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Kommunalpolitischer Freizeitsportler

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Zwölf Jahre fungierte der politische und sportliche Tausendsassa Manfred Vonderthann als Stellvertreter des Bürgermeisters der Gemeinde Schönau am Königssee. An vielen Freitagen vertrat er dabei das Gemeindeoberhaupt Stefan Kurz. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Schönau am Königssee – Das Treffen mit dem ehemaligen Amtsrat im Notardienst, Manfred Vonderthann, vor dessen Abschied von der politischen Bühne, findet im Rathaus der Gemeinde Schönau am Königssee statt. Denn wie so oft an Freitagen vertritt der Umtriebige Stefan Kurz im Bürgermeisteramt. Am 1. Mai gibt Manfred Vonderthann seine politischen Mandate zurück, ganz aufs Altenteil wird er sich jedoch wohl immer noch nicht zurück ziehen.


Vonderthann blickt nicht nur auf eine erfolgreiche Laufbahn als Mitarbeiter im Berchtesgadener Notariat zurück, der Tausendsassa gehörte in jungen Jahren auch zu den besten Fußballtorhütern weit und breit. Nach Ende seiner sportlichen Laufbahn machte sich der heute 72-Jährige als Vorstand der SG Schönau und in vielen weiteren Bereichen des Sports verdient. Doch Vonderthann kümmerte sich auch als Gemeinderat, als Kreistagsmitglied, im Fremdenverkehrsverband und als Aufsichtsrat der Berchtesgadener Bergbahn AG um die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen im Land. Unvergessen bleiben seine Auftritte bei unzähligen Vereinsversammlungen, bei denen Vonderthann als Helfer bei Satzungen mitwirkte oder Neuwahlen in Rekordzeiten durchführte.

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Inspektorenlaufbahn

Der seit vielen Jahren in der Artenreit in Schönau am Königssee wohnhafte zweite Bürgermeister begann nach dem Besuch der Volksschule in Berchtesgaden eine Lehre im Notariat Berchtesgaden. Früh bereitete sich Vonderthann auf die Inspektorenlaufbahn vor, die durch die Einberufung zur Bundeswehr für 18 Monate unterbrochen wurde. Im Jahr 1966 legte Vonderthann die Inspektorenprüfung ab, wirkte immer im Notariat und trat exakt 40 Jahre später als Amtsrat in den Ruhestand.

Seine Verwendungen und Berufungen in die verschiedensten Gremien sind ebenso vielfältig wie wichtig. Wenn am 30. April die Zeit im Gemeinderat endet, gehörte Manfred Vonderthann diesem nicht weniger als 36 Jahre an. Zwei Legislaturperioden wirkte er mit großem Engagement als zweiter Bürgermeister seiner Gemeinde. Über 30 Jahre lang war der Scheidende Mitglied des Verbandsausschusses und Mitglied der Verbandsversammlung der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee. Seit 1996 ist Vonderthann Mitglied im Kreistag, seit 2008 Mitglied im Kreisausschuss und im Rechnungsprüfungsausschuss des Landratsamts Berchtesgadener Land. In der Berchtesgadener Bergbahn AG avancierte der ehemalige Notariatmitarbeiter im Jahr 2007 zum Aufsichtsratsvorsitzenden.

Große Verdienste auch in Vereinen

Der Vielseitige engagierte sich aber auch in den örtlichen Vereinen. So gehört er den Weihnachtsschützenvereinen Schönau und Königssee, dem »Eine-Welt-Kreis« und der Gebirgsjägerkameradschaft ebenso an wie den Tennisfreunden Schönau am Königssee, dem Rodelclub Berchtesgaden, dem WSV Königssee und der SG Schönau.

Vonderthann war im Jahr 1961 einer der ersten Fußballer, die vom ruhmreichen TSV Berchtesgaden in einer wahren Landflucht zur SG Schönau wechselten und dort für ein Fußballmärchen sorgten.

Der SG Schönau gehörte fortan Vonderthanns große sportliche Liebe. Viele Jahre sorgte er mit gekonnten Torwartparaden dafür, dass die Schönauer erstmals im Jahr 1967 in die heutige Kreisliga aufstiegen. Unvergessen bleiben davor die Duelle der Vonderthann-Brüder Manfred im Schönauer Tor und Hansl, dem torgefährlichen Mittelstürmer des TSV Berchtesgaden. Bei einem Lokalderby auf der Breitwiese standen sich die beiden einmal im Elfmeterduell gegenüber. Mit den Worten »Dritter Akt, vierte Szene«, wollte der Torhüter den Bauerntheaterchef ablenken. Doch der Volksschauspieler traf und führte den TSV Berchtesgaden zum 3:1-Sieg. Es sollte der letzte Erfolg über die Schönauer für viele Jahre sein.

Torwarttrainer und Trainingslager

Manfred Vonderthann machte sich fortan als Vorstand der SG Schönau verdient (1972 bis 1978 und 1982 bis 1992). Unter seiner Ägide stieg die SG Schönau als erste Berchtesgadener Fußballmannschaft in die Bezirksliga auf und sorgte dort viele Jahre für Furore.

Viele Jahre gab der ehemalige Klassetorhüter sein Wissen als Torwarttrainer an seine jungen Nachfolger weiter. Lange Zeit informierte Vonderthann die Zuschauer als eloquenter Stadionsprecher über die Geschehnisse auf dem Fußballfeld. Bis heute nimmt Vonderthann aktiv am traditionellen Trainingslager der Schönauer Fußballmannschaften am Gardasee teil. Schließlich gehörte er auch zu den Initiatoren des Fördervereins der SG Schönau.

Am 1. Mai tritt Manfred Vonderthann offiziell in den kommunalen Ruhestand. Sicher wird man den Sportsmann aber auch dann noch am Tennisplatz im Schneewinkel oder bei Spielen der SG Schönau im Alpenstadion treffen. Christian Wechslinger