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Kliniken Südostbayern schreiben erstmals schwarze Zahlen

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Präsentierten ein gutes Jahresergebnis der Kliniken Südostbayern (v.l.): Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher, Landrat Sigi Walch, Vorstand Elisabeth Ulmer, Landrat Georg Grabner und Medizinischer Direktor St. Stefan Paech. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Die Talsohle ist durchschritten: Erstmals seit der Fusion im Jahr 2009 schreibt die Kreiskliniken Südostbayern AG schwarze Zahlen. »Wir haben drei anstrengende und in Teilen schmerzhafte Jahre hinter uns. Die harte Arbeit aller Beteiligten hat sich gelohnt«, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher gestern in der Hauptversammlung im »Poststall Teisendorf«. Der Jahresbericht 2017 weist ein Jahresergebnis von plus 212 000 Euro aus.


In einer gemeinsamen Kreisausschusssitzung wurden die Landräte ermächtigt, im Namen der Gesellschafter der beiden Kreise Traunstein und Berchtesgadener Land, die anstehenden Beschlüsse zu fassen. Auch alle Kreisräte waren zur nichtöffentlichen Hauptversammlung geladen und konnten Fragen stellen. Der Aufsichtsratsvorsitz ging für die nächsten zwei Jahre turnusgemäß vom Traunsteiner Landrat Sigi Walch an den Berchtesgadener Landrat Georg Grabner über.

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2013 war der Tiefpunkt gewesen: da waren die Kliniken mit einem Jahresergebnis von minus 8,823 Millionen Euro quasi mit dem Rücken zur Wand gestanden. Seither hatte sich das Ergebnis kontinuierlich verbessert, von minus 6,777 Millionen Euro 2014 bis minus 600 000 Euro im Jahr 2016.

In dem harten, schwierigen Konsolidierungs- und Sanierungsprozess sei laut Georg Grabner »eine Reihe von Baustellen abgearbeitet« worden. Nun habe man wieder Raum für die Gestaltung der Zukunft. »Wir wollen ja nicht stehen bleiben, sondern unsere Kliniken weiter entwickeln«, betonte Grabner. Ein Einbruch wie noch vor einigen Jahren dürfe nicht mehr passieren, ergänzte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Sigi Walch. »Wir müssen auf diesem Kurs bleiben und alle sechs Standorte halten, im Sinne der Arbeitsplatzsicherheit für die Mitarbeiter.« Klar bekannten sich beide auch zur kommunalen Trägerschaft und versprachen Unterstützung bei anstehenden Investitionen.

Lob an die Beschäftigten

Die Landräte und der Geschäftsführende Vorstand waren sich einig, dass die Fusion der richtige Schritt gewesen sei und dass die Trennung zwischen den Landkreisen nicht mehr spürbar sei. Unisono zollten sie den Beschäftigten großes Lob und Respekt für ihre engagierte und hervorragende Arbeit und das Mittragen des Konsolidierungsprozesses. Diesen unterstützten auch steigende Patientenzahlen – 1,5 Prozent mehr im stationären und über sieben Projekt mehr im ambulanten Bereich –, die fachliche Kompetenz (siehe Kasten), die gute konjunkturelle Lage und diverse Optimierungsprozesse, etwa bei den Abläufen in den Häusern und beim Einkauf.

Der »Verbundgedanke« ist für Dr. Gretscher Grundlage für den Erfolg. Zukunftsaufgaben seien die intensive weitere Arbeit an den Strukturen, etwa die Abstimmung zwischen den Berufsgruppen, um die Patienten noch effektiver versorgen zu können, die Digitalisierung und Einbeziehung künstlicher Intelligenz zur Entlastung der Mitarbeiter bei komplexen Prozessen sowie Baumaßnahmen. Sanierungs-, Erweiterungs- und Umbauarbeiten seien in Ruhpolding und Traunstein, später auch in Bad Reichenhall geplant. Wieviel die Landkreise zu den Investitionen zuschießen, ist laut Grabner mangels entsprechender Beschlüsse noch offen.

Eine große Herausforderung wird die Gewinnung neuer Mitarbeiter. Bereits 2017 wurden etwa 100 Vollkräfte neu eingestellt, wobei dahinter mehr als 100 Menschen stehen, da Teilzeitstellen für diese Berechnung zu Vollzeitstellen addiert wurden. Wegen der für Mitte des Jahres erwarteten neuen gesetzlichen Regelung der Mindestbesetzung – eine Vollkraft im Nachtdienst darf dann nicht mehr elf, sondern nur noch neun Patienten betreuen und eine Intensivkraft statt bis zu vier nur noch zwei Patienten – sind laut Vorstand Elisabeth Ulmer allein in Traunstein 90 Vollkräfte zusätzlich nötig und in den restlichen Kliniken insgesamt weitere 90. Ulmer riet auch dazu, jetzt schon den Wegfall vieler Mitarbeiter beim Renteneintritt der Babyboomer ab 2030 im Blick zu haben.

»Arbeitsplätze sind sicher«

Erfreut zeigte sich Ulmer über die niedrige Mitarbeiterfluktuation. »Wir investieren viel in die Fort- und Weiterbildung«, betonte sie. Dieses Angebot am unternehmenseigenen »hervorragenden Bildungszentrum« komme gut an und verstärke die Mitarbeiterbindung. Viele andere Kliniken hingegen hätten in den vergangenen Jahren ihre Ausbildungszentren aus Spargründen geschlossen. Auch die Krankenpflegeschule in Bad Reichenhall werde im Oktober wieder eröffnet. »Unsere Arbeitsplätze sind sehr sicher und konjunkturunabhängig«, ergänzte Gretscher.

Dass der Kreis Traunstein ein Personalwohnheim mit kostengünstigem Wohnraum schafft, sieht Sigi Walch als Plus bei der Anwerbung von Personal. Ein Problem bleibt, dass die gesetzlich vorgeschriebene Preissteigerung für Krankenhausleistungen hinter den Tariferhöhungen beim Personal – heuer 3,2 Prozent und bis 2020 über 7,5 Prozent – zurückbleibt. Veronika Mergenthal