weather-image
15°

Krach oder Crash?

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Laut und gefährlich: Einige Anwohner setzen sich deshalb für eine Versetzung des Ortsschildes ein. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Jeden Tag Krach, mehrmals im Jahr kracht's. Die viel befahrene Königsseer Straße ist laut und gefährlich. Sebastian Werner, der am benachbarten Toni-Kurz-Weg wohnt, hat ein paar Ideen, wie man diese Probleme lösen könnte. Doch irgendwie fühlen sich die zuständigen Behörden nicht zuständig.


Hausbesuch bei Familie Werner im Toni-Kurz-Weg. 15 Uhr an einem gewöhnlichen Werktag. Sebastian Werner sitzt auf der Terrasse. Von der Königsseer Straße dringt ein sonores Brummen und Knattern herauf. Meeeehhhh, mööööhhhh. »Ah, ein Motorradfahrer schaltet einen Gang rauf«, lacht der Student. Trotz der neuen Schallschutzwand aus Stein, die dort im Frühjahr installiert wurde, ist es laut. Errechnete 60 Dezibel sind es am Tag, etwa 55 in der Nacht. Die Grenzwerte liegen bei 67 Dezibel am Tag und 57 nachts.

Anzeige

Doch die Königsseer Straße ist nicht nur erwiesenermaßen laut, sondern auch sehr gefährlich. Erst am 14. August hat sich dort ein schwerer Motorradunfall ereignet. Sowohl der Fahrer als auch seine Sozia landeten mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Sebastian Werner war damals Ersthelfer. Knall gehört, sofort geholfen. »Für uns ist das schon fast Routine«, sagt der Student. Ohne Ironie. Bereits Mitte April hat Sebastian Werner über einen Artikel im »Berchtesgadener Anzeiger« von der Lärmaktionsplanung der Marktgemeinde erfahren. Dabei können Anwohner Ideen zur Lärmreduzierung in belasteten Gebieten einreichen. Und zwar nur zur Lärmbekämpfung. Sicherheitsaspekte spielen dabei keine Rolle. Deshalb hat Werner ausführliche Schreiben zusätzlich an die Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt, die Polizei und das Staatliche Bauamt in Traunstein geschickt. Bis auf Baudirektor Martin Bambach, der in Traunstein für den Straßenbau zuständig ist, hat niemand aussagekräftig geantwortet. Wie das Landratsamt auf »Anzeiger«-Anfrage mitteilte, soll es in den kommenden zwei bis drei Wochen eine abschließende Stellungnahme geben.

Dabei hat Sebastian Werner vier klare Vorschläge, wie man den Lärm und die Gefahr auf der Königsseer Straße reduzieren könnte. Der Wichtigste ist die Versetzung des Ortsschildes an die tatsächliche Gemeindegrenze. Und zwar an der Bundesstraße als auch an der Untersteiner Straße. Eine Idee, die auch Marktbürgermeister Franz Rasp gut findet. Nur: Zuständig ist das Landratsamt. Und das hat bereits vor mehreren Jahren – nach einer Stellungnahme des Straßenbauamts – abgelehnt.

Punkt zwei von Werners Vorschlagsliste heißt »Flüsterasphalt«, ein neuer, lärmmindernder Straßenbelag. Das findet auch das Staatliche Bauamt gut, wie es dem Studenten mitteilt. Nur: Wer zahlt? Außerdem verweist das Straßenbauamt auf mehrere Maßnahmen, die auf der Königsseer Straße in jüngster Zeit durchgeführt wurden. Unter anderem die Abbiegespur zum Edeka-Markt und zur Vorderbrandstraße sowie die optische Fahrbahnteilung. Des Weiteren schlägt Sebastian Werner eine optische Verschmälerung der Straße, zum Beispiel durch Blumenbeete, und Geschwindigkeitskontrollen vor. »Ich bin mir sicher, dass man somit den Verkehrsfluss gut steuern kann«, sagt Werner.

Der Schriftverkehr mit den Behörden füllt inzwischen einen Aktenordner. In erster Linie handelt es sich bei Antwortbriefen um Hinhalteparolen und Ausflüchte. Das ärgert Sebastian Werner. Vor allem klare Ansagen des Landratsamtes und von Franz Rasp wären ihm wichtig. Und während der junge Mann weiter wartet, arbeitet die Gemeindeverwaltung die Stellungnahmen in die Lärmaktionsplanung ein. Im Oktober oder November soll das Konzept im Gemeinderat besprochen und dann an die Regierung von Oberbayern weitergeleitet werden. Christian Fischer