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Kommt Bewegung in das Thema »Kehlsteinwege«?

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Gute Laune hatten die Referenten über die Kehlsteinwege nach einer gelungenen Informationsveranstaltung im »Bräustüberl« (v.l.): Dr. Bartl Wimmer, Alfred Spiegel-Schmidt, Rita Poser, Wolfgang Feldbauer, Rosi Plenk und Klaus Gerlach. (Foto Wechslinger)

Berchtesgaden – Die von Bayerischen Staatsforsten und Landratsamt geplante Sanierung der Kehlsteinwege bleibt weiterhin umstritten. Das wurde am Freitagabend auf einer von Dr. Hermann Amann moderierten Informationsveranstaltung im »Bräustüberl« deutlich, zu der weit über 250 Interessenten gekommen sind. Für die von Sachlichkeit geprägten Ausführungen der Referenten gab es kräftigen Applaus. Und mittlerweile gibt es sogar Anzeichen dafür, dass die Projektverantwortlichen teilweise zurückrudern.


Der Sachverhalt sei kompliziert, sagte Dr. Bartl Wimmer von den Grünen, weil die Wege weit über 70 Jahre alt, aber dennoch in einem guten Zustand seien. »Erst die Forstfahrzeuge haben Teile der Wege zerstört«, sagte Wimmer. Die hohen Kosten für die Beseitigung der belasteten Teerwege trage nun nicht der Forst, sondern der Steuerzahler. Immerhin hat der Grünen-Sprecher nun leise Hoffnung, dass sich in der Sache Kehlsteinwege jetzt doch noch eine andere Lösung abzeichnet. Zumindest soll Landrat Georg Grabner sich angeblich gesprächsbereit gezeigt haben.

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Als höchst bemerkenswert erachtete Dr. Bartl Wimmer die Tatsache, dass zwischen 2008 und 2015 im Hinblick auf gefährlichen Teer vonseiten des Forstes nichts passiert sei und jetzt plötzlich die geteerten Wege abgebaut werden sollen. Dabei stehe eindeutig fest, dass es für die Umwelt besser sei, den Teer zu belassen, als ihn zu entfernen. Dies hätten Studien ergeben, da der Teer auch bei Vielwasser nur in geringem Maße ausgeschwemmt werde. Viel gefährlicher seien für Mensch und Tier die Abrissarbeiten. Immerhin sei in 40 Prozent aller Straßen auch der Baustoff Teer enthalten. Bemerkenswert sei auch die Tatsache, dass im Wasserschutzgebiet oberhalb der Scharitzkehl nie kontaminierte Substanzen aus dem Teer nachgewiesen wurden. Überhaupt nicht nachvollziehen kann Wimmer die große Eile, die an den Tag gelegt wird, die Teerstraßen zu entfernen.

Immerhin hat Wimmer nach einer Information aus dem Landratsamt nun Hoffnung auf ein Umschwenken vonseiten der Verantwortlichen. »Wir müssen es schaffen, das Landratsamt und den Forst an einen Tisch zu bringen«, so Wimmer. Dennoch empfindet er das Vorgehen der Staatsforsten als eine »regelrechte Sauerei«, die ausschließlich von finanziellen Interessen geprägt sei und beim überwiegenden Teil der Bevölkerung auf kein Verständnis stoße.

Versiegelung statt Aufriss

Klaus Gerlach sprach für die SPD Berchtesgadener Land Süd und stellte klar, dass auch die SPD dafür sei, die Gefahren, die von giftigem Teer für Mensch und Umwelt ausgehen, beseitigt werden müssten. Entscheidend sei jedoch die Frage, wie man dies löst. Die SPD sei vom Gutachten der Firma Danzer nicht überzeugt, die eine Abtragung dieser Teere fordert. Vielmehr sei die Regellösung für derart belastete Straßen entsprechend der Vorgaben des Landesamtes für Umwelt eine Versieglung durch Aufbringung einer wasserundurchlässigen Schicht, sagte Gerlach. Gefahren für Mensch und Tier entstünden in der Regel vor allem dann, wenn die giftigen Teere aufgebrochen, eventuell zwischengelagert und abtransportiert würden.

Die SPD schließe sich in ihrer Haltung der Petition von Rosi Plenk und anderen aus dem Jahr 2010 an, in der ein Gesamtkonzept für das gesamte Areal von Obersalzberg, Kehlsteinhaus, Kehlsteinstraße und Kehlsteinwege als eine Europäische Erinnerungslandschaft gefordert wurde. Diesem Konzept sollten sich die Pläne der Staatsforsten unterordnen. Diese Eingabe hatte Gerlach im Februar im Landtag eingereicht, weil er feststellen musste, dass das Staatsministerium der Finanzen weder den Auftrag geprüft habe noch der Petitionsausschuss durch das Ministerium von den jetzt geplanten Maßnahmen unterrichtet worden sei. Dies wertete Gerlach als grobe Missachtung seitens des Parlaments.

