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»Komm kinderfroh, komm herzenswarm«

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»ChorissiMa« hieß es kürzlich in der Berchtesgadener Christuskirche. Die Konzertbesucher konnten zufrieden nach Hause gehen. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Ein wenig Brahms, ein schönes, aber am Anfang etwas rätselhaftes Lied von Jean Sibelius, allgemein Bekanntes und eine kleine musikalische Reise durch Europa – das etwa bot »ChorissiMa« in einem Konzert in der Christuskirche. »Weihnachtsmelodien« waren das Motto und das von Barbara Ma geführte Vokalensemble ließ eine Hörprobe zu auf das, was man in der slowakischen oder tschechischen Weihnacht singt, ließ das mittelalterliche England aufblitzen und in finnische Wälder hineinhören. »ChorissiMa« ist nicht nur facettenreich in der Programmwahl, auch stimmlich wusste der Chor zu überzeugen, auch wenn sich das männliche Trio infolge Besetzungsnot besonders gefordert sah und seinen Part letztlich bravourös in die Christuskirche geradezu schmetterte. Ein Chorkonzert jedenfalls, das unbedingt Spaß machte.


»Ein Lied lasst uns jetzt singen«, hatte Barbara Ma dem weihnachtlichem Chorkonzert als Motto gegeben. »ChorissiMa« sang gleich eine ganze Menge davon – bekannte, die auch zum Mitsingen animierten, und historische. Dazu gab es Hörproben aus den Nachbarländern. Und als besonderen Clou gewissermaßen hatte sich das Ensemble Verstärkung aus der Musikschule geholt.

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Kinder machen immer Freude, vor allem viel fotografierenden Familienangehörigen, aber nicht nur denen. Chormitglieder haben Kinder. Und die müssen möglicherweise gar nicht erst zum Singen angeregt werden durch Mutters Stimme. Barbara Ma ließ die Kindlein zu sich kommen und ein Stück teilhaben am Weihnachtsliedprogramm. Zur Freude aller.

Aber auch ohne diese schönen Einlagen hätte der Chor brillieren können an diesem facettenreichen Chorabend, der nicht nur die hohe Leistungsfähigkeit der vielen sangesfreudigen Damen und eines engagierten Herrentrios nachwies, sondern auch einen spannenden Exkurs durch das Liedgut des gegenwärtigen und »alten« Europa machte.

Nach dem slowakischen Weihnachtslied folgte das tschechische, bei dem Barbara Ma kokett hoffte, es möge sich kein Kenner der tschechischen Sprache ins Publikum gemischt haben. Ein eher trauriges Lied aus dem englischen Mittelalter hörte man und dann eines, das dem Gospel sehr nahe kam.

Weil einem Chormitglied natürlich Töne der finnischen Heimat lieb sind, wurde Jean Sibelius bemüht, der neben Paovo Nurmi vielleicht bekannteste Finne. »En etsi valtaa loista«, ursprünglich in Schwedisch geschrieben von einem Finnlandschweden und dann in Töne gesetzt von einem solchen.

Martin Luther als Lieddichter kam zu Gehör. »Vom Himmel hoch, da komm ich her« ist neben »Ein feste Burg …« wohl sein bekanntestes Lied unter seinen weit über 30 Liedschöpfungen und schwebte wärmend unter stimmgewaltiger Vorgabe von »ChorissiMa« und mit Publikumshilfe durch die kühle Christuskirche.

Barbara Ma als Solistin setzte dem Chorkonzert noch ein sahniges Häubchen auf und schließlich wurde Johannes Brahms der Taktstock übergeben. »Guten Abend, gute Nacht«, beinahe mit Inbrunst von (fast) allen Sängern und Besuchern intoniert, beendete ein bemerkenswertes Konzert, bei dem sich, so ist es wohl der Wunsch der Chorleiterin Barbara Ma, vielleicht der oder die eine oder andere Sangesfeudige vielleicht angeregt fühlte, demnächst als Mitglied des Vokalensembles vor dem Publikum zu stehen. Das in der Christuskirche dem homogenen und stimmlich teilweise brillanten Chor lauschende war am Ende jedenfalls mehrheitlich überzeugt, einem guten Konzert beigewohnt zu haben. Dieter Meister