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Kräuterbusch'n für die Himmelskönigin

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Ein kleiner Berchtesgadener Hausaltar mit der Darstellung der Krönung Mariens. (Fotos: Schöbinger)
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In die Kräuterbusch'n werden mindestens sieben verschiedene Pflanzen eingebunden. Hier wartet viel Material.

Berchtesgaden – Die katholische Kirche feiert am 15. August das Fest Mariä Himmelfahrt. Dieses Marienfest geht auf Cyrill von Alexandrien zurück, der es im 5. Jahrhundert einführte.


Es ist zugleich das älteste bekannte Marienfest und so darf es nicht verwundern, dass dieser Tag im Volksmund der »Houfrautag« heißt. In den Marienzyklen wird gewöhnlich im Anschluss an die Himmelfahrt Marias die Krönung Mariens zur Himmelskönigin dargestellt.

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Altarbild in der Stiftskirche

Das Bildmotiv der Aufnahme Mariens in den Himmel und ihre Krönung als »Himmelskönigin« ist seit der Barockzeit das typische Motiv für ein Altarbild oder Deckengemälde in Kirchen und Kapellen. Ein großartiges Beispiel hierfür bietet das Hochaltarbild des kaiserlichen Hofmalers Johann von Spillenberger aus dem Jahre 1669 in der Stiftskirche. Das Bild der gekrönten Himmelskönigin entwickelte sich so seit der Gegenreformation im Zuge der vermehrten Marienverehrung zum vorherrschenden Typus eines Marienbildes.

In späterer Zeit wird die Marienkrönung häufig durch die Heilige Dreifaltigkeit im Beisein zahlreicher Engel wiedergegeben. Aber auch als Ausdruck und Zeichen der Volksfrömmigkeit findet man das Bildmotiv wiederholt im privaten, bürgerlichen Raum, wie das kleine Berchtesgadener Hausaltärchen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts anschaulich zeigt. Es ist schwarz gefasst und vergoldet, mit Sprenggiebel und seitlichen Ornamenten und im Rundbogen befindet sich ein fein gestaltetes Tafelgemälde mit der Darstellung der Marienkrönung durch die göttliche Dreifaltigkeit. Der unbekannte Maler hat selbstverständlich nicht auf die obligaten Engel verzichtet. Wie viele Gebete oder Stoßseufzer wurden wohl im Laufe der Jahrhunderte vor diesem Hausaltar zu Maria der Himmelskönigin gesandt? Wir wissen es nicht.

Brauchtumspflege

Der hohe Marienfeiertag ist bekanntermaßen mit einer intensiven Brauchtumspflege verbunden. Die Legende erzählt, dass die Jünger Jesu das Grab der Gottesmutter Maria öffneten und darin nicht mehr Marias Leichnam, sondern »wunderbarer Kräuter- und Blütenduft« soll das leere Grab Mariens erfüllt haben. In Erinnerung daran, wird der Brauch der Kräuterweihe seit Jahrhunderten an Maria Himmelfahrt vorgenommen.

Dabei werden die Sträuße aus sieben verschiedenen Kräutern gebunden, wobei die Zahl für die sieben Sakramente steht beziehungsweise die sieben Schmerzen Marias symbolisieren. Die Anzahl der Kräuter und Blumen kann auch höher sein. Die geweihten Sträuße, im Haus aufgehängt, schützen dieses und seine Bewohner vor Unglück wie Blitzschlag und Feuer oder vor anderem Unheil und Krankheiten. Johannes Schöbinger