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Leidenschaft für das lebendige Material Holz

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Erna Fischer (r.) und Tochter Monika Fischer mit den liebevoll handgeschnitzten kleinen Figuren von Stefan Fischer. (Fotos: Mergenthal)
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Paula Größwang macht es Freude, zu sehen, wie aus unzähligen bunten Spänen nach und nach eine wunderschöne Fuikl entsteht.

Berchtesgaden – Ein Besuchermagnet ist seit über 20 Jahren die Ausstellung »Lebendiges Holzhandwerk« im Kongresshaus. Auch heuer lockte sie zahlreiche Einheimische und Urlaubsgäste im Rahmen des Berchtesgadener Adventsprogramms an.


Man konnte das eine oder andere für die eigene Stube oder zum Verschenken ergattern oder den Handwerkern über die Schulter schauen, zum Beispiel Drechsler Hans Neumayer. Das Drechseln ist seit etwa 35 Jahren seine Leidenschaft. Im Salzbergwerk habe ihn sein Arbeitskollege Josef Hölzl, Zunftmeister der Holzhandwerker, angesprochen: »Geh doch zur Zunft dazu.« Neumayers Sohn ist bereits in vierter Generation Bergmann. Die Bergleute seien nach der alten Zunftordnung die einzigen, die neben den gelernten Holzhandwerkern mit Holz arbeiten durften, erklärt Neumayer. Im ehemaligen Krankenhauskiosk richtete er sich eine Werkstatt ein. Nun ist er schon im Ruhestand und genießt es, mehr Zeit für sein Hobby zu haben.

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Er mag den Umgang mit Holz, »einem warmen, lebendigen Material«. Das Schlosser-Handwerk seines Vaters war hingegen nichts für ihn. »Drechseln ist total entspannend. Man formt mit seinen eigenen Händen und dem Drechseleisen schöne Gegenstände.« Immer wieder lässt er sich was Neues einfallen, wie heuer einen gedrechselten Adventskranz mit den Figuren des Berchtesgadener Adventsingens – dem Nikolaus mit Buttnmandl und Krampus, dem Bänkelsänger sowie Josef und Maria auf der Herbergssuche. Anregungen holt er sich auch durch den Austausch mit anderen Drechslern, unter anderem in einem Internetdrechselforum. Öfter kommen Privatleute mit ganz bestimmten Wünschen oder Schreiner brauchen Einzelteile, wie zum Beispiel Tischfüße.

Eine 45-jährige Familientradition geht bei der Bischofswieser Familie Fischer zu Ende. Stefan Fischer hatte ursprünglich mit Gschabertbandln begonnen, für die Berchtesgadener Handwerkskunst zu arbeiten. Für die Späne war eng gewachsenes Holz erforderlich. Als die Familie wuchs, schnitzte Stefan Fischer darüber hinaus aus Lindenholz Holzspielzeug, kleine Krippenfiguren sowie den typischen Berchtesgadener Christbaumschmuck. Seine Frau Erna klebte die Einzelteile zusammen und bemalte die Miniatur-Unikate. »Sie glauben gar nicht, wie oft man so ein Ding in die Hand nehmen muss«, erklärt sie der Reporterin und zeigt auf einen kleinen Reiter mit Schaukelpferd.

Nun ist Stefan Fischer im Seniorenheim und kann nicht mehr schnitzen. So muss sich die Familie auf den Verkauf des Bestands beschränken; Tochter Monika hat für die kleinen Kostbarkeiten aus der geschickten Hand ihres Vaters eigens ein Geschäft in Königssee eröffnet. »Man kann davon nicht mehr leben«, bedauert sie. Obwohl Stefan Fischer 20 Jahre lang Kurse an der Volkshochschule gegeben hatte, fand sich auch kein anderer Interessent, der diese Tradition weiterführt. In Reih und Glied aufgereiht sind Krippenfiguren, darunter Bergsteiger, Kraxenträger und Buttnmandl, aber auch hölzerne Mini-Rennautos vom Roßfeldrennen, Mini-Kraxen für den Christbaum mit Miniatur-Spanschachteln und vieles mehr.

Josef Hölzl aus Marktschellenberg, Zunftmeister und Organisator der Ausstellung, beherrscht die Herstellung der Berchtesgadener Spanschachteln. Die unzähligen Arbeitsgänge, angefangen mit dem Baumfällen im eigenen Wald, erledigt er alle selbst. Nur bemalt werden die Schachteln von anderen, in Heimarbeit. Hölzl gefällt an den ovalen oder runden Schachteln, dass sie über Generationen erhalten bleiben und dass sie lauter Gebrauchsgegenstände sind. So gebe es eigene Spanschachteln zum Aufbewahren der Zöpfe und Haarnadeln oder für den Gamsbart, der von innen an den Schachteldeckel gehängt wird.

Paula Größwang kam durch ihre Tätigkeit als Sennerin auf der Königsbach- und Priesbergalm auf ihr Handwerk, das Fuiklbinden. »Aber das ist schon 50 Jahre her«, meint sie schmunzelnd. Es macht ihr Freude, zu sehen, wie aus den vielen bunten Spänen nach und nach eine Fuikl entsteht. Auch kleine und große Spansterne kreiert sie. Ihre Kunden sind zur Hälfte Einheimische und zur Hälfte Gäste. Viele wünschen sich eine Fuikl für die eigene Stube. Wenn es mit dem Almabtrieb pressiert, etwa wegen eines Wetterumschwungs, und die Sennerinnen mit dem Binden des traditionellen Kopfschmucks nicht mehr fertig werden, beliefert sie auf Anfrage auch diese.

Darüber hinaus waren Hans Brandner mit seinen Filigrandosen, Drechsler Wolfgang Lochner, Jakob Grassl mit seinen Holzlaternen und Josef Stocker mit Rechen und Schlitten vertreten. Veronika Mergenthal