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Kressenfeld im Kreuzfeuer

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Rudi Zeughan präsentierte ein aus seiner Sicht fehlerhaftes Verkehrsgutachten. Fotos: Anzeiger/kp
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Bauwerber Michael Lichtmannegger hatte es mit viel Kritik zu tun.

Bischofswiesen - 14 Ein- und Zweifamilienhäuser sollen auf das Kressenfeld: »So nicht«, sagt die Bürgerinitiative, die sich gegen das Projekt formiert hat und nach deren Auffassung das eingeleitete Bauleitplanverfahren im Außenbereich unverzüglich wieder eingestellt werden muss. Bei einer Diskussion der Bürgerinitiative im Gasthaus »Brennerbräu« stellte sich Bauwerber Michael Lichtmannegger den Fragen und der Kritik der Baugegner.


Stichtag ist der 25. November. Dann sind die Bischofswieser zum Bürgerentscheid aufgerufen. Per Unterschriftenliste hatten sich in den letzten Wochen über 1 100 Bürger gegen den Bau ausgesprochen. Die Versammlung der Bürgerinitiative, angeführt von Klaus Gerlach, war deshalb gut besucht.

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Gerlach, der 46 Jahre in Bischofswiesen gewohnt hatte, ist sicher, dass seine Initiative einen Erfolg einfahren wird. Zahlreiche Gründe sprechen seines Erachtens dafür, dass das Bauleitplanverfahren eingestellt werden muss.

Verstoß gegen die Baugesetze

So verstoße dieses gegen die Grundsätze des Baugesetzbuchs, wonach ortsplanerische Gründe und vor allem ein öffentliches Interesse für eine Ausweisung von Bauland zugrunde gelegt werden sollen. In Lichtmanneggers Fall wolle der Bauwerber aber mit dem Erlös aus dem Baulandverkauf lediglich ein persönliches Interesse befriedigen, um langfristig den landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb zu sichern.

»Ein neues Baugebiet darf nur in Anbindung an bestehende Siedlungskerne entstehen«, sagte Gerlach weiter. Darüber hinaus gebe es in Bischofswiesen keinerlei Bedarf an frei stehenden Ein- und Zweifamilienhäusern. Gebiete, wie das bereits bestehende Datzmannfeld, ließen noch Raum für Häuser.

»Uns ist schon klar, dass es nirgends so schön ist wie beim Kressenfeld«, sagte Gerlach. Aber genau aus diesem Grund sei der Erhalt der Landschaft - »vor allem für unsere tourismusgeprägte Landschaft« - unverzichtbar.

»Rücksicht auf folgende Generationen«

Ein Unding sei die Versiegelung der eigenen Heimat. »Aus Rücksicht auf folgende Generationen darf das einfach nicht passieren«, so Gerlach, der immer wieder von kräftigem Applaus Rückhalt aus den eigenen Reihen erntete.

Problematisch sei das Bauvorhaben, das vom Bischofswieser Gemeinderat grünes Licht erhalten hatte, auch deshalb, weil die Baugrundstücke in direkter Nähe zu landwirtschaftlich und naturschutzrechtlich wertvollen Flächen am Rande des Schutzgebiets Böckl- und Dachlmoos liegen.

Schlechtes Verkehrsgutachten?

Ein Punkt, der bei den Anwesenden wütende Reaktionen hervorrief, war die Vorstellung eines Verkehrsgutachtens, dass der Bauwerber Michael Lichtmannegger bei einem Ingenieurbüro in Auftrag gegeben hatte.

»Eine absolute Frechheit«

Denn die Erschließung des Baugebiets würde über den Hochmoorweg erfolgen, eine Straße mit überschaubarer Breite. Rudi Zeughan, Anwohner des Hochmoorwegs, zeigte sich als absoluter Gegner des Projektes. Das Verkehrsgutachten, das er der Öffentlichkeit präsentierte, sei eine »absolute Frechheit«, weil es von Tatsachen abweiche. »Ich habe das alles nachgemessen«, so Zeughan, der zahlreiche Bildbeweise lieferte.

So sei es laut Gutachten möglich, dass selbst Lastkraftwagen im Begegnungsverkehr bei langsamer Fahrt aneinander vorbeikämen. »Daran ist nicht zu denken«, so Zeughan. Der Hochmoorweg ist 500 Meter lang, wurde einspurig gebaut und bietet insgesamt nur zwei Ausweichen. »Wer dort regelmäßig unterwegs ist, weiß, dass selbst Autos Probleme haben, aneinander vorbeizukommen«.

»Das ist nicht wahr«

Noch viel problematischer werde die Angelegenheit im Winter. Zeughans Hinweis, ein Straßenausbau würde von den Bischofswieser Gemeindebürgern getragen werden müssen, wurde von Lichtmannegger abgeschmettert. »Das ist nicht wahr«, sagte dieser und musste sich deutlicher Kritik stellen.

Unangenehm wurde es, als ein Unterstützer der Bürgerinitiative frech in den Saal plärrte und Lichtmannegger mit unqualifizierten Wörtern konfrontierte (»Das ist eine Schweinerei«), bis Klaus Gerlach einschritt.

Regierungsbaumeister Georg Renoth sagte in seinem Impulsreferat, dass mit einer solchen Baulandausweisung Präzedenzfälle geschaffen würden. Das sei in jedem Fall zu vermeiden. Der Erschließungsaufwand dürfe nicht auf Kosten Benachbarter erfolgen.

Sowohl Wolfgang Fegg als auch Sepp Stanggassinger zeigten sich als Gegner des Vorhabens: »Das Straßengutachten ist fehlerhaft und außerdem gibt es bereits ausreichend Flächen für Ein- und Zweifamilienhäuser«.

»Bedarf an Bauland eindeutig«

Bauwerber Lichtmannegger sagte, dass alles seinen rechten Weg gegangen sei. Sowohl das Landratsamt als auch der Gemeinderat hätten sich zum Projekt positiv geäußert. Der Bedarf an Bauland sei eindeutig vorhanden.

Außerdem würde auch eine zukünftige Baulandausweisung auf landwirtschaftlichem Grund erfolgen. »Den Gemeindebürger würde mein Vorhaben rein gar nichts kosten«, so Lichtmannegger. Entweder sei man für den Neubau oder dagegen. »Sagt doch einfach, dass Ihr nicht wollt, dass ich baue. Aber macht es doch nicht auf diesem Weg«. kp

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