weather-image

Krautkaser sorgt für Zwist

4.3
4.3
Bildtext einblenden
Die Meinungen über den Betrieb des Trainingszentrums am Krautkaser gehen weiterhin auseinander. Richard Lenz sagt: »Es sind gravierende Fehler gemacht worden.« Bürgermeister Stefan Kurz kontert: »Alles Lüge«. Foto: BBAG

Schönau am Königssee – Der Jenner entwickelt sich immer mehr zum Wahlkampfthema. Zwischen Bürgermeister Stefan Kurz und Bürgermeisterkandidat Richard Lenz (Freie Wähler) kam es am Dienstag im Gemeinderat Schönau am Königssee zu einem heftigen Schlagabtausch. Dabei ging es vor allem um die Umsetzung des DSV-Trainingszentrums am Krautkaser.


Anlass für den Zorn des Bürgermeisters war ein Artikel über eine Wahlkampfveranstaltung der Freien Wähler in Unterstein (Dienstagausgabe). Darin hatte Lenz den Verantwortlichen Fehler bei der Realisierung des Projektes und beim Betrieb des Trainingszentrums vorgeworfen.

Anzeige

Bürgermeister Stefan Kurz verwies am Dienstag darauf, dass Bund und Land zu diesem Projekt immerhin 4,3 Millionen beigesteuert hätten. »Das sind halt Investitionen für Trainingszwecke und deshalb muss der Hang öfters gesperrt werden«. Dazu komme heuer noch die schwierige Schneesituation, die eine Nutzung für den Normalskifahrer zusätzlich erschwere. »Nicht einmal die Hälfte des Krautkaserfeldes konnte heuer präpariert werden«, erklärte Kurz. Der wies auch den Vorwurf zurück, man habe bei der Planung der Bergstation Fehler gemacht. Schließlich habe damals ein Ingenieurbüro festgestellt, dass ein Bau der Bergstation oberhalb des Hohlwegs aus technischen Gründen nicht möglich sei. Vorher sei dies ja auch der Wunsch der Gemeinde gewesen. Und schließlich konnte der Rathauschef den Vorwurf, dass es in der Talstation der Krautkaserbahn keinen Wasser- und Kanalanschluss gebe, nicht verstehen. »Das war niemals geplant und wäre ja ein enormer Aufwand gewesen«.

Und dann kam Bürgermeister Kurz auf den »Gipfel der Vorwürfe« zu sprechen: dass in der neuen Beschneiungsanlage die Kompressoren fehlen würden und deshalb nicht alle Pisten gleichzeitig beschneit werden könnten. Der Bürgermeister: »Das Stimmt nicht. Alle neueren Beschneiungsanlagen bis hinunter ins Tal können gleichzeitig betrieben werden«. Probleme gebe es lediglich bei den alten Anlagen im oberen Bereich, weil dort damals nur eine punktuelle Beschneiung genehmigt worden sei.

»Alle Mitarbeiter der Jennerbahn bemühen sich zurzeit enorm, obwohl die Verhältnisse sehr schwierig sind«, sagte Stefan Kurz. So fahre man zum Beispiel nachts Schnee in den unteren Pistenbereich, damit der Skilauf bis ins Tal in den Faschingsferien noch gesichert sei. Immerhin räumte der BBAG-Vorsitzende auch einige Fehler ein: So hätte man am Krautkaserfeld die Vereisungsfläche seitlicher anlegen sollen. Dann wäre der verbleibende Pistenteil von den Normalskifahrern nutzbar gewesen. »Aber das sind Erfahrungswerte. Wir werden daraus lernen«.

Richard Lenz zeigte sich unbeeindruckt und blieb bei seiner Meinung: Man habe von BBAG-Mitarbeitern persönlich erfahren, dass der Druck des Zentralkompressors nicht ausreicht, um alles gleichzeitig zu beschneien. Dabei hätte man die Möglichkeit gehabt, die neuen Schneekanonen mit Kompressoren auszustatten. Auch bekräftigte Lenz seinen Vorwurf, dass die Bergstation oberhalb des Krautkaserwegs besser aufgehoben wäre. »Schließlich waren für die Bergstation in der aktuellen Lage erhebliche Gründungsarbeiten notwendig«.

Dass es keine gute Idee sei, den Jenner als Wahlkampfthema zu verwenden, kritisierte Josef Springl (CSU) mit Blick zu Richard Lenz. Der gab zu verstehen, dass er dem Krautkaserprojekt immer zugestimmt habe. Doch nun sei er halt der Ansicht, dass man einiges hätte besser machen können – vor allem mit Rücksicht auf den Normalskifahrer. Bürgermeister Kurz blieb dabei: »Alles Lüge«. Ulli Kastner