weather-image

Klotzen in der Watzmann Therme

2.8
2.8
Bildtext einblenden
Freuen sich auf die Eröffnung am 15. Dezember: Marketing-Mann Philipp Däuber (l.) und Geschäftsführer Christoph van Bebber.
Bildtext einblenden
Innen ist das Freizeitbad komplett eingerüstet. Die Akustikdecke wird erneuert. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
Bildtext einblenden
Die alten Saunen sind bereits demontiert.
Bildtext einblenden
Panoramaaussicht von der neuen Saunalandschaft aus. Früher war hier der Ruheraum.
Bildtext einblenden
So mancher neue Notausgang prägt das Watzmann-Thermen-Bild.

Berchtesgaden – Der Plan ist, zurückzukommen und deutlich besser zu werden – denn die Konkurrenz schläft ja bekanntlich nicht. Der Brand, der die Watzmann Therme zum Schließen zwang, hat viel Schaden angerichtet, die Instandsetzungsarbeiten sind in vollem Gang. Christoph van Bebber, Geschäftsführer der Watzmann Therme, ist guter Dinge, dass die »neue« Watzmann Therme einschlagen wird. Im besten Fall wie eine Bombe. Von der Bevölkerung wird sie in jedem Fall heiß ersehnt. Sieben Monate nach dem Brand samt sechsstelligem Schaden soll das Wasserparadies am 15. Dezember wieder die Pforten öffnen.


Ursprünglich hieß es November. Christoph van Bebber kann sich daran noch gut erinnern. Aber daraus wurde nichts. Zu viel zu tun. Außerdem ist das mit dem Brandschutz so eine Sache. 250 000 Euro fließen in diesen. »Die Auflagen sind extrem hoch«, sagt van Bebber. »Dort drüben muss ein Notausgang hin«, sagt der Geschäftsführer und deutet mit dem Finger in Richtung verglaster Front und auch oben bei der Galerie, jenem erhöhten Bereich in der Mitte des Bades, muss auf gleicher Höhe ein Notausgang geschaffen werden. Dazu bedarf es eines Steges, der eigens gebaut werden muss. In die Glasfront wird dann ein Ausgang integriert. Und das ist erst der Anfang: Allein im Eingangsbereich der Watzmann Therme müssen alle paar Meter Notausgänge realisiert werden, zwei zusätzliche kommen zu den Umkleiden. Außerdem: Brandschutztüren, die in Zukunft automatisch schließen, sollten die Rauchmelder Rauch feststellen. Der Brandschutz unterliegt einem komplett neuen Konzept. Für van Bebber bedeutete das vor allem: viel Arbeit.

Anzeige

Die TRBK zahlt mit

Aktuell ist die Watzmann Therme Großbaustelle. Allein 850 000 Euro beträgt der finanzielle Anteil, den die Versicherung aufgrund des Brandes zu tragen hat. Weitere 500 000 Euro sollen in die Attraktivierung des Freizeitbades fließen. Etwa in die Erweiterung des Solebereiches, in neue Saunen, in ein Farbkonzept, das der Watzmann Therme ein neues Gesicht verleihen soll. Die halbe Million Euro wird von der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK) getragen. Wer aber für den Brandschutz zahlen muss, ist bislang noch nicht endgültig geklärt.

Bis zur Wiedereröffnung müssen die meisten Baustellen in der Watzmann Therme abgeschlossen sein. Das ist das Ziel. Nur im Hintergrund, etwa in der Verwaltung, werden weitere kleine Baumaßnahmen anstehen, die nach und nach abgearbeitet werden. Geschäftsführer van Bebber freut sich auf die Fertigstellung der Großbaustelle. Immerhin hat er dann über sechs Monate seiner Arbeit in die Aufarbeitung des Brandes gesteckt. Lediglich zwei Wochen lang hat er den laufenden Betrieb miterlebt. Viel Zeit ist in die Brandschadenbeseitigung, in die Koordinierung von Firmen, in die Planung für die neue Therme geflossen, die zwar Altbekanntes bieten möchte, darüber hinaus aber auch viel Neues mitbringt.

Van Bebber sagt, dass die Saunen in die Jahre gekommen waren. Deshalb wurden diese demontiert und entsorgt. An gleicher Stelle entsteht nun eine neue Ruhezone für Entspannungsbedürftige, der Gastronomiebereich bleibt erhalten. Gleichzeitig soll dort die Raumtemperatur, die vormals von Gästen beklagt wurde, sinken.

