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Der Tiroler Raimund Bartl ist jetzt Betriebsleiter im Salzbergwerk Berchtesgaden – Erfahrung in ganz Europa gesammelt

Leidenschaft Schachtbau

Berchtesgaden – Er hat Schächte für die größten Tunnelprojekte Europas gebaut und dabei Erfahrungen in leitenden Positionen gesammelt. Seit 1. Juni ist der erst 33-jährige Lechtaler Raimund Bartl Betriebsleiter im 500 Jahre alten Salzbergwerk Berchtesgaden. Schächte wird der Bergbauingenieur auch hier bauen können, doch es warten auch noch andere Aufgaben.

Der 33-jährige Tiroler Raimund Bartl (r.) ist neuer Leiter des Salzbergwerks Berchtesgaden. Für den Tourismusbereich zeichnet weiterhin Peter Botzleiner-Reber (l.) verantwortlich. (Foto: Kastner)

Bartl übernahm die Betriebsleitung von Natascha Groll, die nach der überraschenden Abberufung des früheren Standortleiters Franz Lenz nur für ein Jahr den Chefposten im Salzbergwerk übernommen hatte. Die 32-Jährige ist nun Bergwerksleiterin am Standort der Südwestdeutschen Salzwerke AG in Heilbronn.

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Mit Raimund Bartl bekommt die Belegschaft des Salzbergwerks Berchtesgaden nun einen Chef, dessen junges Alter und erst achtjährige Berufserfahrung auf Unerfahrenheit schließen lassen könnte. Dass genau das Gegenteil der Fall ist, zeigt ein Blick in den riesigen Aufgabenbereich des Österreichers in den letzten Jahren. Dabei kam der Tiroler erst über Umwege zum Berg- und Tunnelbau-Studium. Der gelernte Förster hatte zunächst noch angewandte Geowissenschaften studiert. »Doch das war mir zu theoretisch«, sagt der 33-Jährige. Nach einem vorübergehenden Jura-Studium landete er schließlich beim Berg- und Tunnelbau, wo er sich vor allem im Bergrecht aufgrund seiner Vorkenntnisse schnell zurecht fand.

Für die Thyssen Schachtbau GmbH war Raimund Bartl dann in zahlreichen Großprojekten engagiert. Gleich zu Beginn wartete beim Bau des Gotthard-Basistunnels, dem mit 57 Kilometern längsten Tunnel der Welt, eine große Aufgabe auf den jungen Ingenieur. Dort war der Tiroler ein Jahr lang für verschiedene Infrastrukturarbeiten im 800 Meter tiefen Sedrun-Zugriffsschacht zuständig. Da ging es unter anderem um den Betrieb der Winden, Aufzüge und Kühlmaschinen. Auch am Stollenvortrieb war Bartl beteiligt, indem er für die Erkundungen verantwortlich zeichnete.

In ganz Europa unterwegs

Für das Mülheimer Unternehmen und anschließend eine Salzburger Firma war der junge Ingenieur in den Jahren darauf in ganz Europa bei Großprojekten eingesetzt: beim Brenner-Basistunnel, beim Bosruck-Tunnel, beim Semmering-Basistunnel, beim Koralm-Tunnel sowie bei den Pumpspeicherkraftwerken Kaunertal und Reißeck. Dort war Bartl teilweise für Erkundungsbohrungen zuständig und baute riesige Schächte mit bis zu zwölf Metern Durchmesser und über 400 Metern Tiefe. Sein Know-how war vom gesamten Balkanraum bis nach Schweden gefragt, zwischendrin leitete der Tiroler auch eine Niederlassung in Graz.

»Sesshafter werden«

»Die Faszination Schachtbau und Bohrungen hat mich nicht mehr losgelassen«, sagt der 33-Jährige. Es war eine im wahrsten Sinne des Wortes bewegende Zeit, denn der junge Ingenieur legte in dieser Zeit jährlich bis zu 80 000 Kilometer mit dem Auto und rund 100 000 Kilometer mit dem Flugzeug zurück.

Gewohnt hat Raimund Bartl damals in Semmering. »Aber die meiste Zeit habe ich in Hotels verbracht«, sagt der Tiroler. Er spricht von einer »spannenden Zeit«, macht aber auch deutlich, dass Freizeit und Urlaub rar waren. Da kam das Angebot der Südwestdeutschen Salzwerke AG, den Betriebsleiterposten beim Salzbergwerk Berchtesgaden zu übernehmen, gerade recht. »Es bot mir die Chance, aus dem Vagabundenleben im Bergbau auszuscheiden und sesshafter zu werden«, sagt Bartl.

Und vor allem sah er zwischen seiner Heimat, dem Lechtal, und dem Berchtesgadener Land Parallelen. »In einer schönen Natur zu leben, ist mir sehr wichtig«, sagt Bartl, der selbst leidenschaftlicher Bergsteiger und Kletterer ist. Da fiel ihm der Entschluss, seinen Lebensmittelpunkt nach Berchtesgaden zu verlegen, doch leichter.

»Es ist toll hier«

Bereut hat Raimund Bartl den einschneidenden Wechsel bis heute nicht. Mit der Freundin wohnt er in Oberau, von den Einheimischen und den Mitarbeitern sei er sehr herzlich aufgenommen worden. »Es ist toll hier«, fasst der 33-Jährige zusammen. Auch wenn die Arbeit hier vielleicht nicht mehr ganz so spannend wie in den letzten acht Jahren sein wird, so weiß Bartl, dass auch im Salzbergwerk Berchtesgaden die Herausforderungen groß sind. »Was sonst an verschiedene Firmen vergeben wird, machen die hier alles in einem Betrieb: Bohren, Schachtbau und Stollenvortrieb. Hier wird die Handwerkskunst richtig gelebt.« Davon konnte sich der Tiroler in den letzten Wochen bereits ein Bild machen, denn freilich ist er die gesamten 45 Kilometer Stollen bereits persönlich abgegangen.

Und bald darf Raimund Bartl mit den einheimischen Bergmännern schon den ersten Durchbruch feiern. Am 29. Juni wird sich der Kreis bei der Erschließung des sogenannten Ostfelds schließen. Hier liegt die Zukunft des Salzabbaues im Salzbergwerk Berchtesgaden. »Wir sitzen hier auf einem Schatz. Die Lagerstätte wird noch vielen Generationen Beschäftigung ermöglichen«, ist Bartl überzeugt. Den Erfolg des Salzbergwerks sieht er auch in der Vielschichtigkeit des Betriebs: der Sole, dem Natursalz und dem Tourismusbereich mit 360 000 Besuchern jährlich. Deshalb ist der Experte überzeugt, dass die 500-Jahr-Feier im nächsten Jahr nur eine Zwischenstation in der Geschichte des Salzbergwerkes Berchtesgaden sein wird. Ulli Kastner