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Krasser Kas

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Ein Stillleben, heimlich fotografiert: Beleuchtungstechnik im Hof des »Bräustüberls«. (Foto: Tessnow)

Berchtesgaden – Ein gewaltiger Aufwand wurde für einen kleinen Käsewerbespot in Berchtesgaden betrieben. Am Mittwoch musste dafür tagsüber extra der Weinfeldweg gesperrt werden. Gerne hätte der »Berchtesgadener Anzeiger« eine Reportage über die Dreharbeiten gemacht. Zunächst gab es dafür auch eine Zusage. Doch dann kam der Reporter in Bedrängnis.


Verboten. Mitarbeiter schirmten den Drehort hermetisch ab. Auch über sämtliche Hintergrundinformationen schwieg sich das Team auf Nachfrage aus. Sowohl die Produktionsfirma als auch die Produzenten wollten weder namentlich erwähnt noch abgelichtet werden. Die dortigen Dreharbeiten dokumentieren? Ebenfalls keine Chance. Wenn alles verboten ist, bleibt nicht viel für einen Artikel übrig. Der Reporter ging der Geheimniskrämerei aber nach und vereinbarte einen weiteren Termin am folgenden Drehtag im »Bräustüberl«. Auch der platzte.

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Die Natur um Berchtesgaden ist verlockend schön. Unzählige Male dienten die Sehenswürdigkeiten aus allen Winkeln als optimale Kulisse für TV-Spielfilme, Serienproduktionen, Literaturverfilmungen oder Werbelogos. Filmteams weltweit suchen sich seit Jahrzehnten den Talkessel aus, um ihr Produkt oder Reiseangebot zu pushen. So auch ein Wiener Filmteam, das in dieser Woche einen Käsewerbespot am Mitterweinfeld und im »Bräustüberl« drehte. Das Pikante an der Käsewerbung war, dass der Clip für den russischen Markt produziert wurde. Almkäse in Kyrillisch.

Großaufgebot an Technik

Die Produktionsarbeiten beanspruchten bereits am Mittwoch das Gebiet um das Mitterweinfeld. Das hat nicht jedem Anwohner gefallen. Laut Auskunft der Polizei gingen aber keine Beschwerden ein. Schon in der Früh ging es an der Kirchleitnkapelle unterhalb des Locksteins los. Traumhaftes Wetter war angesagt. Bergidylle wie bei den »Panoramabildern«. Also raus und drehen. Das Erwachen des Frühlings war schnell im Kasten. Dafür bedurfte es allerdings eines Großaufgebotes an Technik, Lkw-Fuhrpark sowie rund 60 Mitarbeitern inklusive Darstellern. Die kamen aus dem Salzburger Land und Tirol. In drei Szeneabläufen wurde der Werbeclip gedreht, welcher ab September zu sehen ist. Wo? Fragezeichen. Für den russischen Markt, hieß es lediglich. Die Produzenten verweigerten jegliche Informationen über den Auftraggeber sowie das Käseprodukt

Das war auch am Folgetag im »Bräustüberl« nicht anders. Leider kam es seitens der Produktionsfirma nicht zum versprochenen Fotoshooting im »Bräustüberl« mit anschließendem Interview. Der Mitarbeiter des »Berchtesgadener Anzeigers« wurde hinauskomplimentiert. Grund: Nicht das kleinste Detail sollte für die Werbekonkurrenz sichtbar sein.

Die »Malztenne« und der »Sternensaal« waren komplett ausdekoriert. Die Darsteller sah man im bäuerlichen Gewand. Wer schnell einen Blick durch die Fenster werfen konnte, entdeckte das Ambiente einer Käserei. Im Innenhof standen viel technisches Gerät, aufwendige Beleuchtungsapparaturen und diverse installierte Strahler, um jeden Winkel der Räumlichkeiten gewünscht anzustrahlen und das Produkt in Szene zu setzen.

Noch schöner als im Allgäu

Der Produkthersteller sitzt laut Homepage im Allgäu. Das ist eigentlich schön genug für eine Bergweltkulisse. Aber gedreht wurde dennoch in Berchtesgaden. Da ist es halt noch schöner. Am allerschönsten ist es jedoch auf den Internetseiten des nicht zu nennenden Unternehmens. Dort findet man natürlich nur fröhliche Gesichter. Meist Frauen, vital und familienkompatibel. Heile Welt komplett. Und will man den Hersteller kontaktieren, erfährt man Folgendes: Nach Ausfüllen eines Kontaktformulars – 1 000 Zeilen stehen zur Verfügung – folgt ein Hinweis: »Ihr seht kein grünes Häkchen im Captcha? Dann einfach in das Kästchen klicken!« Da steht dann: »Ich bin kein Roboter«. Das kann man dann ankreuzen. Wenn man will. Jörg Tessnow

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