Heftig kritisierte Klaus Gerlach die Öffentlichkeitsarbeit und die Vorgehensweise des Landratsamtes bei der Umsetzung der geplanten Sanierungsmaßnahmen am Kehlstein. Schon als im Jahr 2010 der erste Teilabschnitt der Kehlsteinwege im Dalsenwinkel forstgerecht ausgebaut wurde, sei bekannt gewesen, dass diese Arbeiten der Staatsforsten in der Öffentlichkeit kritisch gesehen werden. Seither habe es weder über den Auftrag des Landratsamtes an die Staatsforsten zur Erstellung eines Gutachtens, noch über das Ergebnis eines solchen Gutachtens sowie über einen Auftrag zur Erstellung eines Sanierungskonzepts im Jahr 2013 eine öffentliche Verlautbarung gegeben. Erst am 12. März hätten die Staatsforsten und nicht das Landratsamt als anordnende Behörde zu einer Pressekonferenz eingeladen, bei der sodann Einzelheiten zu den Plänen bekannt gemacht wurden.

»Wie die Axt im Walde«

Für einen Schildbürgerstreich hält es Gerlach, wenn man Gutachten und Sanierungsauftrag auf das Forstgelände am Kehlstein verenge, während keinerlei Untersuchungen und Planungen für andere Straßen im Bereich der Berchtesgadener Landesstiftung geplant seien. Dazu gehören die ebenfalls mit giftigen Teeren abgedeckte Kehlsteinstraße sowie der vom Dalsenwinkel zum Kehlstein führende Weg. »Im Gelände der Staatsforsten wird Sofortvollzug angeordnet und dort, wo das Landratsamt zuständig ist, passiert nichts«, kritisierte Klaus Gerlach.

Rosi Plenk warf dem Forst vor, bei den Kehlsteinwegen förmlich »wie die Axt im Walde« zu wüten und die Wege zu zerstören. Nachdem sie die Ausmaße der Zerstörungen festgestellt hatte, richtete sie im Jahr 2010 eine Petition an die bayerische Staatsregierung mit Vorschlägen für eine Erhaltung der geschichtlichen Relikte. Die Antwort sei äußerst unbefriedigend gewesen, man wollte die Vorschläge aber zumindest aufnehmen.

Rita Poser vom Bund Naturschutz informierte über die Entsorgung der ersten Teerlasten in den Raum Passau, wo ein Landwirt bankrott sei, weil sein Boden von den dort entsorgten Altlasten von den Kehlsteinwegen völlig verseucht sei. Es könne nicht sein, dass man das Gift heraushole, um es anderswo zu lagern. Man habe auch die Informationspflicht nach dem Bodenschutzgesetz ignoriert, bedauerte die Naturschützerin, die darüber informierte, dass zur Informationsveranstaltung auch Vertreter von Forst und Landratsamt eingeladen waren. Gekommen ist jedoch niemand.

Mit mehreren Bildern dokumentierten Wolfgang Feldbauer und Rosi Plenk über die Situation vieler kaputter Wege am Obersalzberg. »Der Forst wirtschaftet nicht nachhaltig, sondern zerstört Bereiche, die allen gemeinsam gehören«, ärgerte sich Rosi Plenk und bekam dafür Applaus. Feldbauer ärgerte sich, dass gewisse Wege völlig abgetragen werden sollen. Dazu gehört beispielsweise die Straße von der Ligeretalm hinauf zur Kehlsteinstraße, die auch als »Zubringer« zum Sappensteig dient.

Angst vor »Forstautobahnen«

Marktbürgermeister Franz Rasp, der sich ebenfalls zu Wort meldete, hält es für sinnvoll, den Teer aus der engeren Schutzzone des Wasserschutzgebietes und aus den völlig kaputten zu entfernen, wenngleich im Wasser noch nie Schadstoffe nachgewiesen worden sind. Die Angst bei den übrigen Wegen sei wegen der zu erwartenden Forstautobahnen begründet. Ferner befürchte man den Verlust von Rad- und Wanderwegen, so Rasp, der nach den Protesten aber Bewegungen in der Angelegenheit festgestellt hat. So müsse in Richtung Ligoascht der Weg auf einer Breite von drei Metern belassen bleiben, weil dort im Wasserschutzgebiet nicht gebaut werden dürfe. Geklärt werden müsste der Erhalt gewisser Wegstrecken durch das Aufbringen von Spritzasphalt.

Werner Weinzierl bereitet die Behördenanordnung ebenso Sorge wie die unzureichende Informationspolitik. Im Weiteren seien Sanierungsanordnungen ohne einen Sanierungsplan erlassen worden, führte Weinzierl aus. »Hier geht es um Millionen, wie gehen die mit dem Geld um?«

Nun hofft nicht nur Bartl Wimmer auf eine Annäherung zwischen Verantwortlichen und Kritikern, damit die Raupen im Mai nicht rollen werden. Wimmer rief dazu auf, Flagge für die Sache zu zeigen: »Wenn alle zusammenhalten, dann können wir diese große Katastrophe noch verhindern.«

Auf den Vortrag von Alfred Spiegel-Schmidt zur Geschichte der Kehlsteinwege kommen wir noch zurück. Christian Wechslinger

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