Neue Saunen braucht das Bad

Die Saunen werden wiederaufgebaut. Nicht die alten, sondern neue. Unter einem eigens ersonnenen Motto: »Almsauna« heißt es von nun an in der Watzmann Therme. Die Schwitzkabinen werden im ehemaligen Ruhebereich gebaut, denn dort sind große Panoramafenster, die Saunengänger einladen, rauszuschauen. »Wichtig ist, dass optisch viel geboten wird«, meint van Bebber. Ein 30-Quadratmeter-Aromarium soll entstehen, wahlweise lässt sich dieses zu einer »Finnischen Sauna« umwandeln – je nach Bedarf. Optisch setzt der Chef auf viel Holz und Hüttenformen. Verglaste Ecken, viel transparente Materialien.

Die Panoramasauna wird das Herzstück des Bereiches sein. Hier verlässt man sich auf hohe Temperaturen, eine Glasfront für den Durchblick. Über Eck gebaut wird hingegen die Watzmannsauna. Dort finden zwar keine Aufgüsse statt, dafür eine Beduftung der ganz besonderen Art. Motivwände mit Effekten sollen für eine angenehme Stimmung sorgen.

Mit viel Aufwand verbunden dürfte die Zurückgewinnung aller Stammgäste für das Bad und die Saunenlandschaft sein, meint van Bebber. »Da muss man sich schon etwas einfallen lassen.« Denn die Konkurrenz feilt auch am Angebot. Das Ergebnis wird in jedem Fall überzeugen, meint er. Sein Minimalziel: »Die Abwanderung der Gäste stoppen.« Und das Maximalziel? »Ein erheblicher Zulauf.« Van Bebber lächelt. Ein paar Trümpfe hat er noch im Ärmel. Der Gymnastikraum? Wird verkleinert. Dafür kommen dort einige Solarien in einen eigens geschaffenen Nebenraum. Der Eingangsbereich? Wird deutlich vergrößert. Die Tiefe des Raumes soll Besucher gleich zu Beginn ansprechen und begeistern. Das Kassensystem? Auch neu. Dort, wo bislang die Kassendamen saßen, soll ein Badeshop in Rundform entstehen, vorgelagert wird der Kassenbereich in U-Form verwirklicht. Eine neue Akustikdecke oberhalb der Wasserbecken wird den Lärmpegel eindämmen, der Plan, die alte, vom Brand in Mitleidenschaft gezogene Akustikdecke abzumontieren und alle Einzelteile zu reinigen, wurde verworfen.

Solelicht, Solebecken, Solewasserfall

Im Solebeckenbereich wird einer der beiden Ruheräume um neue Attraktionen ergänzt. Entstehen soll ein Solelichtbad sowie ein Salzwasserbad mit einem Solewasserfall. Das neue Farbkonzept, so der Plan, soll Schwung ins Bad bringen. Welche Farben verwendet werden, verrät van Bebber nicht. »Überraschen lassen«, rät er. Verbessert wird auch die Gastronomie, eine Bierstube ergänzt dann das Angebot in der Saunenlandschaft und selbst intern werden künftig Fortbildungen für Mitarbeiter angeboten.

Auch wenn die Besucherzahlen in den vergangenen drei Jahren merklich zurückgingen, zeigt sich van Bebber zuversichtlich, das Ruder noch einmal rumzureißen. 230 000 Gäste besuchten im vergangenen Jahr die Watzmann Therme. Eine positive Tendenz, zumindest im ersten Halbjahr, sei zu erkennen. Aber van Bebber weiß, dass erst am Schluss abgerechnet wird.

Ein Gesicht muss her

Derzeit sucht man im Familienbad nach neuen Gesichtern. Die erste groß angelegte Marketingmaßnahme, überregional angeordnet. Etwas, was unter dem alten Geschäftsführer massiv versäumt wurde. Über 110 Personen haben sich an der öffentlichkeitswirksamen Aktion bereits beteiligt, Kinder, Jugendliche – auch Rentner sind darunter. Sie werden die neuen Watzmann Thermen-Gesichter sein, wenn am 15. Dezember, fast auf den Tag genau sieben Monate nach dem zerstörerischen Brand, das Bad wiedereröffnet wird. Kilian Pfeiffer