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Krähen verfolgen entflohenen Kakadu

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Kakadu Lorenzo sitzt mit Familie Brendel gemeinsam am Tisch, um die Mahlzeiten einzunehmen. (Foto: privat)

Schönau am Königssee – »Er ist ein Teil unserer Familie«, sagt Ulrich Brendel und meint damit seinen schneeweißen Kakadu Lorenzo. Doch derzeit bereitet der Vogel der Familie im Königsseer Ortsteil Schwöb große Sorgen, denn Lorenzo ist entwischt. Die Besitzer konnten beobachten, dass der Salomon-Kakadu in den Laubwäldern entlang der Ache von Krähen gejagt wurde, aber seit Sonntagfrüh fehlt von dem Vogel jede Spur.


Seit einem dreiviertel Jahr »wohnt« der rund einjährige Kakadu bei der Familie Brendel und wird dort wie ein Familienmitglied behandelt. »Lorenzo ist eine richtige Persönlichkeit, er bestimmt unseren Tag«, sagt Ulrich Brendel, Steinadlerexperte bei der Nationalparkverwaltung. So nimmt das Tier sogar gemeinsam mit der Familie am Tisch die Mahlzeiten ein. Dabei sitzt Lorenzo auf einem eigenen Stuhl, an dem eine Stange befestigt ist. Pünktlich um halb acht muss der Kakadu, der ansonsten frei in der Wohnung herumfliegt, dann ins »Bett« beziehungsweise seinen Käfig. Dort wähnte ihn Ulrich Brendel auch, als er am Freitag gegen 14.30 Uhr die Wohnung lüftete. Stattdessen flatterte Lorenzo durch das geöffnete Fenster, um die Umgebung in Schwöb zu erkunden.

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Dass das Leben in Freiheit aber kein Zuckerschlecken ist, musste Lorenzo schnell erfahren. Nachdem der Kakadu von der Thermik in die Höhe gehoben worden war, gingen bereits die Krähen auf ihn los. Sie jagten den Eindringling in Richtung Oberschönau davon, wie Ulrich Brendel beobachten konnte.

Auch am Samstagabend konnte die Familie Brendel ihren Lorenzo noch in der Umgebung sichten, erneut gejagt von den Krähen. Dasselbe Szenario am frühen Sonntagmorgen. »Wir wurden durch lautes Gezeter geweckt und sahen, wie Lorenzo wieder von den Krähen entlang der Wälder oberhalb der Ache gejagt wurde«, sagt Ulrich Brendel. Mehrmals versuchten die Besitzer, das Tier anzulocken, doch ohne Erfolg. Seit Sonntagmorgen fehlt von dem Kakadu jede Spur.

Nun hofft die Familie Brendel, dass Lorenzo die Nähe von Menschen suchen wird, um an Nahrung zu kommen. In einem solchen Fall bittet Ulrich Brendel darum, möglichst schnell benachrichtigt zu werden (Telefon 08652/6553538 oder 0160/90766638). Angst braucht vor Lorenzo übrigens niemand zu haben. »Er ist Menschen gewöhnt und zeigt keine Aggressivität«, sagt Brendel. Anlocken kann man das Tier mit Fleisch genauso wie mit Körnern oder Nüssen. »Ihm schmeckt eigentlich alles«, erklärt Ulrich Brendel. Der wünscht sich nun am allermeisten, dass Lorenzo möglichst bald wieder mit der Familie am Tisch sitzt. Eine besonders große Hendlkeule, die er so liebt, dürfte ihm da sicher sein. Ulli Kastner