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Knappes Ja für die Klauspoint

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Emotionales Thema in der Ramsauer Gemeinderatssitzung: das künftige Gewerbegebiet Klauspoint. Foto: Anzeiger-Archiv/cw

Ramsau - Einen wichtigen Schritt weiter ist die Gemeinde Ramsau beim Thema »Klauspoint«. Sowohl die Änderung des Flächennutzungsplans als auch die Aufstellung des Bebauungsplans wurden mit knapper Mehrheit (7 zu 5 Stimmen) beschlossen. Dort soll bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche in ein Gewerbegebiet umgewidmet werden. Bürgermeister Herbert Gschoßmann verwies in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstagabend darauf, dass er in der Sache größtmögliche Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit bewiesen hatte. »Ein Hauruck-Verfahren sieht anders aus.«


Gemeinderat Richard Graßl (CSU), der seinen Betrieb im geplanten Gewerbegebiet erweitern möchte, ließ sich von der Abstimmung befreien. Im Dezember noch hatte er beim Grundsatzbeschluss mitgestimmt. »Wir wurden aber darauf hingewiesen, dass es rechtlich nicht zu 100 Prozent einzuordnen ist, ob er mitmachen darf«, so Herbert Gschoßmann.

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Im Folgenden ging der Bürgermeister ausführlich auf die Berichterstattung des »Berchtesgadener Anzeigers« ein, der noch am Dienstag über das Thema »Klauspoint« und die sich gegen das Projekt gegründete Interessengemeinschaft berichtet hatte. »Es könnte zu Missverständnissen kommen«, sagte Gschoßmann über den in Teilen abgedruckten offenen Brief der »Klauspoint«-Gegner.

»Es geht nicht um die Zukunft der Klauspoint«, so der Gemeindechef. Vielmehr gehe es um die ersten Schritte, die am Anfang eines langen Prozesses stehen. »Wir nehmen am heutigen Tag erst einmal das Verfahren auf.« Die Öffentlichkeitsbeteiligung stand und stehe auch weiterhin an erster Stelle. Gschoßmann räumte den Vorwurf aus, sich über den Bürgerwillen hinwegsetzen zu wollen: »Die Ramsau setzt sich aus vielen Hundert Bürgern zusammen - die Interessengemeinschaft ist nur ein kleiner Teil davon.« Bedenken von einzelnen Bürgern, die der Bürgermeister durchaus nachvollziehen könne, würden beachtet werden. Zu bagatellisieren sei nicht das Ziel der Gemeindeverwaltung.

Dass die Gemeinde wegen des »Klauspoint«-Vorhabens ihr UNESCO-Prädikat verlieren könnte, glaubt er zwar nicht, versprach aber, es überhaupt nicht so weit kommen zu lassen: »Sollte das Prädikat auf dem Spiel stehen, dann wird dort hinten nichts gebaut werden.« Den Vorwurf, die Gemeinde biete nicht viel mehr als die Natur, ließ er nicht gelten, auch nicht, dass die Kommune wirtschaftlich schlecht aufgestellt sei.

Auch zur angesprochenen, problematischen Verkehrsanbindung der Klauspoint hatte Gschoßmann etwas zu sagen: »Sollte eine Anbindung wirklich so große Probleme aufwerfen, bin ich der Überzeugung, dass das Projekt keine Zukunft haben wird.«

Eventuell anfallende Erschließungskosten würden zu 100 Prozent zu Lasten des Bauwerbers gehen. »Bei der Gemeinde bleibt nichts hängen«, so Gschoßmann. Als übertrieben und ungerechtfertigt erachtet er die Forderung der Interessengemeinschaft, den Finanzierungsplan des Projektes offenzulegen. Gschoßmann: »Ich werde mich gleich mal bei meinem Bürgermeisterkollegen Toni Altkofer in Bischofswiesen erkundigen, ob die das dort auch so machen.« Was folgte, war ein süffisantes Lächeln. Gewisse Punkte müssten nicht-öffentlich bleiben. »Das geht sonst zu weit.« Dennoch ist Gschoßmann der Ansicht, den »Weg der absoluten Transparenz auch zukünftig weiterzugehen.« Weitere öffentliche Veranstaltungen zum Thema werden folgen.

Kein Verständnis zeigt Gschoßmann beim Vorwurf, er warte nicht auf die Fortführung des Flächennutzungsplans, der momentan von den fünf Talkesselgemeinden erstellt werde. »Das kann Jahre dauern, bis wir mit der Klauspoint weitermachen können.«

Hannes Grill (Ramsauer Wahlblock) sagte, dass die Causa ein sehr emotionales Thema sei. Der hiesigen Firma, die dort den Gewerbebetrieb erweitern möchte, tue man nichts Gutes, wenn das Vorhaben im künftigen Gewerbegebiet realisiert werde. »Das hätte eine touristische Strahlungswirkung mit negativen Folgen«, so Grill. Bezugsfälle wären an der Tagesordnung. »Wie soll man künftig interessierten Firmen verbieten, sich auch dort anzusiedeln«, so lautete seine Frage in die Gemeinderatsrunde.

Rudi Fendt (Ramsauer Wahlblock) hofft darauf, dass Gschoßmann vor kurzsichtigem Handeln bewahrt bleibt. »Es gab in den letzten 23 Jahren kein Thema, das so viel Resonanz nach sich zog«, lautete Fendts Fazit. Aus ortsplanerischer, landwirtschaftlicher und touristischer Sicht sei die Klauspoint-Problematik ein »Irrweg«, den man nicht beschreiten dürfe. »Eine Umsetzung wäre ein böses Foul, das sich die Gemeinde da leisten würde.« kp