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Kollaps im Kreisverkehr

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Eng ging's her im Kreisverkehr: Am Dienstag bildeten sich lange Staus in alle Richtungen. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Und plötzlich ist da eine Baustelle: Am Dienstag fräste das Staatliche Bauamt Asphalt am Bahnhofskreisverkehr. Was zu einem Megastau in alle Fahrtrichtungen führte. Einheimische und Urlauber steckten bis zu 45 Minuten fest. Dabei waren die Arbeiten erst für Donnerstag angekündigt. Da ist dem Bauamt eine peinliche Infopanne passiert. »Für diesen Fehler entschuldige ich mich bei allen betroffenen Autofahrern«, sagt der zuständige Abteilungsleiter Vitus Danzl.


Das Szenario war chaotisch: Autos aus allen Fahrtrichtungen zwängten sich dicht an dicht über die winzige Fahrspur. Mittendrin werkelten die Arbeiter. Autofahrer sind ausgestiegen, um zu schauen, was da eigentlich los war. Und marschierten kreuz und quer über die Straßen. Ein gefährliches Durcheinander. Beteiligte Autofahrer schilderten der Redaktion telefonisch die Zustände. Von überforderten Bauarbeitern war die Rede. Und Wutausbrüchen bei den Verkehrsteilnehmern. Wut über den langen Stau, über geplatzte Termine, über die schlechten Informationen, über den Zeitpunkt der Arbeiten. Immer wieder tauchte die Frage auf: Warum werden Arbeiten am wichtigsten Verkehrsknotenpunkt im Talkessel nicht in der Nacht durchgeführt?

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Der »Vater« des Kreisverkehrs, Vitus Danzl vom Staatlichen Bauamt Traunstein, versteht die Wut der Bürger. Und räumt Fehler ein. Tatsächlich habe er nicht mit so massiven Staus gerechnet. Die Ankündigung der Vollsperrung für Donnerstag habe wohl dazu geführt, dass mehrere Verkehrsteilnehmer Fahrten vorverlegt hätten. Und damit das Verkehrsaufkommen am Dienstag erhöht.

Aber er steht zu der Entscheidung, die Arbeiten tagsüber durchführen zu lassen. »Das haben wir Verantwortlichen so beschlossen«, betont er. Obwohl es Pläne gegeben habe, in der Nacht zu arbeiten. »Grundsätzlich wäre es möglich gewesen«, gibt der Abteilungsleiter zu. Man habe sich aber dennoch gegen diese Variante entschieden. Und zwar aus Sicherheits- und Qualitätsgründen.

»Nachts ist die Sicht schlecht. Das schränkt die Arbeitssicherheit ein«, sagt Danzl. Außerdem könne es passieren, dass aufgrund von Schatten zu tief gefräst werde. »Bei einer Nachtbaustelle an so einer diffizilen Stelle sind Probleme vorprogrammiert«, so Vitus Danzl. Auch der Zeitdruck könne zu Komplikationen führen.

Komplikationen gab es dann tatsächlich. Und zwar nicht nur beim Verkehrsfluss. Sondern auch bei der externen Kommunikation des Staatlichen Bauamts Traunstein. Denn die Fräsarbeiten waren nicht angekündigt. Auch der »Berchtesgadener Anzeiger« wurde nicht darüber informiert. Von den Fräsarbeiten hat die Redaktion tatsächlich erst am Dienstag erfahren. Und zwar, als ein Mitarbeiter im Stau stand. Auch von der Verschiebung der Baustelle am Kreisverkehr um eine Woche wegen Hochwassers hatte der »Berchtesgadener Anzeiger« erst auf Nachfrage erfahren. Pannen, für die sich Vitus Danzl entschuldigt. Der Abteilungsleiter hat versprochen, die Informationspolitik zu verbessern. Christian Fischer