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Lösung für das Eckart-Grab?

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Der Grabstein von Dietrich Eckart könnte künftig an anderer Stelle ausgestellt werden. Alternativ dazu überlegt die Gemeinde, die Grabplatte horizontal zu lagern. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Der Grabstein von Hitler-Unterstützer Dietrich Eckart auf dem denkmalgeschützten Alten Friedhof soll künftig horizontal gelagert oder an einem neuen Ort ausgestellt werden. Das hat der Friedhofsverband jetzt entschieden. Dem vorausgegangen war eine Initiative von Christoph Karbacher, der sich dafür eingesetzt hatte, das Grab auflösen zu lassen. Er möchte verhindern, »dass unser Friedhof zu einer neuen Wallfahrtsstätte wird.«


Der Blumenschmuck hat Christoph Karbacher schon seit Langem gestört. Überhaupt die Tatsache, dass es auf dem Friedhof von Berchtesgaden ein Grab gibt, dass an den Ideengeber Hitlers erinnert. »In einer Dimension, die man nicht akzeptieren kann.« Denn Eckart war der Ideengeber Adolf Hitlers. Nach ihm waren in Berchtesgaden mehrere Orte benannt, zum Beispiel das Dietrich-Eckart-Krankenhaus. Mittlerweile sind alle Bezeichnungen geändert worden. »Nur das Grab, das steht immer noch«, sagt Karbacher.

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Die Gedenkstätte wurde im vergangenen Jahr aufgegeben und fiel an die Gemeinde beziehungsweise den Friedhofsverband zurück.

Immer wieder waren Pilger an das Grab gekommen. Auf YouTube existiert ein Video, das einen Grabbesuch zeigt: Vor fünf Jahren war ein Dutzend schwarz gekleideter Männer aus dem Berliner Raum dorthin gekommen, um Blumenkränze »mit eindeutigen Spruchbändern abzulegen.« Die Gemeinde reagierte schnell, ließ alle Kränze entfernen, wie Bürgermeister Franz Rasp bestätigt.

Karbacher sieht die Gefahr, dass der Ort zur Nazi-Wallfahrtsstätte werden könnte, ähnlich wie in Wunsiedel. Es komm erschwerend hinzu, dass das Eckart-Grab nicht nur eines der größten auf dem Friedhof ist, sondern zudem genau gegenüber jener Gedenkstätte platziert ist, die an die gefallenen einheimischen Soldaten des Zweiten Weltkrieges erinnert.

Karbachers Vorschlag, den er an die Gemeinde richtete, war, das Grab zu entfernen oder, alternativ, die Grabplatte künftig horizontal zu lagern, also vom Sockel zu entfernen. Von der Schnitzschule hat er sich ein hölzernes Modell anfertigen lassen, das die neue Situation zeigt. Die zweite Lösung erkennt der ehemalige Gymnasiallehrer und Heimatforscher als symbolischen Akt, der auch beim Friedhofsverband auf Zustimmung trifft.

Franz Rasp sagt, dass eine Entfernung des Grabes nicht möglich sei, da der Alte Friedhof unter Denkmalschutz steht.

Für den Erhalt des Grabes spricht sich auch das Landesamt für Denkmalpflege aus. Die fachlichen Empfehlungen des Instituts für Zeitgeschichte, das die Dokumentation Obersalzberg verwaltet, gehen ebenfalls in diese Richtung. Bürgermeister Rasp sympathisiert aber mit Karbachers Vorschlag, die Grabplatte horizontal zu lagern. Allerdings benötige die Gemeinde dazu die Zustimmung des Denkmalamtes. Für Friedhofsverbandsmitglied Oliver Schmidt gibt es keinen Grund, das Grab zu erhalten: »Ich will, dass es entfernt wird«, sagt er und erwägt, sich gegen die Meinung des Denkmalschutzes gegebenenfalls zur Wehr zu setzen. Für den evangelischen Pfarrer von Berchtesgaden, Peter Schulz, kommt eine weitere Variante in Frage. Historisch bedeutsame Persönlichkeiten könnten einen eigenen Bereich zugewiesen bekommen, an dem man an sie informativ erinnert. »Dann könnte man das Grab auflösen und wieder neu belegen lassen«, sagt er. Tatsächlich existieren auf dem denkmalgeschützten Friedhof, der seit über 330 Jahren existiert, eine Vielzahl solcher Gräber, einige aus Zeiten des Dritten Reiches. »Das wäre eine Möglichkeit, die wir in jedem Fall prüfen werden«, so Rasp. Kilian Pfeiffer

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