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Kliniken Südostbayern in der Kritik

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Die Kliniken Südostbayern sind derzeit heftigen Vorwürfen ausgesetzt. (Foto: Archiv/Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – In einem anonymen Schreiben haben jetzt Mitarbeiter der Intensivstationen der Kliniken Südostbayern schwere Vorwürfe gegen die Klinikleitung erhoben. In dem Brief, der dem »Berchtesgadener Anzeiger« vorliegt, ist die Rede von »eklatanten Missständen« und »obskuren Ideen«.


Das Schreiben war bereits Ende März an Landrat Georg Grabner, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Kliniken ist, Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, seinen Bad Reichenhaller Kollegen Dr. Herbert Lackner und den Freilassinger Rathauschef Josef Flatscher geschickt worden.

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In ihrem Schreiben kritisieren die anonymen Autoren erhebliche Mängel im Personal- und Qualitätsmanagement der Kliniken, vor allem auf den Intensivstationen. Aus rein wirtschaftlichen Gründen würde man die Gesundheit von Patienten und Angestellten gefährden. »Die Ökonomisierung hat schon lange ihr verträgliches Maß überschritten«, heißt es in dem Brief. Die Verantwortlichen würden sich »obskure Ideen« einfallen lassen und Probleme aussitzen, »um das Hauptziel zu erreichen: Keine roten Zahlen zu schreiben«. Und bei dieser Strategie sei der Mensch nur noch ein »störender Gegenstand«, ein »Kostenfaktor«.

Das dreiseitige Schreiben zeugt von hoher Fachkompetenz und eindeutigem Insiderwissen. So werden interne Prozesse detailliert beschrieben. Und kritisiert. Zum Beispiel die angeblich mangelhafte, teils lebensgefährlich schlechte Bronchoskopieaufbereitung auf der Intensivstation in Bad Reichenhall. So sei es laut Schreiber nachweislich mehrmals vorgekommen, dass wegen Hygienemangels Krankheitserreger von einen auf den nächsten Patienten übertragen worden seien. Der Grund: Das Intensivpersonal müsse die Desinfektion übernehmen, obwohl es nicht die nötige Ausbildung dafür habe. Hierzu müsse eine Intensivkraft etwa eine Stunde lang die Station verlassen, obwohl sie eigentlich für die Intensivpatienten verantwortlich wäre.

Abschließend fordern die anonymen Autoren die Adressaten dazu auf, »ein Akut-Gremium einzurichten, bestehend aus den Adressaten, einem Vertreter des Ethik-Komitees, der Ärztlichen Direktion, der Pflegedienstleitung sowie einem Oberarzt, um die nicht haltbare Situation unverzüglich abzustellen«.

Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp hat nach eigener Auskunft das Schreiben an Aufsichtsrat und Klinikleitung weitergeleitet. Die darin erhobenen Vorwürfe hält er für »extrem« und »schwerwiegend«. Die Vorgehensweise der Schreiber halte er jedoch für problematisch.

In den Kliniken selbst ist man von dem Schreiben ebenfalls alles andere als begeistert. Laut Pressesprecher Ralf Reuter sei es erst Mitte vergangener Woche eingetroffen. Außerdem kritisiert er die anonyme Form und die falsch gewählten Empfänger. »Wer etwas vorzubringen hat, kann und sollte dies offen tun, dazu gibt es auch klar definierte interne Abläufe und Wege«, so Reuter.

Der Schreiber habe die Möglichkeit ausgeschlagen, mit dem Führungsteam und auf Verbundebene in Kontakt zu treten und zu informieren. »Stattdessen sind politische Mandatsträger angeschrieben worden. Auch hat man sich offenbar nicht in die Arbeitsgruppen der Kliniken eingebracht oder sich dort geäußert«, ärgert sich der Pressesprecher. Der Brief sei polemisierend und erwecke den Eindruck, Kliniken und Mitarbeiter mit falschen und verunsichernden Behauptungen öffentlich in Misskredit bringen zu wollen, so Reuter.

Regelhafte externe und interne Überprüfungen der Vorwürfe hätten keine Hinweise auf Versäumnisse ergeben. »Insbesondere ergaben sich keine Nachweise für Keimübertragungen aufgrund hygienischer Mängel«, stellt Reuter klar. Trotzdem ist eine weitere, externe Überprüfung vorgesehen. Auch überlege die Klinikleitung, rechtlich gegen die Schreiber vorzugehen. »Wir prüfen bereits rechtliche Schritte wegen falscher Tatsachenbehauptung«, so der Pressesprecher.

Verärgert reagiert auch Landrat Aufsichtsratsvorsitzender Georg Grabner. Auf Nachfrage sagte er dem »Berchtesgadener Anzeiger«: »Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, solche Vorwürfe anonym an politische Mandatsträger heranzutragen. Weder der Betriebsrat, noch der Vorstand, noch der Aufsichtsrat der Kliniken waren informiert.« Die Einrichtung des geforderten Akut-Gremiums lehnt er ab. »Ich setzte mich gerne mit jedem Betroffenen zusammen«, stellt Grabner klar. »Aber, ich weiß ja nicht, mit wem.« Christian Fischer