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Mit Pistolen und Gewehren will die Bundeswehr künftig in Bischofswiesen in verstärktem Maße schießen. Aktuell liegt die Schussgesamtzahl bei 2 600, später soll sie bei rund 30 000 Schüssen pro Tag liegen. (Foto: Pfeiffer)
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Die Anlage stammt aus dem Jahr 1938. Jetzt will das Bundesministerium für Verteidigung neu bauen lassen. Für 25 Millionen Euro.

Bischofswiesen – Das Bundesministerium für Verteidigung plant den Lärmschutz an der im Jahr 1938 errichteten Standortschießanlage in Bischofswiesen zu verbessern. Geplant ist ein Neubau, der immer teurer wird: Waren es anfangs 12 Millionen, rechnen die Planer inzwischen mit einer Investitionssumme von über 25 Millionen Euro. Auch die Schusszahl soll von rund 2 600 auf knapp 30 000 erhöht werden – pro Tag. Laut Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber gibt es noch viel zu klären.


Unweit des Böcklweihers liegt die Schießanlage der Jägerkaserne. Beinahe jeden Tag wird dort geschossen. Der Krach ist noch weit entfernt zu hören. Aktuell dürfen am Tag nur 1 100 Schüsse am Gewehrstand sowie 1 500 Schüsse am MG- und Pistolenstand abgefeuert werden. Gefordert werden aber insgesamt knapp 30 000 Schüsse. 11 000 im Bereich der Stellungsflächen und 18 000 Schüsse im Ziel. Das ist aber erst nach dem Neubau des Schießplatzes möglich. Dieser kann frühestens im kommenden Jahr beginnen. »Die Anlage ist veraltet«, hieß es schon vor ein paar Monaten von einem Vertreter der Bundeswehr (wie berichtet). Nach offiziellem zeitlichen Rahmen wird im März 2018 mit dem Rückbau der Altanlage auf dem Silberg begonnen, der Startschuss für den Neubau kann frühestens im September erfolgen. Die Baufertigstellung ist für Dezember 2020 geplant. Erst vier Monate später, im April 2021, soll die Bischofswieser Schießanlage fertiggestellt werden.

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Riesiges Areal

Die Anlage der Bundeswehr liegt auf einem gewaltigen Areal: 27 400 Quadratmeter groß ist das Grundstück. Die Anlage erstreckt sich über 266 auf 45 Meter. Der offene Gebäudeteil, die sogenannte Standfläche mit offener Dachkonstruktion, beinhaltet zwei Schießstände für Gewehre mit jeweils sechs Schießbahnen, das Zielgelände ist mit einer Stahlbetondecke überdacht, auf der sich eine riesige Lüftungsanlage befindet. Im Zuge der Maßnahme wird der MG- und Pistolenstand vom Silberg in die neu zu errichtende Raumschießanlage verlegt. Diese liegt im südlichen Teil der östlichen Schießbahn, heißt es von Bundeswehrseite. Die äußeren Abmessungen sind mit 82 auf 20 Meter angegeben. Das Gebäude ist zwölf Meter hoch und nicht unterkellert. Es soll aus einem Erd- und einem Obergeschoss bestehen. Im Erdgeschoss sind zwei Schießräume mit zwei beziehungsweise vier Schützenbahnen vorgesehen. Das Obergeschoss dient hauptsächlich als Technikfläche, auf der Zu- und Abluftgeräte unterbracht werden.

Das zusätzlich geplante Betriebs- und Aufenthaltsgebäude, das sogenannte Scheibenhaus, ist als frei stehendes Gebäude im südöstlichen Teil des Grundstücks geplant. Im Erdgeschoss befinden sich sowohl Technik- und Lagerräume als auch die Scheibenwerkstatt. Das Obergeschoss soll neben dem Technikraum für die Raumschießanlage hauptsächlich als Aufenthalts- und Bürobereich dienen. Die Standortschießanlage wird entlang der Grundstücksgrenzen mit einem 2,5 Meter hohen Zaun eingefasst, im Zufahrtsbereich bleibt das Einfahrtstor bestehen. Die gesamte Anlage wird von einer drei Meter breiten Fahrstraße mit nebenliegendem Entwässerungsgraben umgeben sein, heißt es in den Planungen.

Ein Bundeswehrvertreter sagte im »Anzeiger«-Gespräch , dass die momentane Limitierung der Schusszahl einschneidend sei, »sodass wir unsere Ziele in der Ausbildung nicht erreichen können.« Ein Ausweichen auf andere Schießanlagen sei grundsätzlich schwierig. Als Notbehelf habe man derzeit das österreichische Hochfilzen. Hin und wieder weichen die Bischofswieser Gebirgsjäger auch auf den Standort Bad Reichenhall aus.

»Den Lärm in den Griff bekommen«

Das Lärmschutzemissionsgesetz bringt hohe Auflagen mit sich, die in Zukunft nur durch eine Schießanlagenerneuerung eingehalten werden können. Aber genau hier liegt das Problem, so Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber, der um die baurechtlichen Bedenken seitens der Gemeinde Bescheid weiß. So müsse in jedem Fall die Wasserversorgung der riesigen Anlage geregelt sein. »Hier geht es vor allem um das Oberflächenwasser.« Aber auch der Lärmschutz müsse geregelt werden. Grundsätzlich darf gebaut werden, so viel ist sicher. Jedoch waren zwei Modellberechnungen hinsichtlich des Lärmschutzes mit Mängeln behaftet. »Bei drei Messpunkten wurden die Werte überschritten«, so Bürgermeister Weber. Über das Thema Lärm regt sich nicht nur im Bauausschuss der Gemeinde Widerstand. Dort wurde kürzlich ausgiebig über die geplante Schießanlage diskutiert. Die Lärm-Causa müsse in den Griff bekommen werden, so die einhellige Meinung der Ausschussmitglieder. Zu bedenken sei ebenfalls, »dass bei der wesentlich stärkeren Nutzung der Anlage ein höherer Zu- und Abfahrtsverkehr entstehen wird«, heißt es in einem Gesprächsprotokoll. Und auch in Sachen Niederschlagswasserbeseitigung müsse zunächst eine Einleitungsgenehmigung vorliegen, ehe überhaupt mit dem Bau der Schießanlage begonnen werden könne. Kilian Pfeiffer