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Letzte Runde am Faselsberg

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Die Hegromdeifin werden ab dem nächsten Jahr mit einem neuen Nikolaus die Faselsberger Familien besuchen. 34 Jahre lang waren sie mit demselben Heiligen Mann unterwegs, der nun in »Nikolaus-Rente« ging. Foto: Anzeiger/Kastner

Schönau am Königssee – Ein bekannter Nikolaus ging am 5. Dezember in »Rente«. Der Heilige Mann, den viele auch Edi Breu nennen, besuchte 34 Jahre lang mit seinen »Hegromdeifin« die Kinder am Faselsberg. Er war wohl zusammen mit dem Fischer Ernst der dienstälteste Nikolaus im Berchtesgadener Land. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem scheidenden Nikolaus am Rande eines Hausbesuchs am Faselsberg über seine lange Amtszeit.


Lieber Nikolaus, nach 34 Jahren wirst Du heute Deinen Auftrag am Faselsberg beenden. Hast Du denn schon für einen Nachfolger gesorgt?

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Nikolaus: Es hat schon einige Zeit gedauert, bis ich den richtigen Mann gefunden habe, der meine Arbeit übernimmt. Der Milo soll halt doch entsprechend anständig auftreten.

Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Auftritt als Nikolaus erinnern?

Nikolaus: Der Stockerer Hansi, der zuvor Nikolaus war, hatte einen Unfall und konnte es dann nicht mehr machen. Dann hat der Georg Lenz das Amt übernommen. Der wollte aber dann lieber Kramperllaufen und so bin ich damals Nikolaus geworden.

Das muss ja eine ganz neue Erfahrung gewesen sein.

Nikolaus: Das war sehr schwierig, denn du musst dich gegenüber den Leuten schon richtig verhalten. Manchmal hat es mir anfangs schon die Stimme abgeschnürt, denn von der Rhethorik her hatte ich ja keinerlei Erfahrung. Da war anfänglich schon große Nervosität dabei.

Heute hast Du da sicherlich jede Menge Routine.

Nikolaus: Ja, richtig. Wenn du diese Routine nicht hast, kann du schon einmal gehörig durcheinander kommen.

Die Hegromdeifin hatten in den letzten Jahren ja verschiedene Stationen, von wo aus sie losgelaufen sind.

Nikolaus: Ja, wir waren beim Stockerer, dann beim Karbacher und jetzt seit längerer Zeit beim Berngrubenlehen. Heute haben wir 22 Stellen – und das ist schon eine Aufgabe.

In 34 Jahren erlebt man ja so einiges. Kannst Du Dich an ein paar kuriose Geschichten erinnern?

Nikolaus: Könnte ich schon. Aber die erzähle ich lieber nicht (lacht).

Vielleicht hast Du ja eine harmlosere Geschichte, die Du den Lesern erzählen kannst.

Nikolaus: Es kommt schon einmal vor, dass es den Milo schmeißt oder dass er abkugelt, weil es eisig ist. Oder Folgendes: Da hatte einmal ein Kramperl keine Lust mehr und hat gesagt: Ich gehe heim. Er hat dann die Glocken genommen, über den Buckel geworfen und ging tatsächlich heim. Am nächsten Tag sagte er dann: Wenn ich gewusst hätte, dass es so weit heim ist, dann wäre ich lieber weitergelaufen.

Wie schaut's denn mit dem Nachwuchs aus bei den Hegromdeifin?

Nikolaus: Nachwuchs ist schon da, das sieht man ja heute (15 Kramperl; Anm.d.Red.).

Und Kinder kommen am Faselsberg auch wieder nach?

Nikolaus: Ich hoffe. In den letzten Jahren war es immer so: Wenn es viele Kinder gab, hatten wir wenige Kramperl – wir waren auch schon mal zu dritt. Und bei wenigen Kindern hatten wir viele Kramperl. Da ist dann halt immer ein Generationswechsel da. Ich hoffe, dass sich das wieder einmal ändert.

Die Faselsberger Kramperlpass »Hegromdeifin« wurde 1965 im Stockerpointlehen am Höllgraben von Sepp Graitl, Alois Graitl, Hansi Brandner und Toni Brandner (Nikolaus) gegründet. Seither besucht die Pass, in der nur Faselsberger Burschen laufen, jedes Jahr am 5. Dezember nahezu jede Familie am Faselsberg. Seit über 30 Jahren startet die Pass nun beim Berngrubenlehen. Heuer waren die Hegromdeifin mit 15 Kramperln besonders stark besetzt. Ulli Kastner