weather-image

Liebeserklärung an die Heimat

2.0
2.0
Bildtext einblenden
Erstlingswerk: Deutschlands jüngste staatlich geprüfte Bergführerin, Nina Schlesener, hat ein Buch geschrieben. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Sie ist leidenschaftliche Alpin- und Eiskletterin, zudem Deutschlands jüngste staatlich geprüfte Bergführerin: Nina Schlesener. Dass es sie jemals beruflich in die Berge verschlagen würde, hätte sie lange nicht gedacht. Bei einer Watzmannüberschreitung mit 14 Jahren hatte sie bereits mit dem Leben abgeschlossen, wie sie im Vorwort ihres ersten Buches schreibt, das nun im »Delius Klasing«-Verlag erschienen ist und im »Haus der Berge« vorgestellt wurde: »Meine schönsten Touren rund um Berchtesgaden«.


»Es war im Sommer 2000, als wir frühmorgens aufbrachen, um die Watzmann-Überschreitung zu gehen«, so beschreibt Nina Schlesener ihr einschneidendes Erlebnis. Damals war sie 14 Jahre alt. Mit jedem Höhenmeter stiegen die »alpinen Schwierigkeiten«. Weiter ging es über das Hocheck, die Gruppe befand sich kurz vor der Mittelspitze, Ninas Gesichtsfarbe war bereits gewichen. »Die Steilabbrüche, die links und rechts vom Grat über 2 000 Meter in die Tiefe stürzen, waren für mich so beängstigend, dass ich an diesem Tag mit meinem Leben abschloss«, schreibt sie. Auf die Frage, ob die Gruppe besser umdrehen solle, konnte Nina nur noch antworten, dass es gleichgültig sei, auf dem Weg Richtung Südspitze oder auf dem Weg zurück zum Watzmannhaus ums Leben zu kommen.

Anzeige

Doch ihr Erlebnis konnte sie nicht davon abhalten weiterzumachen. Seit 2012 ist Schlesener Deutschlands jüngste staatlich geprüfte Bergführerin. Während ihrer Ausbildung entdeckte sie auch das Eisklettern für sich. Mit großem Erfolg: 2011 landete sie bei mehreren Eiskletter-Europacups auf dem Treppchen ganz oben, in der Gesamtwertung belegte sie Platz 3. Mit ihrem Mann durchstieg sie an nur einem Tag die Wand der »Nose« am El Capitan in den USA. Als erste Frau, der dies in einem solch kurzen Zeitraum gelang. Als Industriekletterin ist Nina Schlesener eine gefragte Frau, als Bergführerin auch.

So ist es nicht verwunderlich, dass Nadja Kneissler vom »Delius Klasing«-Verlag, froh ist, den Kontakt zu Nina Schlesener geknüpft zu haben. Thomas Ernst hat ihr dabei geholfen. Herausgekommen ist ein 144 Seiten starkes Buch, in dem die Bergführerin ihre 28 schönsten Bergtouren rund um Berchtesgaden präsentiert. Die Besonderheit: Das Buch wurde zweisprachig konzipiert, in Deutsch und Englisch. Die Touren reichen von der einfachen, nur wenige Stunden dauernden Familientour bis zur anspruchsvollen Watzmann-Überquerung.

Aufgeteilt ist das Buch in sieben Kapitel, untergliedert in mehrere Touren, die sich rund um einen Berg abspielen. Der Ausflug auf das Seehorn etwa ist eine Tagestour, die Streckendistanz liegt bei 29 Kilometern, angegeben ist die Dauer mit 9:15 Stunden. Ob Schärtenspitze oder Hochkalterüberschreitung: Nina Schlesener hat in gut zu lesenden Texten die jeweiligen Touren beschrieben und um interessante Informationen ergänzt: So wird jede Tour durch ein grafisches Höhenprofil beschrieben, hinzu kommen Empfehlungen der Autorin sowie eine geografische Karte.

Zunächst galt es, auszuwählen. »Ich kenne einfach zu viele Touren.« Von Seiten des Nationalparks erhielt Nina Schlesener Unterstützung. Da sie jede einzelne Tour, oft Tagesausflüge, planen musste, war der Zeitplan eng gesteckt. Auch, da ihr ein Fotograf zur Seite gestellt wurde, Klaus Fengler, Outdoor-Experte mit zahlreichen internationalen Referenzen.

»Nach und nach habe ich begonnen, selbst zu fotografieren«, sagt Schlesener, die sich eine Profikamera zulegte und immer dann, wenn sie das Motiv für gelungen erachtete, knipste. Die Ergebnisse überzeugten auch »Delius Klasing«-Verlagsleiterin Nadja Kneissler. »Sie hat ein gutes Auge«, attestierte sie der Autorin bei der Buchpräsentation.

Gefragt, welche der Touren-Tipps zu ihrer Lieblingstour zählt, konnte Nina Schlesener nicht antworten. Wenn es hingegen ums gute Essen geht, dann weiß sie, wohin es geht. Auf das Schneibsteinhaus, zu den Wirtsleuten Christa und Gottfried: »Zu meinen Eltern«, sagt sie und lacht. Kilian Pfeiffer

- Anzeige -