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»Kopfgeld« für Füchse sorgt für Streit im Landkreis

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Berchtesgadener Land: "Kopfgeld" für Füchse sorgt für Streit im Landkreis BGL
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Dieser Fuchs wurde in Weildorf erlegt. Ob es auch für dieses Tier eine Abschussprämie gab, ist nicht bekannt. (Foto: Tobias Berger)

Berchtesgadener Land – Im Landkreis Berchtesgadener Land streitet man aktuell über Sinn oder Unsinn einer »Fuchsabschussprämie«, die das Landratsamt Berchtesgadener Land auf seiner Homepage ausgeschrieben hatte. Die Kreisjägerschaft begrüßt das »Kopfgeld«, die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland übt dagegen scharfe Kritik.


Etwas Verwirrung hat es auch bezüglich der vom Landratsamt formulierten Begründung gegeben. Zuerst hatte die Behörde die Tollwutgefahr als Grund für die Abschussprämie genannt, dann war es offiziell der Fuchsbandwurm. Nun steht die Prämie möglicherweise schon wieder vor dem »Aus«.

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»Der Begriff Fuchsabschussprämie war nicht gut gewählt«, räumt Andreas Bratzdrum, Pressesprecher des Landratsamtes, ein. Denn eigentlich handele es sich ja nur um einen Betrag von 10,23 Euro, mit dem man dem Jäger die Unkosten für die Entsorgung des Kadavers erstatte. Und weil ja tatsächlich keine Tollwutgefahr mehr besteht, will das Landratsamt die Prämie vielleicht schon wieder abschaffen. »Wir werden bis nächste Woche eine Neubewertung der Situation durchführen«, sagt Bratzdrum.

Die Kreisjägerschaft wehrt sich allerdings gegen die Abschaffung der Abschussprämie. Denn anstelle von Tollwut hießen die Bedrohungen derzeit Fuchsbandwurm, Staupe und Räude, erklärt die Kreisgruppe Berchtesgadener Land im Landesjagdverband Bayern in einer Pressemitteilung.

Der Fuchsbandwurm sei eine für den Menschen potenziell tödliche Erkrankung und bei jedem dritten bis vierten Fuchs nachweisbar. Infektionen bei Menschen würden beim Beeren- und Pilzesammeln auftreten. Und in den Regionen Högl, Ainring, Teisendorf und Weildorf sei derzeit mindestens jeder zweite Fuchs an Staupe und Räude erkrankt. Diese Erkrankungen seien hochansteckend und vor allem für Hunde mitunter lebensgefährlich. Staupe und Räude könnten sich vor allem in Überpopulationen bestens verbreiten und würden so zu einem zunehmenden Problem.

Weiter teilt die Kreisgruppe mit: »Es ist nur gerecht, wenn die Jäger für ihren Dienst an der Öffentlichkeit und der Mitwirkung an der Seuchenkontrolle eine Aufwandsentschädigung erhalten. Nach Abzug der Kosten für das Benzin bleibt hier sowieso kaum noch das Geld für die Munition übrig.«

Anders sieht es die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland, die sich vergangene Woche an Landrat Georg Grabner gewandt und appelliert hatte, die Fuchsjagdprämie umgehend zurückzuziehen und keine falschen Informationen über Füchse zu publizieren. Die Tierrechtsorganisation fordert eine Abkehr von der Abschussprämie und ein Fuchsjagdverbot im Berchtesgadener Land. Deutschland gelte bereits seit 2008 als tollwutfrei, so die Organisation.

Und der Fuchsbandwurm als eine der seltensten parasitären Infektionskrankheiten könne nicht als Begründung für die Massentötungen herangezogen werden. Wissenschaftliche Studien bewiesen außerdem, dass die Jagd den Fuchsbandwurm vielmehr weiterverbreitet und die Infektionsgefahr erhöht, statt den Parasiten einzudämmen – wie es auch bei der mittlerweile durch tierfreundliche Impfköder besiegten Tollwut der Fall gewesen sei. PETA weist darauf hin, dass die Jagd auf Füchse keinerlei regulierende oder reduzierende Auswirkungen auf die Population hat. Verluste würden rasch durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen.

PETA Deutschland ist nach eigenen Angaben mit über 1,5 Millionen Unterstützern die größte Tierrechtsorganisation des Landes und setzt sich durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.

Ulli Kastner