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König der Salzbergstraße

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Räumen und Streuen sind am Obersalzberg besonders wichtig.
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Florian Walch fährt seit zehn Jahren Schneepflug auf der Obersalzberg-Strecke.
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Viel Schnee und hohes Verkehrsaufkommen auf der Strecke zwischen Unterau, Hinterbrand und Schießstättbrücke bedeuten für Schneepflugfahrer eine große Herausforderung. (Fotos: Kastner)
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Im Begegnungsverkehr wird es beim Schneepflugfahren schon einmal eng.

Berchtesgaden – Wenn Florian Walch mit seinem 26 Tonnen schweren MAN-Schneepflug um die Kurve rumpelt, dann flößt das den entgegenkommenden Fahrzeuglenkern durchaus Respekt ein. Seit zehn Jahren räumt der 31-jährige Oberauer für die Firma seines Schwiegervaters Bernhard Heitauer im Auftrag des Staatlichen Bauamts Traunstein, der Marktgemeinde Berchtesgaden und des Kempinski-Hotels die anspruchsvolle Obersalzbergstrecke zwischen Schießstättbrücke, Hinterbrand und Unterau. Der »Berchtesgadener Anzeiger« durfte gestern eine spannende Runde mitfahren.


Bei winterlichen Verhältnissen, wie sie zurzeit herrschen, verlässt Florian Walch den Obersalzberg nur selten. Denn den MAN-26-Tonner der Firma Heitauer hat der 31-Jährige vor seinem Anwesen stehen. Das Bernegglehen liegt direkt an seiner Einsatzstrecke an der Bundesstraße 319 zwischen Oberau und dem Obersalzberg. Bei Bedarf, und der besteht zurzeit täglich, braucht Walch nur einzusteigen und kann sofort loslegen.

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An diesem Freitag ist Florian Walch schon einige Stunden im Einsatz, als der »Berchtesgadener Anzeiger« gegen Mittag an der Schießstättbrücke zusteigt. Früher hat der Oberauer bis zu 16 Stunden lang seine Runden gedreht, doch nun ist meistens nach acht Stunden Schluss. Auch heute wird Walch früher abgelöst, darüber ist er schon froh. Trotzdem macht ihm das Schneepflugfahren nach wie vor großen Spaß – vor allem am Obersalzberg. Auf keiner anderen Strecke in der Umgebung ist der Fahrer so gefordert wie auf dieser Strecke.

Viel Verkehr

»Die Herausforderung liegt weniger in der Steilheit der Strecke als im hohen Verkehrsaufkommen«, erklärt Florian Walch, während er mit großer Gelassenheit seinen 3,60 Meter breiten Pflug zentimetergenau zwischen den Schneestangen und den entgegenkommenden Autos hindurchlenkt. Aktuell sind es die vielen Skiurlauber, die im Skigebiet Gutshof-Obersalzberg Skikurse absolvieren, und die Hotelgäste im Kempinski. Und wenn nächste Woche die Ferien vorbei sind, dann fahren wieder die Schulbusse zur Christophorusschule hinauf. »Die verlassen sich alle auf mich«, lacht Walch. Ein wenig Stolz auf seine Arbeit ist ihm anzumerken.

Beim »Rottlsepp« nimmt Walch kurz den Fuß vom Gas. Er weiß natürlich, dass er an dieser Engstelle besonders aufpassen muss. Trotzdem ist kaum zu glauben, dass der 31-Jährige in zehn Jahren am Obersalzberg keinen einzigen schwereren Unfall hatte. Allerdings musste er zahlreiche Karambolagen von anderen, zumeist Urlaubern, mitansehen. Da kommt es schon einmal vor, dass alles verstopft ist. Schlechte Winterausrüstung und mangelhaftes Fahrkönnen führen vor allem bei dichtem Schneefall zu Verkehrsbehinderungen. Da wünscht sich Florian Walch, dass die an der Straße bereitstehenden Schneekettenpflicht-Schilder öfters aufgeklappt würden. »Dann wäre das Chaos bei Schneefall nicht gleich so groß«, sagt der Oberauer.

Walch lenkt seinen allradgetriebenen Lkw auch ohne Schneeketten wieder sicher auf den Obersalzberg. Den entgegenkommenden Autofahrern ist der Respekt anzumerken, viele bleiben sogar stehen und lassen den Schneepflug passieren. »Ich habe da auch eine Taktik«, sagt Florian Walch und lächelt verschmitzt. Er belässt seinen Pflug nämlich zunächst ziemlich weit in Straßenmitte, damit die entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer den notwendigen Abstand herstellen. Erst dann schwenkt der Oberauer das Gerät weiter nach rechts in Richtung Straßenrand.

Im Bernegglehen daheim

»Hier unten wohne ich«, erklärt Walch und blickt in Richtung Bernegglehen. Wenn er nicht gerade im Schneepflug sitzt, hat er dort unten als Landwirt noch genügend andere Arbeit. In zwei Jahren will er den Hof übernehmen, dann wird es mit der Arbeit sicher nicht weniger. Immerhin kann sich der 31-Jährige in handwerklichen Dingen bestens helfen. Als gelernter Landwirt, Forstwirt und Landmaschinenmechaniker weiß der 31-Jährige stets, was zu tun ist.

Mittlerweile hat der Schneepflug über den Auer Berg die Unterau erreicht. An der Einmündung in die Bundesstraße wendet Walch den Lkw und fährt dieselbe Strecke zurück. An jeder Einfahrt stellt der Oberauer den Pflug kurz gerade, um die Zufahrtsstraße nicht zuzuschieben. »Die Leute sind uns dafür sehr dankbar«, sagt Walch.

Zum Salzholen

Dann geht es hinüber zum Hinterbrand. Hier wird die Straße gleich deutlich weißer. »Auf flachen Strecken wie hier sparen wir etwas Salz, auf den steilen Strecken wie auf der Salzbergstraße brauchen wir dafür mehr«, erklärt Walch. Nach der Wende am Hinterbrand-Parkplatz lenkt er sein Gefährt wieder zurück zum Hintereck und anschließend hinunter zur Schießstättbrücke.

Früher hat er auf dieser Runde teilweise über 250 Kilometer am Tag zurückgelegt. »Das brauche ich jetzt nicht mehr«, lacht Walch. Und deshalb macht er heute auch früher Feierabend und übergibt an einen Kollegen. Aber zuvor muss er noch rasch in den Stangenwald, um Salz nachzuladen. Für kurze Zeit werden die Autofahrer am Obersalzberg ohne den Schneepflug auskommen müssen. Aber er kommt ja bald zurück – und darüber sind alle froh. Ulli Kastner