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Königsseer Hotelprojekte spalten Gemeinderat

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So würde sich nach den aktuellen Planungsentwürfen künftig das erweiterte »Hotel Königssee« vom Königssee aus präsentieren. Städteplanerin Claudia Schreiber hält den massiven Querbau für eine bauliche Fehlentwicklung. Der rechts davon angedeutete Bau ist einer der Appartementtürme, die wohl weitgehend von Bäumen verdeckt wären. Grafik: privat

Schönau am Königssee – Einen massiven Dämpfer hat es am Dienstag im Gemeinderat Schönau am Königssee für die Projekte »Parkhotel« und »Hotel Königssee« gegeben. Ausschlaggebend für die Spaltung des Gemeinderats in fast zwei gleichstarke (parteiübergreifende) Fraktionen war die Warnung der Münchner Städteplanerin Claudia Schreiber vor baulichen Fehlentwicklungen am See. Am Ende gab es zwei äußerst knappe Entscheidungen: 9:9 lautete die Abstimmung über die »Parkhotel«-Pläne, womit es hier weiterhin Stillstand gibt. Mit 10:8 gab es dagegen gerade noch ein positives Votum für den Planungsentwurf »Hotel Königssee«, den die Städteplanerin wegen des massiven Querbaus zuvor kritisiert hatte. Nun herrscht erst einmal Ratlosigkeit und keiner weiß, wie es weitergeht. Dennoch sicher ist: Beide Hotelprojekte sind eng miteinander verknüpft.


Schon seit Jahren wird am Königssee geplant. Von den ersten Bauplänen, die noch zwei große Hotels, zwei Verkaufsgebäude entlang der Seestraße und sechs Appartementhäuser rund um den »Alten Bahnhof« vorgesehen hatten, war man aufgrund vieler Warnungen von allen Seiten abgerückt. Tatsächlich ist das Bauprojekt am Königssee kleiner geworden - die N & F Königssee AG mit Sitz in St. Gallen/Schweiz plant nur noch ein Hotel und drei nach hinten geschobene Appartementgebäude. Außerdem sind ein Verkaufsgebäude entlang der Seestraße und ein Gastronomiegebäude neben dem »Alten Bahnhof« vorgesehen. Bürgermeister Stefan Kurz schien zuversichtlich, diese Variante nach vielen, vielen Verhandlungen nun durchsetzen zu können.

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Doch dann gab es am Dienstag im Gemeinderat doch keine Jubelstürme. Die Aussagen von Städteplanerin Claudia Schreiber, die vor baulichen Fehlentwicklungen warnte, saßen tief bei den Lokalpolitikern. Der Münchnerin gefiel vor allem der massive Querbau für das »Hotel Königssee« nicht. »Vom See aus gesehen wirkt dieser große Riegel im Gegensatz zum Ensemble der Bootshäuser und anderen Gebäude wie ein Fremdkörper«, betonte Claudia Schreiber und dokumentierte dies mit einer Fotomontage.

Hauptproblem dabei ist, dass »Hotel Königssee«-Eigentümer Josef Größwang in Anbetracht der »Parkhotel«-Pläne keine andere Bebauungsmöglichkeit hat. Claudia Schreiber glaubt zwar, dass es Chancen gibt, die Hotels hier sensibel einzufügen. Doch das würde eine völlige Neuplanung notwendig machen, man würde also bei beiden Bebauungsplänen wieder bei null anfangen. Ein Horrorszenario für Bürgermeister Stefan Kurz und den Großteil der CSU. Die brachten immer wieder einen sogenannten »Fixtermin« ins Gespräch. Also einen von den Investoren festgelegten Zeitpunkt, zu dem das Projekt sicher auf den Weg gebracht sein muss. Ansonsten drohen die Investoren mit der Aufgabe.

Auch Josef Größwang appellierte auf der Sitzung an die Gemeinderäte, hier grünes Licht zu geben: »Wenn Sie das Projekt jetzt über den Haufen werfen, dann springen die Investoren ab. Da bin ich mir sicher.« Eine größere Umplanung sei für ihn aufgrund der beengten Lage mit dem »Parkhotel« im Norden nicht möglich. Und die Gästezimmer müssten freilich nach Süden ausgerichtet werden. »Aber der Denkmalschutz wird uns ohnehin auseinandernehmen. Hier ist sicher noch viel Planungsarbeit zu leisten«, sagte Größwang.

Optimierungsbedarf gibt es auch bei den von den »Parkhotel«-Investoren vorgelegten Unterlagen. So entspricht die Fotomontage mit der Hotelansicht aus Richtung »Steinbock«-Denkmal nicht der Realität. Tatsächlich müsste das Hotelgebäude, das im vorderen Bereich vier Geschosse und im hinteren Bereich sechs Geschosse umfasst, wesentlich höher ausfallen. Hier war man sich einig, dass die Investoren realistisches Material beibringen müssen. Während vor allem die Gemeinderäte der Freien Wähler, aber auch 3. Bürgermeister Herbert Zechmeister, die Nichterledigung von Aufgaben durch die Investoren anprangerten, sah Bürgermeister Stefan Kurz die meisten Forderungen erfüllt.

Insgesamt akzeptierte Bürgermeister Stefan Kurz die Meinung der Städteplanerin. Gleichzeitig aber betonte der Rathauschef: »Ich kann auch mit diesem Querbau leben. Wir müssen hier halt Kompromisse eingehen.« Die von den »Parkhotel«-Investoren veränderte Hotelplanung mit einer Ausdehnung der Sechsgeschossigkeit im hinteren Bereich begründete Kurz damit, dass der Wellnessbereich auf einer Ebene liegen soll. »Und 140 Zimmer müssen aufgrund der Rentabilität sein.« Kurz schlug vor, die Pläne so zur Kenntnis zu nehmen und damit das Bebauungsplanverfahren mit der öffentlichen Auslegung einzuleiten. Die vier Wochen bis zu deren Abschluss könne man nutzen, um mit allen Investoren noch einmal zu verhandeln. »Ohnehin wird sich der Denkmalsschutz ja auch zum Ensembleschutz äußern«, sagte Kurz, der die beiden Projekte am Dienstag unbedingt voranbringen wollte.

Nach intensiver Diskussion (siehe eigener Artikel) verweigerten die gesamte Fraktion der Freien Wähler plus Wolfgang Aschauer und 3. Bürgermeister Herbert Zechmeister (beide CSU) den »Parkhotel«-Plänen die Zustimmung. Durch das 9:9-Ergebnis herrscht hier also weiterhin Stillstand. Josef Größwang erhielt für seine Pläne mit 10:8 Stimmen zwar grünes Licht. Doch dem Hotelier sind dennoch erst einmal die Hände gebunden. Die Nein-Stimmen kamen hier ebenfalls von den Freien Wählern plus Herbert Zechmeister von der CSU. Ulli Kastner