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Landserhefte und Volksmusik

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Bischofswiesen/Laufen – Die drei Landserhefte kosteten regulär 7,89 Euro. Die CD mit Volksmusik war mit 4,99 Euro ausgezeichnet gewesen. Im April und im Juni 2015 hatte ein 71-jähriger Rentner aus Bischofswiesen die Waren aus einer Buchhandlung und aus einem Drogeriemarkt mitgenommen. Und beide Male nicht bezahlt. Weil der Mann ein Wiederholungstäter ist, muss er nun tiefer in die Tasche greifen. Das Laufener Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 1 200 Euro.


»Ich beobachte den Mann schon länger«, berichtete die 43-jährige Buchhändlerin aus Berchtesgaden im Zeugenstand. Vor einem Jahr schon habe der Angeklagte einen Kalender unter seine Jacke geklemmt. Darauf angesprochen, habe er sein Vorgehen mit einer Behinderung begründet. »Er ist immer lange im Laden«, erzählte die Filialleiterin. Im April habe er sich eine Bildzeitung gekauft und sei damit zu einem wenig einsehbaren Bereich gegangen, wo er die drei Landserhefte einsteckte. »Er hat das gleich zugegeben«, schilderte die Zeugin, »einen Grund hat er nicht genannt«.

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Einen solchen konnte er auch im Gerichtssaal nicht benennen. »Irgendwas rastet da bei mir aus«, versuchte er eine Erklärung, »ich hab's liegen sehen, die Überschrift gelesen und die Hefte eingesteckt.« Der Preis sei eigentlich eine »Bagatelle« gewesen, den er leicht hätte zahlen können.

Keine zwei Monate später hatte der Rentner in einem Bischofswieser Drogeriemarkt eine CD eingesteckt. »Die hat mir gefallen. Ich höre gerne Volksmusik«, begründete er seine Wahl. In diesem Fall hatte ihn eine 30-jährige Verkäuferin beobachtet. »Mir war der die ganze Zeit schon komisch vorgekommen«, erinnerte sich die Frau. Als der Mann dann die CD in seine Jacke gesteckt habe, sei sie ihm hinterhergelaufen und habe ihn angehalten.

Der Landgerichtsarzt attestierte dem Rentner eine depressive Störung, nicht jedoch weitergehende Störungen oder gar Abartigkeiten. Einen »dementiven Abbau« wollte der Psychiater und Gutachter nicht ausschließen.

Zwei Einträge hat der Rentner bereits im Bundeszentralregister. Im Juli 2013 hatte er Tabak im Wert von 5,60 Euro aus einem Rewe-Markt mitgenommen, ein halbes Jahr später Tabak, eine CD und Kaugummi im Gesamtwert von 16,99 Euro aus einem anderen Markt.

»Auffallend ist die Rückfallgeschwindigkeit« fasste Staatsanwältin Julia Fetschele zusammen, weshalb die damals verhängten Geldstrafen von fünf beziehungsweise 15 Tagessätzen nun deutlich höher ausfallen müssten. Sie plädierte auf 90 Tagessätze zu je 25 Euro.

»Es tut mir leid, ich verstehe das selber nicht«, sagte der Rentner in seinem Schlusswort und versprach, es würde nie wieder vorkommen. Auf die einschlägigen Vorstrafen verwies ebenso Richter Dr. Karl Bösenecker, und darauf, dass der Bischofswieer nur wenige Wochen nach seinem Ertappen erneut zugegriffen habe. Bösenecker mochte den Einfluss einer Depression nicht ausschließen und entschied auf 80 Tagessätze zu je 15 Euro. Er mahnte den Rentner: »Irgendwann muss Schluss sein. Beim nächsten Mal droht eine Freiheitsstrafe.« Hannes Höfer

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