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Lebensretter vor der Linse

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Das sind die Gesichter hinter den Dreharbeiten: Grafiker Stefan Schnee, Cutter Rene Knoll und die beiden Gründer von Timeline Production Max Reichel und Franz Hinterbrandner. Foto: Anzeiger/Voss
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Die Kamera muss mit ins Gelände. Hier wurde eine Übung aufgezeichnet. Foto: Bergwacht

Berchtesgaden – Ein ganzes Jahr lang wurde die Bergwacht Berchtesgaden von einem Kamerateam begleitet. Der Dokumentarfilm über die vielfältigen Einsätze der Bergretter läuft am Sonntagabend im Open-Air-Kino in der Schönau. Die dafür engagierte Produktionsfirma »Timeline Production« dreht sonst große Werbekampagnen sowie Sportdokumentationen und Spielfilme. Da die beiden Chefs der Produktion, Franz Hinterbrandner und Max Reichel, selbst aus dem Bergsport und den Berchtesgadener Bergen kommen, beteiligten sie sich leidenschaftlich gern an dem Filmprojekt: »Wir wollten die komplette Bandbreite der Bergwacht zeigen und sind voll zufrieden mit dem Endprodukt«.


Die Mitglieder der Bergwacht, ihre Angehörigen und die vier Männer der Produktionsfirma »Timeline Productions« trafen sich am vergangenen Samstag zu einer internen Vorpremiere des Imagefilms. Während der letzten zwei Jahre arbeiteten die Einsatzkräfte zum Teil mit der Begleitung eines Kamerateams, zum anderen Teil filmten sie selbst mit einer Helmkamera reale Einsätze mit. So kommen im Film »Bergwacht Berchtesgaden – 365 Tage, 24 Stunden« sowohl Übungen und Interviews vor als auch reale Einsätze, die der Zuschauer hautnah mitverfolgen kann.

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»Wir hatten am Anfang nur an einen achtminütigen Imagefilm gedacht«, erzählte Anderl Baumann, Einsatzleiter der Berchtesgadener Bergwacht am Samstag im Bergwachthaus, »Aber aufgrund des guten Filmmaterials und wie sich das Projekt langsam entwickelt hat, ist er immer länger und länger geworden. Im Endeffekt dauert der Film nun 35 Minuten«. Die vielen Einsätze, die die Bergwacht sommers wie winters zu bewältigen hat, konnten nur so ausreichend gezeigt werden.

Lawinenübung mit der Hundestaffel

So ist im Film zum Beispiel zu sehen, wie eine Lawinenübung mit einer Hundestaffel abläuft, oder wie aus einer steilen Felswand zwei Kletterer geborgen werden. Aber auch reale Bergrettungen, gefilmt von den Einsatzkräften selbst mit einer Helmkamera, kommen im Film vor. Die Zuschauer können beispielsweise verfolgen, wie einem abgestürzten Gleitschirmflieger geholfen wird, oder wie im Winter zwei Bergsteiger aus einer Lawine befreit und abtransportiert werden. Auch Extrem-Kletterer Thomas Huber gibt im Film ein Interview.

Kleines Budget

Das Budget der Bergwacht für das umfangreiche Projekt war am Anfang schnell ausgeschöpft. Die beiden Gründer der beteiligten Produktionsfirma, Max Reichel und Franz Hinterbrandner, wussten sich aber zu helfen: »Da das Budget so knapp war, haben wir uns was überlegt. Die Bergwacht bekam einfach eine kleine Kamera, die immer dabei ist, und konnte so die Einsätze zum Teil selbst filmen. Wir haben sie vorher grundlegend geschult, wie man einfache Einstellungen drehen kann, haben uns die Aufnahmen angeschaut und ihnen Tipps gegeben. So ist das immer besser geworden. Auf diese Weise ist die Mischung entstanden von realen Einsätzen und den Übungen, die wir gefilmt haben«.

Aber so einfach, wie es klingt, war es für die viel beschäftigten Einsatzkräfte nicht. Anderl Baumann erzählte, was man als »Kameramann« so zu beachten hatte: »Bei den meisten Einsätzen spielt der Zeitfaktor eine große Rolle. Das heißt, wenn es wirklich um Leben und Tod geht, dann hat man nicht den Nerv dazu, dass man vorher die Kamera auf dem Helm befestigt. Das muss irgendwann so organisiert sein, dass das Drehen nebenbei läuft und die Einsatzkräfte nicht bei der Arbeit behindert. Man darf auch nicht vergessen, die Kamera einzuschalten«. Es sei eine Zusatzbelastung gewesen. »Wir haben natürlich keine große Rücksicht auf die Kamera nehmen können, wir haben ganz normal unsere Arbeit gemacht«.

Jede Menge Material

Auf diese Weise kam jede Menge Aufnahme-Material zusammen, das auch verarbeitet werden musste. 160 Stunden saß der »Cutter« Rene Knoll an dem Bergwachtfilm. Das Gefilmte der Spezialisten, sowie das der Einsatzkräfte, musste gesichtet, geschnitten und mit den passenden Tönen versehen werden. Dazu kam die Musik des firmeneigenen Komponisten Martin Reiher, des Künstlers Moby und sogar von der bayerischen Band LaBrassBanda. Der Grafiker Stefan Schnee entwarf das Filmplakat sowie das Cover für die zukünftige DVD des Bergwachtfilms.

Die anerkannte »Timeline Production« hat sich mit diesem Projekt viel Arbeit gemacht. Es handelt sich aber auch um eine Herzensangelegenheit der erfahrenen Filmer Reichel und Hinterbrandner: »Das war uns einfach wichtig. Die Arbeit der Berchtesgadener Bergwacht ist so umfangreich, dass wir sie nicht in acht Minuten abhandeln wollten«. Die besondere Herausforderung bei »365 Tage, 24 Stunden« sei gewesen, dass man herausarbeiten müsse, was die Leute ehrenamtlich leisten. »Wie viel Enthusiasmus, Übung und Bereitschaft drinsteckt«.

Der Film läuft bei jedem Wetter am Sonntag, dem 1. September um 19:45 Uhr im Open Air Kino in der Sportanlage Schneewinkl in der Schönau. Zuvor wird Extremkletterer Thomas Huber einen Multivisionsvortrag namens »Es lebe das steile Leben« halten. Annabelle Voss