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Kurdirektion verspricht Niveau-Maßnahmenpaket

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Ein Maskenball, der eine Sado-Maso-Party war, hat hier Mitte Juni im Königlichen Kurhaus stattgefunden, CSU-Frau Michaela Kaniber ist empört. Foto: Anzeiger/Hudelist

Berchtesgaden/Reichenhall – Eine Sado-Maso-Party im Königlichen Kurhaus Bad Reichenhall empört CSU-Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber. In einem Interview mit der »Südostbayerischen Rundschau« sprach sie davon, dass das Haus jetzt »entweiht« sei. Unaufgeregter und toleranter sind hingegen die Kommentare auf zahlreichen Facebook-Seiten, von »die Welt hat Sorgen« bis »sollen froh sein, dass es Leute gibt, die dort Feste feiern wollen« reicht die Meinung der User. Tatsächlich aber haben auch andere Häuser ein »Problem« mit Fetisch-Partys, »eine solche Feier würden wir bei uns ablehnen«, so zum Beispiel Sabine Schwaiger vom Salzburger Kongresshaus. Auch das Kongresshaus Berchtesgaden würde SM-Partys nicht durchführen »da hätten wir Probleme mit der Bevölkerung«, so Hausleiter Sepp Wenig.


Gabriella Squarra als Kurdirektorin rechtfertigt die Veranstaltung mittlerweile so: »Das Königliche Kurhaus wurde von einer Veranstaltungsagentur unter dem Betreff ‚Maskenball für Erwachsene’ als nicht öffentliche Veranstaltung erstmals gebucht«. Bei den Vertragsverhandlungen sei kein fragwürdiger Aspekt der Veranstaltung ersichtlich gewesen. Squarra will bei der nächsten Gesellschafterversammlung allerdings ein Maßnahmenpaket vorstellen.

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»Gott sei Dank noch keine Anfrage«

Das Kongresshaus Berchtesgaden hat nach Auskunft von Hausleiter Sepp Wenig bisher noch keine einschlägigen Anfragen erhalten. »Wenn Anfragen von unbekannten Veranstaltern kommen, prüft unsere Veranstaltungsleiterin das ganz genau«, so Wenig, »sollte es eine Veranstaltung sein, die nicht zu uns passt, sagen wir ab«. Eine Sado-Maso-Party im Kongresshaus kann sich Wenig auf keinen Fall vorstellen, »weil es da sicher Probleme mit der Bevölkerung gibt«. Solche Feiern passen seiner Meinung nach nicht in die Region, »wir hatten Gott sei Dank noch keine entsprechende Anfrage«.

Niveau-Klausel im Kongresshaus Salzburg

Auch im Salzburger Kongresshaus ist eine Sado-Maso-Party nicht erwünscht, denn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist unter Punkt 17 das »Niveau der Veranstaltung« genau definiert. Dort heißt es konkret: Die Ausstattung und Durchführung der Veranstaltung oder die Tätigkeit, die zur Erzielung des Vertragszweckes dient, muss dem Niveau und dem Ansehen des Hauses entsprechen. »Eine Fetisch- oder Sado-Maso-Veranstaltung würden wir ablehnen, weil es eben nicht in unser Haus passt. Da sind wir sehr konservativ«, so Marketingleiterin Barbara Schwaiger. Eine Tattoo-Messe hätte allerdings schon einmal im Kongresshaus stattgefunden. Generell gäbe es aber einige Veranstaltungen, bei denen die Entscheidung eine Gratwanderung sei. Auch bei esoterischen Veranstaltungen oder bei Finanzdienstleistern werde zum Beispiel genau geprüft, ob die Veranstaltung das Haus mieten darf.

»Wenn ein Veranstalter einen Maskenball ankündigt, haben sie aber wenig Chance, im Vorfeld zu erkennen, dass es sich um eine Fetisch-Party handeln könnte.« Ausgeschlossen sind übrigens auch extremistische Veranstaltungen, »hier können wir sogar kurzfristig, also auch während der Veranstaltung, vom Vertrag zurücktreten«, so Schwaiger. Michael Hudelist