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Krautkaserprojekt beginnt mit Rodung

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Alpine Rennläufer fanden schon bislang am Krautkaser ideale Trainingsbedingungen vor. Ab dem nächsten Winter sollen sie noch deutlich besser werden. Das Krautkaserprojekt, in dessen Rahmen ein DSV-Trainingszentrum entstehen soll, beginnt in den nächsten Tagen mit den Rodungsarbeiten. Foto: Anzeiger-Archiv/cw

Schönau am Königssee - Mit dem Beginn der Rodungsarbeiten zwischen dem Krautkaserhang und dem alten Beschneiungsteich wird in den nächsten Tagen am Jenner der Startschuss für das Krautkaserprojekt fallen. Dort wollen die Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG), der Deutsche Skiverband (DSV) und die Gemeinde Schönau am Königssee für insgesamt 6 460 000 Euro gemeinsam ein Trainingszentrum für Ski alpin, Boardercross und Skicross errichten. Zeitgleich mit dem Projektauftakt wurde jetzt klar, dass die Gemeinde nicht mit einer Senkung ihres 2-Millionen-Euro-Anteils durch den Einstieg von Privatinvestoren rechnen kann.


Irgendwann in den nächsten Tagen werden die Motorsägen im Krautkaserbereich zum Einsatz kommen. Die Schneesituation macht es derzeit möglich - und das will man nutzen. Vor allem aber geht es darum, die Fällarbeiten während der vegetationsarmen Zeit durchzuführen. Denn wenn erst die Vögel brüten, sind Rodungsarbeiten nicht mehr erlaubt. Dann müsste man eine längere Pause einlegen, was wiederum den engen Zeitplan durcheinander bringen könnte.

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Eigentlich hätten die Bäume unterhalb des Krautkaserhangs und entlang des alten Schlepplifts schon im Herbst entfernt werden sollen. Doch die seilbahnrechtliche und die wasserrechtliche Genehmigung des Projekts liegt erst seit Ende Dezember vor. So muss es nun schnell gehen, denn immerhin will man zum 1. November fertig sein.

Den Zuschlag für die Rodungsarbeiten bekam ein Holzfäller aus Großarl. »Der hat das günstigste Angebot abgegeben«, sagt Geschäftsleiter Hannes Rasp von der Gemeindeverwaltung Schönau am Königssee. Die Bäume werden vorsortiert und wohl den Winter über liegen bleiben. Erst im Frühjahr soll der Abtransport erfolgen.

Und wenn der Schnee erst weg ist, soll es Schlag auf Schlag gehen. »Bautechnisch ist es aber nicht mehr das große Problem, das muss bis Herbst locker hinzubekommen sein«, sagt Jennerbahn-Betriebsleiter Wilfried Däuber. Und fügt an: »Die viel größere Hürde sind bei solchen Projekten die langwierigen Genehmigungen«.

54 kuppelbare Vierer-Sessel ohne Wetterschutzhaube werden die Skifahrer ab der nächsten Wintersaison von der zu bauenden Talstation über den Krautkaserhang am Jenner zu der 346 Meter höher liegenden Bergstation am Hohlweg bringen. Die Fahrzeit auf der 989 Meter langen Seilbahn wird 3,63 Minuten betragen, woraus sich eine Förderleistung von 1 800 Personen pro Stunde ergibt.

Zum Projekt gehört die Erweiterung der Beschneiungsanlage genauso wie verschiedene Pistenkorrekturen für Boardercross und Skicross im unteren Teil des Krautkaserhangs und für eine Buckelpiste, die anstelle des Waldstreifens zwischen altem Schlepplift und Krautkaserhang angelegt wird. Der 1963 errichtete Lift wird abgebaut, die Talstation soll für die Lagerung von Geräten erhalten werden. Bestehen bleiben soll auch das SKB-Zielhaus unterhalb des Krautkaserhangs. Zur Verlängerung der Skiabfahrt bis zur künftigen Talstation unterhalb des alten Beschneiungsweihers sind die jetzt anstehenden Rodungen notwendig.

Derzeit geht man von Gesamtkosten in Höhe von 6 460 000 Euro aus. Die BBAG hatte zur Finanzierung eine Kapitalerhöhung um 2 Millionen Euro beschlossen. Die entsprechenden Aktien wollte die Gemeinde zusammen mit potenziellen Investoren kaufen, um die Gemeindekasse zu entlasten. Diesen Plänen machte der Freistaat Bayern jetzt aber einen Strich durch die Rechnung. Der Freistaat will nämlich seinen zugesagten Zuschuss in Höhe von 2,1 Millionen Euro nur auszahlen, wenn die Gemeinde die von ihr zugesagten 2 Millionen Euro aus eigener Tasche investiert.

Weil Bürgermeister Stefan Kurz aber nach eigenen Angaben Investoren an der Hand hat, die sich an der Kapitalerhöhung beteiligen wollen, schwebt dem Rathauschef eine Finanzierungsänderung vor. So schlägt er vor, dass die Gemeinde neben dem Anteil an der Kapitalerhöhung auch einen Zuschuss an den Breitensport gewährt, weil die Anlage auch von Normalskifahrern zu nutzen ist. Das würde allerdings bedeuten, dass die Gemeinde tatsächlich mit 2 Millionen Euro einsteigt, was man eigentlich vermeiden wollte. Wie die Gemeinderäte die Sache sehen, war bis Redaktionsschluss nicht klar. Das Gremium sprach darüber gestern Abend in nicht öffentlicher Sitzung. UK