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Kopfstoß und geklautes Handy verkauft

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Berchtesgaden/Laufen – Bier, Jägermeister und Whiskey. »Ziemlich betrunken« sei er beim Kramperllauf am 5. Dezember letzten Jahres gewesen, räumte der 22-jährige Auszubildende ein. Warum er aber dann einem 26-Jährigen einen Kopfstoß und dessen Bruder einen Faustschlag verpasst hatte, vermochte der Berchtesgadener nicht zu sagen. Angeklagt war der junge Mann aber nicht nur wegen Körperverletzung, sondern auch wegen Hehlerei, hatte er doch ein gestohlenes Handy weitergegeben. Die halbjährige Freiheitsstrafe setzte Richter Dr. Karl Bösenecker zur Bewährung aus.


»Mir war klar, dass das Handy geklaut war«, gestand der Lehrling im Laufener Amtsgericht. Ein Kollege hatte ihm das Telefon besorgt und er wollte es aufgrund seiner Schulden als »Pfand« weitergeben. Die Sache im Oktober 2014 jedoch war rasch aufgeflogen, sodass der Angeklagte das Handy zurückgeben und die entsorgte SIM-Karte ersetzen musste.

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Schwerer wog da ein zweiter Anklagepunkt: Beim Berchtesgadener Kramperllauf hatte der 22-Jährige einem Bischofswieser mit einem Kopfstoß die Nase gebrochen und dessen Bruder mit einem Faustschlag gegen die Schläfe verletzt. Warum er das getan habe, konnte der 22-Jährige im Gerichtssaal nicht erklären, er beteuerte, normal nicht zu trinken. Bei den Geschädigten hatte er sich wenig später entschuldigt.

»Es war eine Flasche runtergefallen«, erinnerte sich der 26-Jährige an den Vorfall im Ortszentrum, worauf der Angeklagte die beiden Brüder aufgefordert habe: »Verpisst Euch!« Was die nicht taten, weil sie noch auf einen Freund warteten. »Wir haben uns in die Augen geschaut«, schilderte der 26-Jährige, »und dann kam der Kopfstoß.« Die Nase musste im Salzburger Landeskrankenhaus operiert werden, ist aber folgenlos verheilt. Auch der anschließende Schlag gegen die Schläfe des Bruders, der daraufhin gegen ein Taxi stürzte, blieb ohne dauerhafte Schaden.

Der Lehrling ist kein unbeschriebenes Blatt. Fünf Einträge finden sich im Bundeszentralregister, viermal Diebstahl und einmal die Abgabe von Betäubungsmittel. Nach viermaligen Arbeitsleistungen war der 22-Jährige dafür zu einer Geldstrafe von 150 Euro verurteilt worden.

»Er macht weiter, trotz dieser richterlichen Maßnahmen«, hielt Staatsanwalt Dr. Simon Möbius dem Angeklagten vor. Nicht zuletzt wegen des »brutalen Vorgehens« erachtete Möbius eine Freiheitsstrafe für unerlässlich. Er plädierte auf fünf Monate und eine entsprechende Bewährungsfrist. Daneben sollte der Verurteilte 200 Euro an den Geschädigten zahlen.

»Ich weiß, was ich getan habe«, sagte der Angeklagte reumütig. »Ich hoffe, dass man mir eine Chance gibt, damit ich meine Ausbildung beenden kann.«

Richter Dr. Karl Bösenecker ging noch etwas über das Strafmaß der Staatsanwaltschaft hinaus und entschied auf sechs Monate und eine zweijährige Bewährungszeit. Als »Warnschuss« bezeichnete der Strafrichter diese erstmalige Freiheitsstrafe. Dazu hat der Verurteilte 100 Euro an den Geschädigten zu zahlen. Über die Höhe eines Schmerzensgeldes wird voraussichtlich in einem Zivilverfahren entschieden. Hannes Höfer