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Komplizierter Klo-Knopf-Kniff

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Wer kennt sich mit der neuen Bahnhofstoilette aus? Links oben ist das Licht: Grün heißt frei, rot besetzt. Wer den Schalter rechts der Tür drückt, öffnet diese. Derzeit ist das WC aber vorübergehend geschlossen. Seitens des Marktes wird nachgebessert. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Die Tür ist geschlossen. Drücken allein reicht nicht, um sie zu öffnen. Dazu muss der kleine Schalter rechts der Tür betätigt werden. Dann springt das Schloss auf, die Tür öffnet automatisch. »Den Schalter übersehen aber die meisten«, sagt Optiker Heinrich Weber, der am Berchtesgadener Bahnhof sein Brillengeschäft betreibt und besten Blick auf die neuen Klos hat. Die Leute verzweifeln beim Gang auf die Damentoilette.


Ziehen, drücken, ziehen, drücken – und trotzdem gelingt es der Frau nicht, die Toilettentür zu öffnen. Ähnliche Beobachtungen macht Heinrich Weber dieser Tage ständig. Die neu geschaffene Toilette nur unweit des Schnellimbisses »Burger King« ist eine Wissenschaft für sich – zumindest könnte man das als Beobachter vermuten. »Hier gab es schon einige kuriose Zwischenfälle«, berichtet Weber. Das liegt daran, dass die Einrichtung für gehandicapte Menschen gedacht ist, der Türöffner daher weiter unten angebracht wurde. Behinderte können mit ihrem Rollstuhl über die Rampe zur Tür fahren, auf Knopfdruck öffnet sich diese. Einen erneuten Druck auf einen Knopf bedarf es, um die Tür von innen zu verriegeln. So weit, so gut.

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»Wenn sich die Tür aber öffnet, obwohl noch jemand auf der Toilette sitzt, weil er vergessen hat, die Verriegelung zu aktivieren, ist das eher peinlich«, weiß Weber. Für den, der auf der Schüssel hockt. Alles schon geschehen. Der Optiker hat von seiner Werkstatt aus den perfekten Überblick.

Und weiß, dass eine »Anleitung« fehlt, die es den Klogängern erleichtert, »richtig« ihr Geschäft zu verrichten. Das kleine Lämpchen links oben an der Tür sieht so gut wie niemand. Ist es grün, ist die Toilette frei. Bei rotem Licht ist besetzt. Trotzdem kommt es vor, dass Leute wie wild an der Tür rütteln, obwohl gerade »belegt« ist. Weber schmunzelt. Vor allem japanische Touristen hätten ihre Probleme, die Tür zu bedienen. Häufig wird der Öffner zu schnell hintereinander gedrückt, dann reagiert die Tür nicht mehr. Verzweiflung bei dem, den die Blase drückt. »Viele gehen wieder, fragen, ob sie bei mir aufs Klo dürfen«, so Weber.

In der letzten Zeit ist die Damentoilette oft kaputt, dann prangt ein kleiner Zettel mit einem Hinweis dran. Nur gut, dass neben der behindertengerechten Toiletten-Einrichtung auch eine Männertoilette existiert. Natürlich ist die oft belegt, denn auch die Damenwelt nutzt das Männerklo. Knöpfe gibt es hier keine. Die Gefahr, reinzuplatzen, wenn man eigentlich gar nicht reinplatzen darf, besteht erst gar nicht. Und so wartet nicht nur Heinrich Weber darauf, dass nachgebessert wird, sondern viele Toilettennutzer, die bislang wenig Erfolg hatten.

In der Verwaltung des Marktes Berchtesgaden ist man hinter der Sache her, weiß Geschäftsleiter Anton Kurz. Probleme mit dem Schließsystem hat es schon viele gegeben. Derzeit arbeitet der Markt mit der ausführenden Firma an einer Optimierung des Systems. In der Vergangenheit seien mehrfach wesentliche Teile aus der Verankerung gerissen worden. »Die Leute wissen einfach nicht, wie es funktioniert.« Deshalb ist Anton Kurz auch sicher, dass das Türsystem einfacher werden muss. »Bislang ist es eher unbefriedigend.« Kilian Pfeiffer