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Foto: privat

Liebesgrüße aus Ghana: Rentner überweist Gelder von »Liebes-Betrügereien«

Berchtesgadener Land – Blind vor Liebe, dumm aus Liebe. Das sogenannte Love Scamming ist ein riesiges kriminelles Phänomen. Den Kontakt über Singlebörsen nutzen Organisationen aus, um sich von mehr oder weniger betuchten Westeuropäern Geld zu ergaunern. So hatte ein Rentner aus dem Landkreis eine »Frau« aus Ghana kennengelernt und schließlich auch Gelder anderer Bundesbürger dorthin überwiesen. Geldwäsche in neun Fällen lautete die Anklage am Laufener Amtsgericht. Dort urteilte der Richter auf neun Monate. Zweieinhalb Jahre darf sich der 73-Jährige nun nichts mehr zu Schulden kommen lassen. 


2017 hatte der Rentner via Internet eine »Frau« kennengelernt. Man habe sich geschrieben und er habe die Telefonrechnungen übernommen. Bis die ihn eines Tages gefragt habe, ob er nicht Überweisungen auf ein Konto in Westafrika tätigen könne. Was der Angeklagte schließlich tat. Gelder von zwei Frauen und zwei Männer transferierte er per Zahlungsanweisung über WhatsApp auf das genannte Konto. »Haben sie sich nie gefragt, warum die Leute das nicht selbst erledigen«, wollte Staatsanwältin Karin Hahn vom Angeklagten wissen. Eine befriedigende Antwort darauf gab es nicht.

Mit neun Überweisungen hatte der Rentner insgesamt 34.550 Euro transferiert, allein von einer Frau waren 27.500 Euro gekommen. Diese Frau hat nach Erkenntnissen der Kripo Traunstein bislang eine Summe von über 1,7 Millionen Euro nach Westafrika gezahlt. Der Angeklagte selbst will einen der Zahler immer wieder ermahnt haben, doch damit aufzuhören. »Aber der war blind vor Liebe«, sagte der 73-Jährige über diesen knapp 80-jährigen Mann.

Der Angeklagte war bereits im Jahr 2020 wegen solcher Taten ins Visier der Ermittler geraten. Nachdem die Polizei dem Mann die Mechanismen dieses Geschäfts erklärt hatte, ihm aber kein Vorsatz nachzuweisen war, hatte die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt. Der Rentner selbst hatte damals eingeräumt: »Mir kam das schon etwas komisch vor.« Was ihn jedoch nicht davon abhielt den Staatsanwalt als »Provinz-Staatsanwalt« und »Wadlbeißer« zu verunglimpfen und zu betonen, dass er CSU-Mitglied sei.

»Sie machen einfach nahtlos weiter«, stellte Richter Martin Forster dazu fest. Er und seine »afrikanische Freundin« hätten das Geld doch nur weitergeleitet, verteidigte sich der Rentner. »Die schreiben unter hundert Namen«, versuchte Forster ihm die Hintergründe zu erklären. Doch der 73-Jährige blieb dabei: »Ich habe schließlich Menschenkenntnis. Ich würde merken, wenn irgendwas nicht stimmt. Es sind nicht alle Betrüger.«

Eine solche Einsicht will der 59-jährige Kriminalhauptkommissar bei mindestens zwei Opfern festgestellt haben. Was die Ziele der Überweisung betrifft: »Von diesen Staaten bekommt man so gut wie keine Auskunft.« Zu dem angeklagten Rentner gab Forster bekannt, dass, nachdem eine Verdachtsmeldung von der Commerzbank gekommen war, es eine neue Akte und ein neues Verfahren gebe: »Seitenweise Ausdrucke und eine Kontopfändung über 35.000 Euro.« Dort sei ja nichts drauf, intervenierte der 73-Jährige, der seine Schulden auf 50.000 Euro bezifferte. »Wie soll ich das bezahlen?« Der Mann betonte erneut, dass er das Geld doch nur weitergeleitet habe.

»Hier wird meist älteren Herrschaften viel Geld aus der Tasche gezogen«, stellt Karin Hahn zu dieser Masche fest. Und Leute wie der Angeklagte leisteten einem solchen System Vorschub. Weil der bislang nicht vorbestraft ist, mochte ihm die Staatsanwältin auf die einjährige Freiheitsstrafe eine Bewährungschance einräumen.

Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer würdigte die »ja, letztlich: Einsicht« seines Mandanten, der lange der Meinung gewesen sei, nichts Verbotenes getan zu haben. Der Verteidiger hielt neun Monate und eine Bewährung für ausreichend. So lautete auch das Urteil von Martin Forster, der den Rentner als »gutgläubig und blauäugig« beschrieb, einen der sich nicht vorstellen mag, »wie kriminelle Leute vorgehen«. Der 73-Jährige hat den überwiesenen Betrag nun als Wertersatz zu erstatten. Der Rentner nahm das Urteil an. In seinem Schlusswort aber machte er noch mal deutlich: »Ich bin überzeugt, mit einer Frau in Kontakt zu stehen.«

Hannes Höfer