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Lilly, die »Klosterdame«

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Mit drei Pfoten kommt Klosterkatze Lilly gut durch das Leben: Auch, weil es ihr bei den Franziskanermönchen seit fünf Jahren besonders gut geht. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Wenn Klosterbruder Claudius nach Lilly ruft, kommt nicht etwa eine schicke Dame ins Zimmer. Nein, Lilly ist ein bisschen kleiner, sie hat drei Beine, das vierte wurde nach einem Autounfall amputiert. Lilly ist eine Katze, adoptiert. Bei den Franziskanern im Kloster geht es ihr besonders gut.


Eine kleine Katze geht unruhig auf und ab. Sie humpelt. Kein Wunder. Das linke Hinterbein fehlt. Also muss es mit drei Beinen gehen. Und in der Tat: Bei Lilly funktioniert es.

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Als Lilly in die Sakristei hereinkommt, ist die Aufmerksamkeit sofort auf ihrer Seite. Sie miaut, einmal, zweimal, dreimal, dann reicht es Claudius. Er gibt sich den lauten Forderungen der weiß-schwarz-braun gemusterten Katze geschlagen. »Ja, Du kriegst ja schon was«, sagt Claudius, springt auf und eilt in Richtung der dreibeinigen Katze, die überdeutlich aufzeigt, dass sie Hunger hat – oder zumindest Appetit, der gestillt werden soll. Dass Claudius da nicht nein sagen kann, ist alleine schon dem Umstand geschuldet, dass er Kirchenmann ist.

Lilly wäre vielleicht schon längst tot, so genau lässt sich das nicht sagen. Mittlerweile ist sie 13 Jahre alt, auch beim Alter kann man nur grob schätzen, meint Claudius. Seit fünf Jahren lebt die Katzendame alleine unter Männern. Ihr Domizil ist groß – im Kloster gibt es so machen Gang, viele Räume, Treppen, einen wunderschönen Garten. Und genau jene Orte macht die gehandicapte Katze tagtäglich unsicher.

»Der Tierschutzverein ist vor fünf Jahren auf uns zugekommen und hat gefragt, ob wir an einer Katze Interesse hätten«, erinnert sich der Kirchenmann. Lilly war gerade eben von einem Auto erwischt worden, die Katze kämpfte ums Überleben, das Bein war kaputt, es musste amputiert werden. Die Franziskanermönche waren Feuer und Flamme. Eine Mitbewohnerin war gefunden, eine tierische, versteht sich. Nach der Genesung zog sie im Kloster ein, seitdem geht es ihr hier gut, wie Claudius versichert. Lilly ist viel im Haus unterwegs, oft findet man sie im Klostergarten, der nach hinten raus einen fantastischen Ausblick mit sich bringt. Die Straße am Franziskanerplatz meidet sie, vor Autos hat sie seit ihrem Unfall Angst.

Mit Besuchern freundet sich die Katzendame sehr schnell an, sie liebt es, gestreichelt zu werden, dann schnurrt sie ganz besonders laut, schmiegt den Kopf an das Gegenüber, gibt kleine Laute des Wohlbefindens von sich. Dann beginnt sie wieder zu miauen. Hunger ist angesagt. Und Claudius? Gibt der Dame die notwendige Aufmerksamkeit in Form von Leckerlis. Lilly mag das. Kilian Pfeiffer