisch-Partenkirchen, ebenfalls in einer Doppelspitze. Seit 22 Jahren ist er im Tourismus tätig. »Ich habe die Sache von der Pike auf gelernt«, sagt Nagel. Erst in der Touristinfo, dann durchlief er alle nur denkbaren Abteilungen, Marketing, E-Commerce, er baute das Sponsoring mit auf. Seit zwölf Jahren ist er nun Tourismusdirektor und hat an seiner ehemaligen Wirkungsstätte einiges bewegt.

Neben der Entwicklung eines Markenleitbilds war er auch für die Realisierung einer touristischen Strategie verantwortlich. Im Berchtesgadener Land kennt man die Themen nur zu gut. Auch dort ist der Markenprozess gerade abgeschlossen worden. »Wir müssen uns jetzt strategisch positionieren«, sagt er im Gespräch. Wieso er Garmisch-Partenkirchen überhaupt verlassen hat, darüber schweigt er sich aus.

Ab 1. April wird er für die Marke Berchtesgaden zuständig sein, das »Bergerlebnis«. Seine künftige Mitstreiterin kennt er von »Best of the Alps«, dem Zusammenschluss von zwölf Alpentourismusorten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien. »Wir sind beide Touristiker, wir sind auf derselben Welle, können gut zusammenarbeiten«, so Nagel.

Zweimalige Staatspreisträgerin

Dr. Brigitte Schlögl kommt ebenfalls aus der Branche, war Direktorin des Kitzbühel-Tourismus und soll sich ab April vor allem um die Marke Bad Reichenhall als Alpenstadt kümmern. Der Gesundheitstourismus steht klar im Vordergrund. Die Kärntnerin baute unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit der österreichischen Seilbahnen auf, leitete fünf Berggastbetriebe, war sechseinhalb Jahre Geschäftsführerin des Niederösterreichischen Landesmuseums. In ihrer Karriere konnte sie bereits zweimal den Staatspreis für Tourismus in Österreich entgegennehmen.

Dass die beiden nun gemeinsam die touristischen Geschicke des Berchtesgadener Landes lenken, sehen sie als klaren Vorteil. »Wir sind keine Verwalter, wir sind Macher«, sagt Schlögl. Weder sei man zum Verwalten geholt worden noch dazu, den Status quo zu halten. Das veranschlagte Ziel: Die Region nach vorne zu bringen. Gemeinsam mit Peter Nagel sieht sie sich als »ergänzendes Gespann«. Denn zu tun gebe es im Landkreis natürlich etwas, »auch, wenn vieles bereits gut läuft«, sagt Peter Nagel. »Wir haben hier zwei touristische Marken als Basis – und die müssen wir jetzt mit Leben erfüllen.« In Sachen Markenentwicklung hat der 51-Jährige jede Menge Erfahrung, er hat Garmisch-Partenkirchen als Tourismusort neu positioniert..

Keinen Hehl macht Brigitte Schlögl daraus, »dass neue Personen natürlich auch Veränderungen bedeuten.« Dies sei in jedem Prozess so. »Es werden Dinge kommen, die sind für den einen oder anderen unangenehm«, sagt sie. Als Vorteil erachten beide Touristiker, dass sie unvoreingenommen an die Sache herangehen können.

»Wir kennen hier kaum jemanden, sind mit niemandem verwandt«, sagt Nagel und lächelt dabei. Das mache die Sache einfacher, weil er sich auf diese Weise seine eigene Meinung bilden könne – wie es laufe, wie die Strukturen aufgebaut sind, wo Bedarf bestehe. »Höher, schneller, weiter« – damit können Schlögl und Nagel wenig anfangen. »Es geht um eine verbesserte Wertschöpfung, um Klasse, statt Masse, um die Qualität.«

Die beiden Touristiker finden im Gespräch immer wieder deutliche Worte. Wischi-Waschi-Parolen? Mögen sie nicht. »Ein bisserl schwanger geht immerhin auch nicht«, sagt Brigitte Schlögl. Nagel bezeichnet sich selbst als Praktiker, der mit Zahlen umzugehen weiß. Dass die Politik mit dem Markenprozess einen Rahmen vorgegeben hat, innerhalb dessen man nun handeln soll, sei gut. Wert legen die neuen Geschäftsführer auf ein Miteinander, auf ortsübergreifende Zusammenarbeit. »Das Leben dreht sich nicht nur um unseren Kirchturm«, stellt Nagel klar. Gemeinsam mit Brigitte Schlögl möchte er an touristischen Strategien feilen, die »langfristig und wertschöpfend sind«. Die beiden verfolgen eine Vision, »die über die nächsten zwei Jahre hinausgeht«. Dass sie keine Einzelkämpfer sind, das stellen die Tourismus-Verantwortlichen im Gespräch schnell klar: »Wir müssen alle ins Boot holen, um erfolgreich zu sein«, sagt Schlögl. Deshalb wird in der nächsten Zeit viel Sondierungsarbeit geleistet.

»Bergsteigerdorf hat viel Potenzial«

Auch, wenn die beiden noch nicht ins Detail gehen wollen, wie ihre ersten Schritte auf ihren neuen Posten aussehen werden, gibt Nagel zumindest einen Einblick: »Das Bergsteigerdorf Ramsau hat unglaublich viel Potenzial.« Dynamik und Attraktivität vereinten sich hier. »Aber von außen betrachtet ist das noch viel zu wenig, was bislang passiert«, sagt Nagel. Seine Mitstreiterin bestärkt ihn: »Wir haben im Berchtesgadener Land viele ungehobene Schätze.«

In der Tat werden die nächsten Wochen arbeitsreich sein, beide Geschäftsführer werden in die Region ziehen, Brigitte Schlögl hat sich für Marzoll entschieden. »Man muss an seinem Arbeitsort wohnen, wenn man etwas vom Leben mitbekommen möchte« sagt Peter Nagel. Kilian Pfeiffer