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Hauptversammlung der BRK-Bereitschaft Berchtesgaden: Einsätze in Flüchtlingskrise bringen Helfer an Belastungsgrenze

Lebensretter am Limit

Berchtesgaden – Bei der Jahreshauptversammlung der BRK-Bereitschaft Berchtesgaden wurden mehrere Problematiken aufgezeigt, die es zu lösen gilt. Dazu gehört auch die Arbeit mit den Flüchtlingen, denn die Rettungsdienste arbeiten teilweise am Limit. Gleichwohl kam in allen Vorträgen die perfekte Zusammenarbeit zwischen BRK, Polizei und Feuerwehr zum Ausdruck.

Die Bereitschaftsleiter Walter Söldner (l.) und Florian Halter (r.) freuen sich mit den ausgezeichneten Mitgliedern der BRK-Bereitschaft Berchtesgaden (v.l.): Ludwig Koller, Rolf Löffler, Helmut Langosch, Anton Ilsanker, Helga Buchner und Markus Zekert. (Foto: Wechslinger)

Bereitschaftsleiter Walter Söldner freute sich, dass die Ehrenamtlichen im Jahr 2015 wiederum 61 Sanitätsdienste geleistet hatten. Im Weiteren waren er und seine Leute erneut viele Stunden im Rettungsdienst eingesetzt gewesen. Ferner hatten elf Bereitschaftsabende sowie mehrere Ausbildungen stattgefunden.

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Als großen Erfolg wertete der Bereitschaftsleiter das Heizkraftwerkfest, das zu einer festen Einrichtung im Jahreskalender werden soll. Ein Erfolg sei auch wieder die Blutspende für die Blutbank in Salzburg gewesen. 119 Neuspender konnten gewonnen werden. Neben vielfältigen Einsätzen sei die Bereitschaft auch bei der Versorgung der Flüchtlinge in Freilassing im Dauerseinsatz gewesen, so Söldner.

Der Leiter der Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG), Bernd Resch, referierte über die Belange seiner Mannschaft. Dabei sprach Resch von 49 teilweise dramatischen Einsätzen wie dem Brand in Schneizlreuth mit sechs Toten. Wie zuvor Söldner sprach auch Resch von unzumutbaren Bedingungen beim G7-Gipfel.

Leistungsgrenze überschritten

Weitaus umfangreicher habe sich jedoch der Einsatz beim Flüchtlingsdrama dargestellt. Resch dankte in diesem Zusammenhang den Arbeitgebern, die auf ihre im Sanitätsdienst befindlichen Mitarbeiter verzichten mussten. Doch auch die größte soziale Einstellung helfe nichts, wenn Aufträge liegen blieben und Kunden dadurch verärgert werden, stellte Resch fest. Zudem überschritt das Sanitätspersonal durch die doppelte Belastung seine Leistungsgrenze. In der Flüchtlingssituation sei ein Ende jedoch noch lange nicht abzusehen. Zudem hätten die Sanitätsdienste für andere Einsätze keine Kapazitäten mehr gehabt, stellte der SEG-Leiter klar.

Trotz der vielen Einsätze bei den Flüchtlingen haben Ausbildungen und Übungen stattgefunden. Durch zahlreiche Spenden konnte ein Teil der Mannschaft mit neuen Helmen ausgestattet und fast alle Mitarbeiter konnten auf die neue Einsatzkleidung in der Farbe »orange« umgestellt werden.

Im Hinblick auf den geplanten Neubau der Wache sprach Resch von Problemen mit der Hanglage, die ein Geologe demnächst begutachtet. Dabei richtete Resch den Dank an Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber, der eine Suche nach einen Alternativstandort signalisiert hat. Da die Finanzierungslücke für die neue Wache noch etwa 180 000 Euro beträgt, hofften die Rettungsdienste auf die Unterstützung aller Talkesselgemeinden. Schließlich sei der Neubau ein Beitrag zur eigenen Sicherheit.

Der Leiter der Rettungswache, Hermann Scherer, zeigte in anschaulichen Statistiken die zunehmende Problematik in den verschiedensten Bereichen. So müssten durch die Umstrukturierungen der Kliniken teilweise lange Anfahrten in Kauf genommen werden, welche die Patienten zusätzlich belasteten. Dadurch fehle das Rettungsfahrzeug auch für längere Zeit am Standort. Ein Manko sei auch die Unsitte, dass bereits bei geringfügigen Verletzungen oder leichten Krankheitssymptomen sofort der Notarzt angefordert werde.

Scherer malte ein düstereres Szenario, als er von einem immer größer werdenden Fachkräftemangel im Rettungsdienst sprach. Gut funktioniere jedoch nach Anlaufschwierigkeiten die elektronische Dokumentation.

Mehrere Auszeichnungen

Bereitschaftsleiter Walter Söldner zeichnete mehrere langjährige Mitglieder aus. So blicken Helga Buchner und Markus Zekert auf ein Vierteljahrhundert bei den »Sanis« zurück. Anton Ilsanker wurde für 30, Helmut Langosch für 35 und Rolf Löffler für 50 Jahre geehrt. Auf gar schon 65 Jahre im Rettungsdienst kann Ludwig Koller stolz sein.

Abschließend klärte der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands, Dr. Reinhard Reichelt, zugleich Leitender Notarzt und Arzt der BRK-Bereitschaft, über die Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte in Berchtesgaden mit einem Schnitt von 58 Jahren auf. Christian Wechslinger