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Lasst die Gläser schwingen

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Foto: Anzeiger/B. Stanggassinger

Berchtesgaden – Der Schäfflertanz hat in der Region eine lange Tradition und bringt den Zuschauern zuverlässig gute Unterhaltung. Mancher mag bedauern, dass die Tänze nur in einem Zyklus von sieben Jahren aufgeführt werden. Nun sind diese sieben Jahre (fast) um oder sie beginnen von Neuem. Genau weiß man es nicht. Jedenfalls werden die Schäffler im dann schon ausgehenden Winter wieder in Erscheinung treten. Ein erster Auftritt ist für den 22. Februar 2019 geplant, hauptsächlich aber ziehen die Schäffler vom 1. bis zum 5. März 2019 ihre Runden.


Dann sind sie wieder zu sehen, die lustigen Gesellen mit ihren hellroten Jacken, schwarzen Kniehosen, weißen Strümpfen, schwarzen Allgäuer-Schuhen mit Metall-Schnallen. Alles muss stimmen. Der Lederschurz mit Wappenschild, ein schwarzes Pestband quer über das weiße Hemd, dazu eine schwarze Fliege, weiße Handschuhe und die grüne Schlegelmütze mit weiß-blauen Bommeln. Das ist die Tracht, die überliefert und unverändert das Bild der Schäffler prägte und weiter prägen wird. Die im Mittelpunkt stehenden Kasperl sind besonders und demzufolge auch anders gewandet, nämlich in den Berchtesgadener Farben Rot und Blau, mit Saubladern und einer großen weißen Halskrause.

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Es gibt sicherlich viele Arten, um ein Gläschen Hochprozentigen zu trinken. Die vermutlich komplizierteste, möglicherweise auch die eleganteste, praktizieren die Schäffler. Sieben Jahre sind eine lange Zeit für die Liebhaber dieses Brauchtums, das bezeichnenderweise in einem Sportverein seine Heimat hat, beim TSV Berchtesgaden.

Die Schäffler haben einen weiß-blauen Reifen, der an einer Stelle leicht abgeplattet und verbreitert ist, um ein Schnapsglas sicher aufzunehmen, das mit Geschick Wellen und Bögen, auch Überschläge überstehen muss, ohne einen Tropfen der wertvollen Flüssigkeit zu verlieren. Die Berchtesgadener Schäffler können das und praktizieren es mit höchstmöglichem Aufwand. Und weil hoher Aufwand auch hohe Abnutzung bringt, sind die Reifen irgendwann am Ende. Es müssen neue her.

Als zuverlässigen Partner haben sich die Schäffler als Partner zur »Materialbeschaffung« die Schnitzschule gesichert. Die Schreinerklasse von Bernhard Wimmer hat vier neue kunstvolle Reifen aus zigfach geschichtetem Furnier gefertigt, die nun im Ausstellungsraum der Fachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei von Direktor Norbert Däuber an den TSV-Vorsitzenden Werner Böhnlein und den Abteilungsleiter der Schäffler-Tänzer, Andreas Renoth, übergeben werden konnten. Die jedenfalls ließen ihre Vorfreude auf die kommende Faschingssaison erkennen, wenn die Schäffler wieder ausziehen, um die Leute zu belustigen, aber gleichzeitig das alte Brauchtum der Schäffler und Schaffelmacher zu pflegen.

Es gibt auch noch eine andere wichtige Botschaft aus der Abteilung der Schäffler im TSV Berchtesgaden. Vor fast 70 Jahren, genau am 19. November 1949, wurde die Fahne der Zunft geweiht. Gestaltet wurde sie seinerzeit von Malermeister Karl Enke. Nun hat der Zahn der Zeit so lange an ihr genagt, dass sie erneuert werden musste. Und so soll die neue Standarte am Sonntag, 11. November, um 10 Uhr im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes in der Berchtesgadener Stiftskirche von Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob geweiht werden, um diesen schönen Zweig des Brauchtums über die nächsten Jahrzehnte zu begleiten.

Getanzt wird am Samstag, 23. Februar, Freitag, 1. März, Samstag, 2. März, Montag, 4. März, und Dienstag, 5. März. Tanzbestellungen nimmt der TSV Berchtesgaden unter Telefon 08652/657622, Fax 08652/66478 oder E-Mail info@tsv-berchtesgaden.de entgegen. Dieter Meister