weather-image

Kletterer feiern Jubiläum mit Rockmusik

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Alpenvereinsjugend kennt die Kletterwände in der Struber Halle sehr gut. Da nutzte man ausnahmesweise lieber das extra für den »Tag der offenen Tür« aufgestellte Trampolin. (Fotos: Kastner)
Bildtext einblenden
Wer kann die Leiste am längsten halten?
Bildtext einblenden
Beim Flohmarkt konnte man auch ausgediente Alpenvereinsschilder erwerben.

Bischofswiesen – Das 25-jährige Bestehen der ersten Kletterhalle Deutschlands feierte die Alpenvereinssektion Berchtesgaden am Freitag und Samstag mit zahlreichen Gästen in der Strub.


Es gab unter anderem ein Rockkonzert, einen Flohmarkt, einen »Tag der offenen Tür« mit kostenlosen Kletterangeboten und einen spannenden Vortrag von Extremkletterer Thomas Huber.

Anzeige

Fast 150 Rockfans feierten am Freitagabend mit der AC/DC-Coverband »Gimme a Bullet« aus Tittmoning in der neuen Kletterhalle eine ausgelassene Party. Bis nach Mitternacht wurde getanzt und geratscht, das Serviceteam der Kletterhalle und die Mitglieder der Alpenvereins-Jungmannschaft versorgten die Gäste mit Getränken und Snacks. Selbst die eifrigsten Partylöwen traten dann aber doch den Nachhauseweg an, denn schließlich war für den nächsten Tag bestes Kletterwetter gemeldet.

Obwohl Hallenklettern in erster Linie ein Abend-, Schlechtwetter- und Winterangebot ist, kamen am nächsten Morgen zahlreiche Neugierige in die Strub, um einmal das Indoorklettern zu testen. Mehrere Sektionstrainer erklärten den Steilwand-Novizen, auf was es beim Klettern ankommt, halfen beim Anlegen des Klettergurts sowie beim Sichern. Besonders bliebt war auch das Bouldern, also das Klettern in Absprunghöhe. Besucher aller Altersklassen probierten sich an den bis zu vier Meter hohen Wänden, um beim Absprung sanft auf den weichen Matten zu landen. Mittlerweile kann in der Strub in zwei Boulderhallen sowie in zwei Kletterhallen gekraxelt werden. Die genau vor 25 Jahren errichtete Kletterhalle ist zwölf Meter hoch, die neue, moderne Kletterhalle hat eine maximale Höhe von 15,5 Metern. Sie verfügt außerdem über einen sehr gut angenommenen Außenbereich sowie über eine Schulungsgalerie, die auch am Samstag beim Schnupperklettern schwerpunktmäßig Anlaufstation war.

Bei einem kleinen Flohmarkt vor dem Bergsteigerhaus konnte man gebrauchte Kletterutensilien erwerben. Auch alte Hinweisschilder aus den Berchtesgadener Bergen waren im Angebot. Für die Kleinen gab es einen Spieleparcous und ein Trampolin, am Nachmittag spielte die »Lehenweiher-Musi« auf, außerdem gab es einen sogenannten Zlagboard-Contest. Dabei konnte man testen, wie lange man nur mit dem Fingern an einer kleinen Leiste hängen kann. Den Sieg holte sich Kletterhallenchef Stefan Hallinger höchstpersönlich.

Ging es am Nachmittag bei sommerlich-heißem Wetter rund um das Bergsteigerhaus Ganz eher ruhig zu, so zog am Abend der neue Vortrag von Extremkletterer Thomas Huber noch einmal viele Kraxler und Huberbuam-Fans in die Strub. In der Bildershow »Mein Weg zurück« beschrieb Thomas sehr emotional, dass Klettern nicht nur aus Erfolgen besteht, sondern viel öfter auch aus Niederlagen. Das musste er selbst erfahren, als er im Sommer letzten Jahres bei Filmarbeiten am Brendlberg in der Scheffau aus Unachtsamkeit rund 17 Meter abgestürzt war und den Unfall nur mit viel Glück überlebt hatte.

Dass er schon einige Wochen später an einer Expedition ins Karakorum teilnahm, grenzte an ein Wunder. Doch auch hier lief es alles andere als rund. Zuerst beteiligte sich Thomas Huber an der Suche nach zwei am Ogre verschollenen Amerikanern, dann erkrankte ein Teilnehmer der eigenen Expedition. Und so scheiterte letztendlich der Versuch von Thomas Huber und seinen Gefährten, die Nordwand des Latok I erstmals zu durchsteigen.

Erfolgreicher waren Thomas Huber, Stephan Sigrist und Roger Schäli später in der Eiger-Nordwand. Hier konnten sie erstmals die Route »Metanoia« von Jeff Lowe wiederholen. Thomas Huber widmete sich in seinem Vortrag aber nicht nur dieser extrem anspruchsvollen und gefährlichen Route, sondern porträtierte vor allem auch den Erstbegeher Jeff Lowe, der seit mehreren Jahren an einer unheilbaren Nervenkrankheit leidet. Ein Vortrag mit wenig Pathos, aber reichlich Spannung und Emotion. Und mit einem stattlichen Erlös für die Alpenvereinsjugend, denn Thomas Huber verlangte kein Honorar. Ulli Kastner