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Elf Gemeinden machen mit, eine überlegt noch, zwei sind bisher dagegen

Landkreis will Gartenabfälle zentral verwerten

Gewerbliche Hausmeister wie Kreisrat Tilo Schöne profitieren vom neuen Konzept des Landkreises, denn sie dürften Gras von privaten Grundstücken in Zukunft kostenlos entsorgen. (Foto: Hudelist)

Bad Reichenhall – Das System der 15 unterschiedlichen Müllsammelsysteme soll ein Ende haben, zumindest bei Gras, Laub und anderen Gartenabfällen. Ab 1. Januar will der Landkreis das Verwerten dieses Grüngutes zentral übernehmen, für private Haushalte soll es kostenlos bleiben. Bisher haben fast alle Gemeinden zugestimmt, Freilassing überlegt noch, nur Laufen und Schneizlreuth haben sich dagegen entschieden. Die Grünen im Landkreis sind ebenfalls gegen das zentrale Sammeln von Grünzeug, denn eigentlich müsste sich der Landkreis um alle Bioabfälle kümmern und nicht nur um die Gartenabfälle. Glücklich ist hingegen Kreisrat Tilo Schöne von den Republikanern, er ist gewerblicher Hausmeister und darf in Zukunft sein Grüngut kostenlos entsorgen, sofern es von privaten Grundstücken kommt.


Im Umweltausschuss des Kreistages wurde am Montag das neue Grünabfall-Management mehrheitlich beschlossen, es soll ab Januar nächsten Jahres greifen. Es sieht vor, dass private Haushalte ihre Gartenabfälle kostenlos und ohne Mengeneinschränkung in die bekannten Wertstoffhöfe anliefern dürfen, die Kosten für den Abtransport und die weitere Verwertung übernimmt der Landkreis. Anders bei gewerblichen Gartenabfällen, diese müssen weiterhin bei den gewerblichen Verwertern abgeliefert werden.

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Der Landkreis wird den Transport und das Verwerten ausschreiben und auch die Kosten dafür übernehmen, diese allerdings in die Müllgebühren des Landkreises einrechnen. Trotzdem sollen die Gebühren gleich bleiben, die der Landkreis an die Kommunen weiterverrechnet. Daneben will der Landkreis auch die Personalkosten in den Wertstoffhöfen für maximal zwölf Stunden übernehmen. Wie hoch der Betrag sein wird, den der Landkreis hier vorfinanzieren muss, ist noch unklar. Der Landkreis rechnet damit, dass im Jahr rund 3 000 bis 3 500 Tonnen Grüngut anfallen. Die EU-weite Ausschreibung soll so erfolgen, dass keiner der Wertstoffhöfe umgebaut werden muss, der Abfallberater des Landkreises, Gerhard Dinkel, geht davon aus, dass auch eine heimische Arbeitsgemeinschaft gute Chancen hätte.

Grüngut ja, Biotonne nein

Landrat Georg Grabner sieht die Vorteile vor allem in der Harmonisierung des Erfassens und des Verwertens von Grünabfällen. »Bisher gibt es unterschiedliche Systeme in den Gemeinden, das reicht von einer Mengenbegrenzung bis zu keinem Limit«, so Grabner. Auf die Frage, warum dann nicht gleich die Biotonne eingeführt wird, antwortete Grabner, dass dies die Mehrheit des Kreistages bekanntlich wegen zu hoher Kosten abgelehnt habe. Dass die Stadt Laufen und die Gemeinde Schneizlreuth sich bisher dagegen ausgesprochen hätten, läge auch daran, dass nicht klar war, dass der Landkreis auch die Personalkosten für den Wertstoffhof für maximal zwölf Stunden übernimmt. »Wenn die zwei Gemeinden bei ihrem Nein bleiben, müssen sie selbst dafür sorgen, dass das Grüngut gesammelt und verwertet wird«, so Grabner.

Grüne gegen Landkreis-Sammeln

Bernhard Zimmer vom Bündnis 90/Die Grünen erinnerte daran, dass der Landkreis ab 1. Januar 2015 alle Bioabfälle sammeln müsste, so sehe es ein entsprechendes Bundesgesetz vor. Dieses Gesetz sieht allerdings Ausnahmen vor, wenn das Sammeln nicht wirtschaftlich oder nicht zumutbar ist. »Da der Landkreis das Sammeln von Bioabfällen an die Kommunen delegiert hat, ist für diese das Einführen einer Biotonne natürlich nicht wirtschaftlich durchzuführen«. Wenn sich der Landkreis jetzt um Gartenabfälle kümmern will, würde eine Art »Hybrides System« eingeführt, »wir halten das für nicht zielführend«, so Zimmer, »einen Teil nehmen wir als Landkreis jetzt heraus und darum kümmern wir uns, um den Rest nicht«.

Spezielle Regel für gewerbliche Hausmeister

Persönlich betroffen von der geplanten, neuen Regel ist auch Kreisrat Tilo Schöne von den Republikanern, der einen Hausmeisterservice in Bad Reichenhall betreibt. »Bisher war es so, dass ich Gras von privaten Anlagen trotzdem nur gewerblich abliefern durfte.« Das Entsorgen eines Kubikmeters kostet 13,50 Euro, die monatlichen Kosten in Höhe von 300 bis 400 Euro hat er an die Hausgemeinschaften weitergegeben. »Ich habe daraufhin einen Antrag eingebracht und gefragt, ob nicht das gemähte Gras von privaten Grundstücken kostenlos abgegeben werden kann, so als ob es ein Privater selbst zum Wertstoffhof auf den Volksfestplatz bringt«, so Schöne. Tatsächlich hat die Verwaltung diese Hausmeisterservice-Regel in das geplante Konzept eingebaut. In der Praxis werden Schöne und andere, gewerbliche Hausmeister beim Anliefern von Gras und Grüngut schriftlich bestätigen müssen, dass es von privaten Grundstücken kommt. Michael Hudelist