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Lehrling gesucht

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Über die Arbeitsagentur konnten insgesamt 541 Ausbildungsplätze im Landkreis besetzt werden. Dazu kommen die nicht gemeldeten Stellen: »Viele Unternehmer finden ihre Lehrlinge über Praktika, die Arbeitsagentur ist dann nicht involviert«, berichtet Ausbildungsplatzakquisiteur Thomas Jander. Der Marktschellenberger ist im ganzen Landkreis unterwegs und wirbt in Unternehmen um Ausbildungsplätze. Egal ob Bäcker, Schreiner oder Modeverkäuferin - branchenübergreifend konnte er von Januar bis August bereits 154 Stellen organisieren, davon 49 Ausbildungsplätze im Talkessel Berchtesgaden.


Unter den Top Ten der Lieblingsausbildungsplätze im Landkreis findet sich an erster Stelle der Kaufmann/die Kauffrau im Einzelhandel. Dicht gefolgt von dem Bürokaufmann/der Bürokauffrau und dem Koch/der Köchin. Auch eine Ausbildung in der Bank, in der Bäckerei, im Kfz-Gewerbe sowie als zahnmedizinische Angestellte sind auf der Wunschliste der Jugendlichen im Berchtesgadener Landkreis ganz oben.

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Dass es Ende August noch knapp 150 freie Lehrstellen gibt, hat verschiedene Gründe: Zum einen bieten die Unternehmen aufgrund des erhöhten Fachkräftebedarfs mehr Ausbildungsplätze an, zum anderen decken sich die freien Lehrstellen oft nicht mit den Wünschen der zukünftigen Auszubildenden. »Bekommen manche Bewerber nicht ihre Traumlehrstelle, werden bei geeigneten Noten Fachoberschulen bevorzugt«, weiß der Ausbildungsberater. Steht auch eine weiterführende Schule nicht auf dem Karriereplan der Auszubildenden, packt der ein oder andere zukünftige Lehrling lieber seine Koffer und tritt ein Auslandsjahr an. Und zu guter Letzt macht sich der Rückgang der Schülerzahlen ebenfalls auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar.

Grundsätzlich gibt es sehr viele Ausbildungsplätze im Landkreis, nur Angebot und Nachfrage halten sich nicht immer die Waage: »Im Hotel- und Gaststättengewerbe haben wir ein Überangebot, aber wenig Nachfrage«, so Jander, »im Gegensatz zu Bürolehrstellen, da gibt es zu viel Nachfrage für die wenigen Angebote.« Auch im Metzgerei- und Bäckereigewerbe suchen heimische Unternehmer oftmals verzweifelt nach Auszubildenden. Abschreckend sind nicht selten die Arbeitszeiten: »Natürlich muss ein Bäcker oder Metzger sehr früh anfangen, wiederum hat er dann aber auch ab Mittag oder Nachmittag frei. Es ist alles eine Frage der Einteilung«, bekräftigt der Ausbildungsplatzberater.

An die Bewerber werden heute höhere Anforderungen als früher gestellt, trotzdem appelliert Jander immer wieder an die Unternehmer, nicht alles an den vorgelegten Noten festzumachen. »Man muss sich die Leute genau anschauen und ausprobieren lassen anhand vom Zeugnis auszusortieren, ist manchmal der falsche Weg.« Sollte der Lehrling trotzdem Lernprobleme in der Berufsschule haben, greift die Arbeitsagentur den Jugendlichen unter die Arme: »Gemeinsam mit der Diakonie Südostbayern bieten wir an drei Standorten im Landkreis ausbildungsbegleitende Hilfen an.« So geben Sozialpädagogen in Berchtesgaden, Bad Reichenhall und Freilassing am Abend den Lehrlingen Nachhilfe. »Insgesamt haben wir an den Standorten 150 Plätze und die Erfolge sind wirklich sichtbar.« Belohnung für die Nachhilfestunden in der Freizeit ist dann tatsächlich oftmals der erfolgreiche Lehrabschluss.

Die Teilzeitausbildung liegt Thomas Jander ebenfalls stark am Herzen. Dabei arbeiten Lehrlinge nur zwischen 20 und 30 Wochenstunden. »Vor allem für alleinerziehende Mütter ist eine Teilzeitausbildung optimal. Dadurch wäre sowohl dem Arbeitgeber wie auch der jungen Mutter geholfen, die beispielsweise nach der Erziehungszeit erfolgreich ihre begonnene Ausbildung zu Ende bringen kann.«

Für Thomas Jander stehen nun »heiße Wochen« an: Die Nachvermittlungsphase hat begonnen. »Wer wirklich möchte, der findet auch eine Lehrstelle beziehungsweise einen Lehrling.« Potenzielle Bewerber haben noch bis Dezember Zeit, eine Lehre zu beginnen, dann wird es schwierig wegen der Berufsschule. ci